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Frankreich : Als Farbe einzog in den Schnee

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Die Moderne in Megève: Henry Jacques Le Mêmes rotes Wohnhaus mit Atelier, das er sich 1929 gebaut hat. Bild: Jarry-Tripelon / Anzenberger

Auch im französischen Skiort Megève stehen die Lifte still. Eine gute Gelegenheit, sich die Architektur der Moderne anzusehen.

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          Das Weihnachtsfest nahte. Aber die Lifte standen still in Megève. Damals, vor wenigen Jahren, ging es noch nicht um eine Pandemie. Vielmehr warf ein anderes Problem, das bald großformatig die Alpen ergreifen dürfte, seinen langen Schatten voraus: der Schneemangel. Und Megève – auf nur 1105 Meter Höhe – musste 2014 zuerst den Start für die Skisaison immer weiter nach hinten verschieben, dann die Weihnachtspläne ändern. Wer von den Hoteliers noch Kapazitäten in höher gelegenen Ski-Orten hatte, brachte seine Gäste für die Feiertage eilig dorthin, wo es noch verlässlich schneite: nach Flaine, Avoriaz oder Les Arcs, die auf bis zu 1800 Metern liegen.

          Megève, das man sich als eine Art französisches Kitzbühel oder Sankt Anton vorstellen kann, steht jetzt wieder vor einer ähnlichen Herausforderung: Wer kommt, wenn man nicht Ski fahren darf? In Wintersportorten, wo teilweise 80 Prozent der Bevölkerung im Tourismus arbeiten, sorgt die Ansteckungsgefahr des Virus für Stillstand in der Hauptsaison. Reist nun gar niemand mehr an, um etwas zu konsumieren? Oder nur noch die beneidenswerten Familien, die ein Ferienhaus besitzen?

          Im Unterschied zum 35 Kilometer entfernten Chamonix ist Megève keine vielschichtige Stadt in den Bergen. Nach Chamonix kommen im Sommer Kletterer, Bergsteiger, Wanderer und Mont-Blanc-Touristen; und im Winter kommen Skifahrer, vom Skischulkind bis zu Extrem-Freeridern. Megève dagegen ist ein reiner Wintersportort. Und anders als Courchevel wiederum, das in Savoyen als Glamourdestination für Russen, Araber und Gourmets aus aller Welt gilt, anders auch als Méribel mit seinen britischen Gästen, lockt Megève als traditionelles Weihnachtsziel großbürgerliche Franzosen und Belgier mit Zweitwohnsitz. Andere Besucher, auf die Megève jetzt hofft, konnten für den diesmal stillen Jahreswechsel zwischen Lady, Combloux und Praz-sur-Arly zuhauf Häuser mieten, viele groß und luxuriös eingerichtet. Freiraum gibt es gerade genug. Die Hotels dagegen sind coronabedingt geschlossen, und bequemes Skifahren mit Lift fällt gerade aus.

          Eine Frage der Perspektive: Le Mêmes Vorstellung der Bar „Le Mauvais pas“.
          Eine Frage der Perspektive: Le Mêmes Vorstellung der Bar „Le Mauvais pas“. : Bild: Archives Departementales de la Haute-Savoie

          Dafür können all jene, die trotzdem da sind, nun unter den gesperrten Seilbahnen mit Maske über die Piste spazieren, bis hin zu den farbigen Häusern von Henry Jacques Le Même. Der in Deutschland kaum, in Frankreich dagegen sehr bekannte Architekt wirkte als Zeitgenosse und kleiner Gegenspieler des großen Le Corbusier. Megève war schon seit 1903 ein Kurort. Der belgische König und die britische Queen verbrachten hier ihre Ferien. Um 1920 überredete Noémie de Rothschild ihren Onkel zur Erschließung einer Skistation. Früh kam Le Même ins Spiel und eröffnete ein Atelier. Als Erstes baute er den Rothschilds ein zeitgemäßes „Savoyer Bauernhaus“ am Mont d’Arbois – der Beginn der alpinen Moderne von Megève. Den Entwurf für das Nachbarchalet, das sich damals eine Bourbon-Prinzessin bauen ließ, reichte er 1929 sogar als Diplomarbeit an der Pariser Ecole des Beaux-Arts ein.

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