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Aquatis in Lausanne : Wenn Warane grinsen könnten

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Zeitreise in die Unterwasserurwelt: Alligatoren-Hechte und Löffelstöre gab es schon, als noch Dinosaurier Land und Meer bevölkerten. Bild: Franz Lerchenmüller

Eingeschleppte Krebse, Giftschlangen im Klassenzimmer und fliegende Flüsse: Das Aquatis Lausanne, Europas größtes Süßwasser- Aquarium-Vivarium, lockt mit Naturspektakeln und viel Wissenswertem.

          Naga ist heute gut gelaunt. Keine scheelen Blicke, keine ungewöhnlich großen Augen, keine nervösen Bewegungen. Gelassen ruht der Drache, wie sein indonesischer Name in der Übersetzung heißt, auf seiner Betonrampe und blickt hinüber zu der schilfgedeckten Hütte. Dort kauern unter der Veranda schon wieder drei Kinder und starren ihn so neugierig wie respektvoll an. Er bemerkt sie, er riecht sie, aber er weiß, dass er nicht an sie herankommt. Seit einem Jahr lebt er hier und hat inzwischen gelernt, dass dickes Glas diese Beute von ihm trennt. Doch der achtjährige Komodowaran kann das verschmerzen. Er ahnt: Am letzten Tag des Monats werden die Pfleger ihm wieder ein ganzes Reh oder ein Wildschwein ins Gehege werfen. Wie ein Torpedo wird er sich dann darauf stürzen, wird es zerfetzen, zerreißen, zerkauen, verschlingen – und dann zehn Tage lang nur abhängen und verdauen. Anschließend taucht sicher wieder Michel Ansermet auf, sein lebenslanger Begleiter. Der wird nach ihm rufen und mit dem Stöckchen mit der weißen Scheibe vornedran wedeln.

          Seine Menschen hat sich Naga ordentlich zurechttrainiert. Wackelt er nur einmal kurz zu ihnen hinüber und tippt mit der Schnauze an die Scheibe, rücken sie gleich lecker Mäuschen heraus. Dafür kriecht er auch bereitwillig in die enge Kiste, wenn sie einem die Krallen schneiden oder Blut abzapfen wollen. Sicher: Manchmal ist da dieses Sehnen im Blut, diese eigenartige Unruhe, aber dann sind da wieder andere Gesichter hinter dem Glas, wabern wieder neue Düfte durch die Luft, denen man nachspüren und nachsinnen kann. Ach ja, es hat schon sein Gutes, dieses wohlversorgte, gut überwachte, geradezu spießbürgerliche Dasein als Besuchermagnet in der fürsorglichen Schweiz – das gepanzerte Kraftpaket würde wohl zufrieden grinsen, wenn Warane grinsen könnten.

          Nicht schön, aber günstig gelegen

          Naga ist der Star unter den geschuppten, schleimigen und zahnbewehrten Bewohnern von Aquatis, Europas größtem Süßwasser-Aquarium und -Vivarium. Aber er ist nicht der einzige. Nicht weniger beliebt sind die berüchtigten Piranhas und der giftige Taipan, der Alligatorhecht und die Nashornviper, der mächtige Pirarucu vom Amazonas und der Kammmolch aus den heimischen Alpen. Vor etwa einem Jahr sind sie eingezogen in ihre Becken und Terrarien. Vier Jahre lang war an dem flachen Zylinder des Aquatis gebaut worden, der mit seiner Fassade aus hunderttausend Aluminiumplättchen selbst an ein silbern geschupptes Wesen erinnert. Nicht schön, aber günstig liegt er im Norden von Lausanne nahe der Autobahn. Vom Parkhaus, unter dem sich zugleich die Metrostation Vennes befindet, fährt man mit dem Aufzug nach oben, und schon steht man in der Eingangshalle.

          Warum so skeptisch? Ein Silberflossenblatt schaut in Lausanne ein wenig griesgrämig drein.

          Die ersten Überlegungen der Herrn Pitaval, Labous und Etter, dreier junger Wissenschaftler, das größte Süßwasser-Aquarium Europas zu errichten, gehen bis ins Jahr 2000 zurück. 2005 erhielten sie von der Stadt Lausanne den Zuschlag, ihr Projekt in das neue Parkhaus zu integrieren. Doch erst als die Boas-Hotelgruppe 2009 einstieg, war die Finanzierung gesichert. Im Jahr 2013 entschied man, das vor dem Konkurs stehende Vivarium von Lausanne mit seinen Reptilien und Amphibien miteinzubeziehen. Und am 21. Oktober 2017 wurde Aquatis, nachdem der Termin mehrmals verschoben worden war, endlich eröffnet.

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