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Arktiskreuzfahrt : Die Einsamkeit des Eisbären

  • -Aktualisiert am

Bis zu neunzig Zentimeter dicke Schollen kann die Hanseatic nature durchstoßen. Doch immer seltener muss sie an ihre Grenzen gehen, weil das Eis der Arktis mit dramatischer Geschwindigkeit schmilzt. Bild: Peggy Günther

Ein neues Expeditionsschiff fährt für Hapag-Lloyd Cruises in die Arktis. So beeindruckend das Naturschauspiel ist, so beängstigend sind die längst unübersehbaren Folgen des Klimawandels.

          7 Min.

          Entspannt liegt die Ringelrobbe auf ihrer Scholle und beobachtet ungläubig das blauweiße Ungetüm. Die Kameras klicken angestrengt, ansonsten herrscht gespannte Stille an der Bugspitze der Hanseatic nature. Es gibt kaum einen Platz, der nicht von einem blauen Hapag-Lloyd-Parka besetzt wäre. Das ist kein Wunder, denn näher als auf dem Nature Walk kann man dem ersten Eisfeld auf dieser Expedition gerade nicht sein. „Festhalten“, sagt eine Passagierin, alle blicken gespannt über die Reling. Das Schiff scheint nicht eben langsam zu fahren, als der mit einer Metallplatte verstärkte Bug unter einem mächtigen Donnern erzittert. Lange Risse ziehen sich durch die beachtlichen Eisplatten, und die Hanseatic nature gleitet trotz immer wiederkehrender Erschütterung mit unverminderter Geschwindigkeit hindurch.

          Es ist faszinierend und beängstigend zugleich, mit wie viel Kraft sich menschliche Ingenieurskunst ihren Weg in entlegene Regionen bahnt. Dank der höchsten Eisklasse für Passagierschiffe kann der Neubau von Hapag-Lloyd Cruises es mit bis zu neunzig Zentimeter dickem Eis aufnehmen. Das eben seien gerade mal sechzig Zentimeter gewesen, informiert der Bordlautsprecher. Und da wir nun wieder offenes Wasser vor uns haben, geht der Kurs weiter gen Norden. Nächstes Ziel: der achtzigste Breitengrad, beziehungsweise die Packeisgrenze – je nachdem, was zuerst kommt.

          Der Bär schläft auf dem Eis

          Im Hanseatic-Restaurant werden Rehmedaillons serviert. Pünktlich nach dem Mittagessen blickt Hanna auf der Brücke konzentriert durchs Fernglas. „Heike, ich glaube, ich habe da was.“ Die Passagiere, die die Szene beobachten dürfen, sind plötzlich hellwach. Expeditionsleiterin Heike Fries geht zum festmontierten Fernglas und sucht den Blickwinkel der Bärenwächterin. „Ja, das ist der erste Eisbär dieser Reise“, stellt Heike Fries fest und schreitet zum Mikrofon für die Durchsage. Rasch füllt sich die offene Brücke mit Passagieren, auch auf dem Nature Walk tauchen wieder zahlreiche blaue Jacken auf. Heike Fries raunt: „Wie gut, dass an Bord der Hanseatic nature jeder Gast sein eigenes Fernglas hat. In solchen Situationen haben sich die Leute schon um die Ferngläser geprügelt.“ Nach kurzem Suchen werden auch Ungeübte fündig: Ein gelber Fleck am Horizont lässt die Herzen schneller schlagen. Langsam tastet sich das Schiff heran. Der Bär schläft auf dem Eis, hebt nur einmal kurz den Kopf. Inzwischen kann man ihn mit dem bloßen Auge erkennen. Freude und Rührung schwappen über das Vordeck, die Kameras klicken im Akkord.

          Am Rande Europas: Die kleine Stadt Longyearbyen im Nebel.
          Am Rande Europas: Die kleine Stadt Longyearbyen im Nebel. : Bild: Picture Alliance

          Momente wie dieser ziehen immer mehr Menschen in die rauhe Arktis. Jeder zweite Passagier an Bord antwortet auf die Frage, warum er die Reise gebucht habe, mit leuchtenden Augen: „Einmal Eisbären sehen.“ Das Publikum ist bunt gemischt, viele Expeditionserfahrene mit Funktionskleidung sind darunter, aber auch elegant gekleidete Passagiere, die man vom ersten Eindruck her eher auf den beiden Luxusschiffen der Reederei vermuten würde. Oder, um es mit den Worten des Kunstmalers Hans Beat Wieland zu sagen, der 1896 eine der ersten Spitzbergen-Reisen begleitete: „Ich musste plötzlich daran denken, wie lächerlich wir uns eigentlich in unseren Lackschuhen und weißen Westen etc. ausnahmen, so mitten in dem Allerheiligsten der Natur.“

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