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Attersee in Österreich : Die Ruhe vor dem Turm

Atem holen, Augen schließen und dann Absprung schaffen: Ein Badegast stürzt sich am oberösterreichischen Attersee vom Zehnmeterturm. Bild: Sebastian Eder

Am Attersee in Oberösterreich steht ein Zehnmeterturm. Auch wenn der sehr schön ist – der Rückwärtssalto von ganz oben kostet trotzdem viel Überwindung. Zum Glück kann man in der Nähe die Höhenangst bekämpfen.

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          Das Wasser ist dunkel. Ich stehe auf dem Zehnmeterturm am Darmstädter Badesee Woog und blicke in den Abgrund. Es ist Nachmittag, die Sonne steht tief, Bäume werfen Schatten, das Wasser sieht bedrohlich aus. Eigentlich will ich hier Mut sammeln, um einen Tag später am Attersee in Österreich einen Rückwärtssalto vom Zehnmeterturm zu wagen. Aber im Moment ist es für mich unvorstellbar, aus dieser Höhe einen Salto zu machen. Wenn man aus zehn Metern abspringt, schlägt man mit etwa 50 Kilometer pro Stunde auf der Wasseroberfläche auf. Das zurückliegende Wochenende habe ich vor allem damit verbracht, auf FAZ.NET Badeunfälle zu vermelden. Ich springe ab, mache keinen Salto, tauche gerade ins Wasser und fahre geknickt nach Hause. Dort packe ich meine Sachen für Österreich.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Am nächsten Morgen steige ich bei Frankfurt in den Zug, um zwölf Uhr komme ich in Vöcklabruck in Oberösterreich an. Dort empfängt mich eine nette Frau vom Tourismusbüro, sie trägt Dirndl und freut sich über den Besuch. Sie betreue seit 17 Jahren Journalisten am Attersee, sagt sie, „aber für den Sprungturm hat sich noch nie jemand interessiert“. Kurz sitzen wir im Auto, dann taucht am Ende der Straße der fast 19 Kilometer lange und bis zu drei Kilometer breite Attersee auf. Gustav Klimt hat hier viele Sommer verbracht und Landschaften gemalt, tatsächlich sieht der See gerade aus wie ein Bild von ihm: Segelschiffe gleiten über das türkisfarbene Wasser, die Sonne scheint, am Ufer liegen Urlauber, dahinter erheben sich der Schafberg und das Höllengebirge.

          Wir fahren nicht direkt ans Ufer, sondern erst mal in eine Art Höhen-Trainingslager: den Hochseilgarten am Attersee. Auch der sieht aus wie gemalt. Von saftig grünen Wiesen auf geschwungenen Hügeln ragen Holzpfähle in den Himmel, verbunden sind sie durch Seile, Balken, Netze und Kletterwände. An einem der Seile hängt gerade Dominik Preuner, ihm gehört der Klettergarten seit dieser Saison. Preuner ist 26 Jahre alt, er hat drei Jahre lang Volkswirtschaft in Wien studiert, bevor er genug von der Großstadt hatte und den Hochseilgarten übernahm. Er gibt mir meine Kletterausrüstung, ich streife sie mir über die Beine. Zwei Gurte baumeln Richtung Boden, mit ihnen kann ich mich in die Sicherheitsseile einklinken, erklärt mir Preuner.

          Kopfüber auf der Riesenschaukel

          Zusammen klettern wir über eine steil ansteigende Seilkonstruktion auf die Hauptplattform in zwölf Meter Höhe. Von dort aus kann man die Hindernisse selbständig erkunden, auf Zetteln wird erklärt, was zu tun ist. Preuner verabschiedet sich, um die nächsten Kunden einzuweisen, sagt aber noch: „Versuch mal, hier freihändig drüberzulaufen.“ Er zeigt auf einen schmalen Balken, der in zwölf Meter Höhe von einer Plattform zur nächsten führt. Ähnlich wie am Tag vorher auf dem Sprungturm denke ich: Es ist völlig unvorstellbar, dass ich da freihändig drüberlaufe. Ich hake meine Sicherheitsgurte in ein Seil ein, das oberhalb des Balkens auf Kopfhöhe gespannt ist, kralle mich an ihnen fest und laufe mit wackligen Beinen über den Balken.

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