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Urlaub in Colorado : Das Skigebiet, ein Sommernachtstraum

  • -Aktualisiert am

Zum Beispiel Angeln: eine der Tätigkeiten, die dem Touristen im Sommer nahegelegt werden. Bild: Elle Logan

Der Wintersportort Aspen in Colorado bekommt den Klimawandel immer deutlicher zu spüren. Nun bemüht man sich um Sommertouristen. Das geht aber nicht ohne den Nachbarort – und der heißt Snowmass.

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          In Aspen, unweit des Liftes hoch zum Ajax, stehen ein paar Menschen an der Seitenwand eines Backsteingebäudes und malen sie bunt an. Sie kleben Folien auf die Wand, sprühen darüber, immer wieder in anderen Farben. So entsteht über Tage hinweg ein Bild. Der Street-Art-Künstler Shepard Fairey, bekannt aus dem Banksy-Film „Exit through the Gift Shop“, hat es entworfen: Hände, die eine Flamme halten, Ölfördertürme, Pflanzen, ein Frauengesicht. Die Wandmalerei bezieht sich auf die Serie „Wrong Path“, der falsche Weg, und handelt von Klimawandel, fossilen Brennstoffen und davon, wie wir die Welt der nächsten Generation hinterlassen.

          Fairey erklärt seine Werke nicht. Keiner von denen, die das Bild an die Wand bringen, weiß, ob es Zufall ist, dass es gerade hier hängt, in Sichtweite des Liftes hinauf auf den Ajax, der in der letzten Wintersaison lange Zeit stillstand.

          Mit der Trockenheit kam die Arbeitslosigkeit

          Der vergangene Dezember war einer der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der Bundesstaat Colorado hatte im Januar nicht mal fünfzig Prozent des durchschnittlichen Schneefalls erreicht. Die Bedingungen in Aspen waren so schlecht, dass die Aspen Skiing Company eine Suppenküche für die plötzlich arbeitslosen Saisonarbeiter eröffnete. Und das in Aspen, dem Wintersportort der Reichen und Schönen, dem St. Moritz der Rocky Mountains. Doch aus der Not muss eine Tugend werden, denn all die Schauspieler und Künstler, Unternehmer und Politiker sollen nun auch im Sommer in Colorados Berge reisen.

          Das große Vorbild aller alpinen Skiregionen, die das ganze Jahr über ihre Hotels und Lifte offenhalten wollen, ist der Ort Whistler in Kanada. Die Ansiedlung, die als Resort in den siebziger Jahren entstanden war, hat es geschafft, dass heute über sechzig Prozent seiner jährlichen Gäste im Sommer kommen.

          Allerdings haben sie dort schon vor zwanzig Jahren erkannt, dass man sich nicht auf den Winter verlassen kann. Man hat Golf- und Tennisplätze angelegt, bereits 1999 einen Bike-Park eröffnet, und jedes Jahr finden immer mehr Festivals und Konferenzen statt.

          Lagerfeuer a la americana.
          Lagerfeuer a la americana. : Bild: 2016HalWilliamsPhotographyInc

          In den Bergen rund um Aspen hat vor vier Wochen ebenfalls ein Abenteuerpark eröffnet: Dort, wo im Winter die Schneefans ihre Abfahrt beginnen, steht nun eine fast zwei Kilometer lange Sommerrodelbahn, ebenso ein Hochseilgarten mit fünf Routen und ein Zip-Line-Parcours mit vierhundert Meter langen Seilen. Das Ensemble wurde „Lost Forest“ getauft, vermutlich, weil es so versteckt im White-River-Staatsforst liegt, dass man es auf den ersten Blick gar nicht sieht.

          Genau genommen liegt der grüne Spaßpark aber nicht in Aspen, sondern im benachbarten Snowmass. Es ist Aspens günstigerer Nachbarort, ebenfalls als Resort in den 1960ern aus dem Boden gestampft, als der Skisport in Aspen so richtig Fahrt aufnahm. Bis in die fünfziger Jahre hinein war man nur den Ajax hinabgefahren. Nach und nach wurden weitere Berge erschlossen, und 1967 war Snowmass das größte Projekt, bei dem es nicht nur um Sessellifte und Skipisten ging, sondern um ein ganzes Dorf. Noch heute fährt die Hälfte aller Aspen-Besucher täglich in Snowmass Ski, und wer im Sommer die Berge besucht, findet in Aspen Entspannung und in Snowmass Adrenalin.

          Weniger Schnee war nie

          Etwa beim Rodeo. Das Snowmass-Rodeo feiert gerade sein 45-jähriges Bestehen. Der achtzig Jahre alte Twirp Anderson war bisher jedes Jahr dabei, die ersten 35 Jahre als Ansager und Hufschmied, später auch als wandernde Jukebox. „Letzter Winter war schlimm“, sagt er. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir je weniger Schnee hatten.“ Anderson trägt Cowboyhut, Hemd und Weste und steht mit seiner Gitarre in der Hand auf dem Rodeoplatz in Snowmass. Er fragt die Zuschauer nach ihren Lieblingssongs und spielt sie. Niemand hat je verzweifelter „Take me home, country roads“ gesungen. Das Valley, das schon so lange sein Zuhause ist, hat sich unglaublich verändert – als er in den sechziger Jahren in die Gegend kam, gab es Snowmass noch gar nicht.

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