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Auf Bob Dylans Spuren : Die Tour hört einfach nicht auf

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Wir haben hier nicht so viele Nobelpreisträger: Das Haus mit der Nummer 2425 an der 7th Avenue, in dem Bob Dylan aufwuchs.

Also weiter zum prächtigen Backsteinbau der Hibbing High School von 1920. Mit dem Umzug der Stadt wollten die Minenbesitzer den Arbeitern und ihren Kindern bessere Bedingungen schaffen.Löhne wurden erhöht, das Streikrecht wurde gebilligt, und von der Ostküste wurden die besten Lehrer an die neue Schule gelockt. Knapp hundert Jahre später ist die Hibbing High School noch immer ein Mustergymnasium im Mittleren Westen. Große Fresken erzählen von der Besiedlung durch die Weißen, von den Eisenminen und vom Stahl. Auch an die Ojibwe-Indianer hat man gedacht, was zu jener Zeit alles andere als selbstverständlich war. Und Bob? Wo ist Bob? Joe schließt die Tür zu einer Kammer auf. Da ist er ja! Einige Schüler hatten vor kurzem das Thema Dylan, ihre Schwarzweißcollagen zu seinem Leben sind in dem Abstellraum gelagert. Das Abschlussjahrbuch von 1959 indes ist nicht zu finden. „Wurde geklaut“, sagt Mary, während wir uns vergnüglich durch die anderen Jahrgänge blättern.

Er schlief lange und ließ sich treiben

Eventually, it was time for me to get out of Minneapolis. Just like Hibbing, the Twin Cities had gotten a little too cramped, and there was only so much you could do.

Chronicles: Volume One, 2004

Vier Stunden dauert die Fahrt von Hibbing zurück nach Minneapolis. Die Minnesotans haben Kanus auf Autodach und Anhänger geladen: Samstagmorgen, Sonne, zehn Grad! Über zehntausend Seen ziehen sich durch den Bundesstaat, kleine, große, bewohnte, unbewohnte, private. Dylans Jahr in Minneapolis ist merkwürdig blass. Er wohnte in einem Studentenheim in Dinkytown, schlief lange und ließ sich treiben. Die University of Minnesota besuchte er nur, um sich einzuschreiben. Das knallbunte Dylan-Triptychon über dem Parkplatz in Downtown zeigt daher vieles, aber eines zeigt es sicher nicht: Was aus dem quirligen, großmäuligen 18-Jährigen wohl geworden wäre, hätte er in Minneapolis nicht die Folkmusik entdeckt, hätte er hier nicht zum ersten Mal Woody Guthrie gehört, hätte er hier und in der Nachbarstadt Saint Paul am anderen Ufer des Mississippi nicht seine ersten Konzerte gespielt.

Minneapolis weiß, dass es ihn nicht lange halten konnte, und freut sich doch, wenn Dylan alle paar Jahre wieder auf seiner Never Ending Tour auch hier spielt, mürrisch-grummelnd, noch immer merkwürdig gelockt, seit 30 Jahren von einer tollen Band begleitet. 1974 nahm Dylan in Minneapolis sogar einige Songs für das Album „Blood on the Tracks“ auf. Die Sessions fanden im Studio Sound 80 statt, wo drei Jahre später ein junger Mann mit irren Sound-Ideen seine ersten Demos aufnehmen sollte: Prince.

Heute befinden sich in dem Studio die Orfield Labs, eine akustische Forschungsstätte, deren schallisolierte Räume als stillster Ort der Erde gelten. Es wurden bereits minus neun Dezibel gemessen. Das ist dann doch eine Spur zu reizarm, lieber einen Kaffee am Mississippi! Heute kann man ihn sogar draußen trinken. Morgen geht es dann in den Paisley Park. Denn man kann Minneapolis auch treu bleiben, Prince jedenfalls tat es. Bis zu seinem Tod 2016 lebte und arbeitete er in dem riesigen Studio-, Party- und Wohnkomplex vor den Toren der Stadt.

Der Weg nach Minnesota

Anreise Condor fliegt in den Sommermonaten nach Minneapolis / Saint Paul (condor.com), Icelandair das ganze Jahr über. Nach Reykjavík gibt es zahlreiche Zubringerverbindungen aus Deutschland (icelandair.com).

Duluth Über Dylan und Duluth informiert bobdylanway.com. Die Hafenstadt ist auch ohne ihren berühmten Sohn ein lohnenswertes Ziel (visitduluth.com). Hibbing Dylan-Touren mit Mary und Joe Keyes sind vorab zu reservieren, Tel. 0 01/2 18/2 62 52 06.

Das Minnesota Discovery Center im nahegelegenen Chisholm erzählt die Geschichte der Minen in der Mesabi Range (mndiscovery-center.com).

Weitere Informationen unter exploreminnesota.com Die Stadt Minneapolis setzt eher auf Prince: minneapolis.org und officialpaisleypark.com.

Bob Dylan spielt von Ende März bis Juli in Deutschland Konzerte, am 4. April auch in Berlin. Karten gibt es unter eventim.de, livenation.de, ticketmaster.de.

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