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Auf Bob Dylans Spuren : Die Tour hört einfach nicht auf

  • -Aktualisiert am
Schöne Stadt am Mississippi: Minneapolis.

Ed Newman treffen wollte ich natürlich auch. Der Blogger und Künstler ist so etwas wie die graue Eminenz in Sachen Dylan und Duluth. Ihm ist es unter anderem zu verdanken, dass die Stadt 2006 einen drei Kilometer langen „Bob Dylan Way“ zu den wichtigsten Dylan-Sehenswürdigkeiten eingerichtet hat. Jetzt stehen wir beide vor Dylans Geburtshaus, und Ed telefoniert mit Bill Pagel, dem Besitzer des hellen Holzbaus, in dessen oberster Etage die Familie Zimmerman bis 1947 gelebt hat. Pagel ist ein Hardcore-Fan. Der Pharmazeut kauft so gut wie alles auf, was mit Dylan zu tun hat, so auch jetzt. „Bill kann uns leider nicht reinlassen“, sagt Ed. „Er ist gerade in New York, wahrscheinlich auf einer Dylan-Auktion.“

Ein Immigrant aus Wernigerode

Wir fahren weiter zur Armory, der alten Stadthalle von Duluth. Hier sah Dylan 1959 Buddy Holly – ein Erweckungserlebnis für den 17 Jahre alten Teenager, der mit seiner Schülerband in Hibbing nur krachend-lärmenden Rock ’n’ Roll zustande brachte. Heute steht die Armory leer. Es ist ein gespenstischer Ort, an dessen Wänden sich die alten Farbschichten wie Herbstlaub kräuseln. Klatscht man in die Hände, hört man ein entferntes „Plopp“.

Hibbing’s got the biggest open pit ore mine in the world

Hibbing’s got schools, churches, grocery stores an’ a jail

My Life in a Stolen Moment, 1962

Früh morgens am Hafen von Duluth.

Franz Dietrich von Ahlen war sich sicher: Hier liegt Eisen. Er konnte es regelrecht fühlen, als er 1892 von Duluth in die Mesabi Range aufbrach. Die Ojibwe-Indianer wussten es auch: Etwas Magnetisches ging von diesen Hügeln aus. Der deutsche Immigrant aus Wernigerode witterte Großes. 1893 kaufte er Land und gründete eine Stadt. Tatsächlich war Frank Dietrich Hibbing, wie er sich mittlerweile nannte, auf eine der ergiebigsten Eisenadern Nordamerikas gestoßen. Die Mesabi Range zieht sich auf rund hundert Kilometern quer durch den Norden Minnesotas, randvoll gefüllt mit rotem Erz, das leicht über Tage abzubauen und wie geschaffen war für die Industrialisierung an den Great Lakes.

Bobby hat die Stadt nie vergessen

Über zwei Dutzend Tagebaue gab es einst, heute sind es noch sechs. Die Stadt selbst lag ebenfalls auf Eisen, weshalb man sie in den zwanziger Jahren drei Kilometer nach Süden versetzte. „Hibbing is the town that moved“, sagt Mary Keyes begeistert, als wir uns bei „Sammy’s Pizza“ gegenübersitzen. Mary ist rund zehn Jahre jünger als Dylan und war früher Lehrerin an der Hibbing High School. Jetzt bietet sie mit ihrem Mann Joe Dylan-Touren durch das 16.000-Einwohner-Städtchen an.

Die Stadt, die umzog: Eine der letzten Erztagebaugruben bei Hibbing.

Aus Mary sprudelt es nur so heraus: dass „Bobby“ von seinem Vater losgeschickt wurde, um die Schulden einzutreiben bei jenen, die bei Zimmerman Furniture and Electric zu lange in der Kreide standen. Dass das „Androy Hotel“, in dem seine Bar Mizwa gefeiert wurde, jetzt ein Altersheim ist. Dass Bobby die Stadt, in der er aufwuchs, nie vergessen habe, zuletzt sei er 2006 mit einem Pick-up vorgefahren, um an einer Beerdigung teilzunehmen „Und wissen Sie, was er seinem früheren Englischlehrer damals gesagt hat? ,Ich habe viel von ihnen gelernt, Mr. Rolfzen!‘ Ist das nicht herrlich?“

Zu Hause bei Bob

Los geht’s zur 7th Avenue East, die neuerdings Bob Dylan Drive heißt. „Wir sammeln auch Geld für ein kleines Denkmal, wir haben ja nicht so viele Nobelpreisträger hier in Hibbing“, berichtet sie weiter, doch da stoppt Joe bereits den Wagen: Hausnummer 2425 ist erreicht. Bobs Adresse von 1947 bis 1959 ist ein taubenblaues, zweigeschossiges Einfamilienhaus in ruhiger Wohngegend. Familie Zimmerman hatte sich mit dem Umzug klar verbessert – und vergrößert: Bobs Bruder David wurde 1947 dort geboren. Ob man mal klingeln könne? „Lassen wir’s“, seufzt Mary. Die jetzigen Eigentümer würden sich leider nicht so sehr um das Haus kümmern.

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