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Atlantische Segelregatta : Barfuß über den Teich

  • -Aktualisiert am

Barfußroute heißt die Rennstrecke in die Karibik im Seglerjargon. Auf ihr war schon Kolumbus unterwegs. Doch wer glaubt, mühelos über den Atlantik schippern zu können, nur weil stets angenehme Temperaturen ein Leben an Bord ohne Schuhe zulassen, der irrt: Was zunächst einfach klingt, birgt Risiken in sich. Bei vielen Seglern gilt der Atlantik als Hexenkessel, in dem das Wetter von einer Sekunde auf die andere umschlagen kann.

Der erste Landgang ist ein Schock

So zuverlässig, wie man meint, ist der Passat gar nicht“, sagt Mareike Guhr: „Wasser, Wellen, Wolken und Licht wechseln oft, sind niemals gleich. Man muss sich ständig auf neue Situationen einstellen.“ Die Hamburgerin brauchte eine Woche länger als üblich ist für die Passage - der Wind blieb aus. Auch Thomas Kanzler war mit kleiner Crew unterwegs. Der erste Landgang ist deshalb ein Schock: die vielen Menschen, der Rummel in Rodney Bay. Doch wenn man lange auf See war, erscheint die Welt an Land auch winzig.

Längst ist die ARC viel mehr als ein Langstreckenrennen für Segelyachten. Schon vierzehn Tage vor der Rallye stimmen sich die Crews in Las Palmas mit Veranstaltungen auf die Wettfahrt ein. Richtig gefeiert wird allerdings erst, wenn die Anstrengung abgefallen ist. Seitdem St. Lucia Barbados als Zielhafen abgelöst hat, wird der früher verschlafene Küstenort Rodney Bay jedes Jahr im Dezember zur karibischen Partymeile. Jede Crew wird an Bord mit Kokospunsch begrüßt, die lokale Presse ist selbstverständlich mit dabei, um über alle Details zu berichten. Es gibt Stegpartys mit Steelbands, bei denen man Kontakte zu Seglern aus aller Welt knüpfen kann. In Holzbuden direkt am Boardwalk des Yachtclubs werden die Segler mit lokalen Köstlichkeiten versorgt. Und im Nachbarort Gros Ilet tanzt man bei der Jump-up-Straßendisko.

Schutz vor Hurrikans

Der Ort Rodney Bay selbst ist nur zehn Minuten vom Yachtclub entfernt und hat mit seinen Bars, Lokalen, Hotels und Geschäften in den vergangenen Jahren einen Riesenschritt in die Moderne gemacht. Die vielen Segler aus dem Ausland brachten Geld auf die Kleinen Antillen, viele von ihnen kauften Land, rund um die Bucht entstanden Villen. Die Regierung des nicht gerade finanzstarken Inselstaats investierte in die Infrastruktur. Es gibt einen Direktflug von St. Lucia nach Frankfurt. Wer sein Boot in der Karibik lässt, weiß dies zu schätzen.

Die Rodney Bay Marina selbst gehört zu den modernsten der Karibik und bietet Seglern nicht nur alle Technik, um notwendige Reparaturen vorzunehmen. Die Bucht ist wegen der Landzunge, die sie fast umschließt, auch gut vor Hurrikans geschützt. Außerdem liegt St. Lucia strategisch günstig fast in der Mitte des Antillengürtels - für die Weiterreise gibt es dadurch ein Füllhorn an Optionen. Für Mareike Guhr und Thomas Kanzler aber ist der gemeinsame Weg hier zu Ende. Er wird ins kalte Deutschland zurückkehren. Die junge Frau aber setzt ihre Weltumseglung noch ein wenig fort. Die Regatta war nur der Anfang eines Abenteuers.

Unter Segeln über den Atlantik

Anreise: Die Fluggesellschaft Condor fliegt immer donnerstags von Frankfurt aus nach St. Lucia. Auskunft und Registrierung zur ARC 2012 sind möglich im Internet unter der Adresse www.worldcruising.com/arc.

Allgemeine Informationen gibt es beim St. Lucia Tourist Board, Eckenheimer Landstr. 483, 60435 Frankfurt, im Internet unter www.stlucia.org.

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