https://www.faz.net/-gxh-7xbs3

Spanien : Zwischen Größe und Größenwahn

  • -Aktualisiert am

Rauhes Land in Grün und Blau: Asturien widerspricht allen Klischees über Spanien - und ist doch das spanische Herzland schlechthin. Bild: Volker Mehnert

Asturien ist die Keimzelle der spanischen Nation, kämpft heute aber mit den Folgen des industriellen Niedergangs. Das schreckt viele Touristen ab - die so eine Region von wundersamer Vielfalt verpassen.

          7 Min.

          Dort, wo ein schroffes Hochgebirge auf ein stürmisches Meer herabschaut, ein westgotischer Fürst dem Expansionsdrang der Mauren Einhalt gebot und die christliche Reconquista der Iberischen Halbinsel ihren Ausgang nahm, wo die Spanier einen nationalen Wallfahrtsort besuchen, wohlhabende Rückkehrer aus den amerikanischen Kolonien kuriose Protzbauten errichteten, präromanische Kirchen mit einem avantgardistischen Zukunftsmodell konkurrieren und ausgelaugte Industriestädte nach neuen Horizonten Ausschau halten, kurz: dort, wo sich spanische Geschichte und Kultur einmal anders präsentieren als in der üblichen Sphäre von Prado und Alhambra, von Olivenhainen, Stierkampf und Don Quijote - dort liegt Asturien.

          Santa María del Naranco ist das beeindruckendste architektonische Symbol der asturischen Andersartigkeit. Es gehört zu einer Gruppe von mehr als dreißig präromanischen Kirchen und Gebäuden, die im neunten Jahrhundert in der Gegend um Oviedo errichtet wurden. Die zumeist frei in der Landschaft verteilten turmlosen Kirchen imponieren gerade wegen der Schlichtheit ihrer unverputzten Außenmauern aus Natursteinen. Die Fassaden sind dezent gegliedert durch Rundbögen, winzige Fensteröffnungen, zierliche Säulen und filigrane Ornamente. Das Gebäude wurde im Jahr 848 ursprünglich nicht als Gotteshaus, sondern als königliche Sommerresidenz errichtet und erst vier Jahrhunderte später zur Kirche umfunktioniert. Von außen besticht der zweistöckige, langgestreckte Saalbau mit seiner strengen Eleganz, während der fast acht Meter hohe Ratssaal im Innern eine heitere Leichtigkeit ausstrahlt. Der eigentlichen Romanik um zwei Jahrhunderte voraus, verwundert es nicht, dass die Ornamentik noch vom römisch-griechischen Altertum und von der westgotischen Kunst beeinflusst ist. Es gibt wohl kein makelloseres Exemplar der Architektur im Übergang von der Antike zum christlichen Mittelalter, und die beiden Rundbogen-Ensembles an den Frontseiten gehören mit ihren verzierten Säulen zu den schönsten Werken der asturischen Kunst - Grund genug für die Unesco, die Kirche zusammen mit fünf weiteren präromanischen Gebäuden rund um Oviedo zum Weltkulturerbe zu erklären.

          Scharmützel an der Nordrenze

          Dass sich Santa María del Naranco ebenso wie die meisten anderen Kirchen der asturischen Präromanik abseits der Siedlungen und Städte versteckt, hat seinen Grund in der Geschichte des Christentums im spanischen Norden. Im Jahr 722 hatte sich der westgotisch-asturische Fürst Pelayo im unwirtlichen Kantabrischen Gebirge dem Vordringen der Mauren entgegengestemmt und die Eindringlinge in der Schlacht von Covadonga besiegt. Obwohl sie mit einer stärkeren Streitmacht sicher hätten zurückkommen und auch diesen letzten iberischen Landstrich hätten übernehmen können, hatten die Araber das Interesse an der Region hinter den kalten Bergen verloren. Langfristig begingen sie damit aber einen schweren Fehler, der sich sieben Jahrhunderte später rächte. Denn in Asturien hatten sie eine Keimzelle des Christentums und des Widerstands bestehen lassen, die regelmäßig für Unruhe und Scharmützel an der Nordgrenze ihres europäischen Vorpostens sorgte. So konnte es schließlich zur Reconquista kommen, der Rückeroberung der gesamten Iberischen Halbinsel durch die Christen, die Ende des fünfzehnten Jahrhunderts abgeschlossen war.

          Weitere Themen

          Kletterparadies Kalymnos Video-Seite öffnen

          Sportlicher Trip an die Ägäis : Kletterparadies Kalymnos

          Kletterfans aus aller Welt treffen sich einmal im Jahr auf der griechischen Insel Kalymnos. An den spektakulären Felsformationen messen sie sich unter anderem im Deep Water Solo – dem freien Klettern über tiefem Wasser.

          Topmeldungen

          Sicherheitszone in Syrien : Kramp-Karrenbauer auf Konfrontationskurs

          Die Verteidigungsministerin fordert eine internationale Schutzzone in Nordsyrien – und schließt auch den Einsatz deutscher Soldaten dabei nicht aus. Damit irritiert sie die SPD und vor allem Außenminister Maas. Die Kritik lässt nicht lange auf sich warten. Auch der Kreml äußert sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.