https://www.faz.net/-gxh-90k6m

Welsangeln im Po-Delta : Der Waller mag es ein bisschen dreckig

  • -Aktualisiert am

Im Po-Delta ist das Fischen noch reine Handarbeit. Und wer einen kapitalen Wels fangen will, hat viel zu tun. Bild: Picture-Alliance

Einmal einen Riesenwels zu fangen, Europas größten Süßwasserfisch, ist das Ziel vieler Angler. Die vielleicht besten Chancen hat man im Delta des Po.

          Am Abend ist der Po ein melancholischer Fluss. Doch für das Spiel der Wellen, den sich hinter den Pappelreihen langsam verfärbenden Himmel und das Licht unter den Uferbäumen haben die beiden Angler keinen Blick. Tief in ihre Campingstühle gerutscht, starren Andy Gutscher und Rainer Margreiter hinaus auf den Po, Italiens größten Fluss. Gutscher bemerkt das leise Beben an der Angelschnur als Erster. Er hebt den Kopf Richtung Bordwand, nimmt Witterung auf. „Tak, tak“ macht es jetzt an den eisernen Halterungen, in denen ein halbes Dutzend Ruten stecken. Das Beben an der Schnur ist stärker geworden, ein nervöses, ungeduldiges Zucken. „Jaaaa!“, ruft Andy Gutscher, springt empor, reißt die Angel aus der Halterung und drückt sie Rainer Margreiter in die Hand. Dieser bewegt nun seinen Oberkörper rhythmisch vor und zurück und dreht an der Angelkurbel. Die Rute biegt sich, vibriert, Margreiters Hände zittern, er beißt die Lippen aufeinander, während er wie ein Irrer kurbelt. Doch dann erlahmen seine Bewegungen, die Spannung weicht aus seinem Gesicht und macht dem Ausdruck von Enttäuschung Platz. Am Haken, der jetzt matt schimmernd über die Wasseroberfläche hüpft, hängt nurmehr der Köder. Die erste, schwierige Lektion für mich als Neuling im Boot lautet also: Ohne Geduld läuft beim Wallerangeln gar nichts.

          Silurus glanis, der Wels oder Waller, ist Europas größter Süßwasserfisch. Bereits in der Antike kannte man den Raubfisch mit dem breiten Kopf und einem Paar beeindruckend langer Barteln am Oberkiefer, durch Sagen und Legenden geistert er als „Monsterfisch“. Heute berichten die Medien immer wieder von spektakulären Fällen, Ruhm erlangte etwa der Wels „Kuno“ im Volksgartenweiher bei Mönchengladbach, der 2001 angeblich einen Dackel verputzt haben soll. 2012 soll in einem österreichischen Badesee eine Jugendliche von einem Wels attackiert worden sein.

          „Unsinn! Das sind Schauergeschichten!“, winkt Andy Gutscher ab. Der braungebrannte Mittvierziger mit Schnurrbart stammt aus einem kleinen Dorf in Niederösterreich. Er nennt sich selbst einen Süchtigen. Mit dem Camper sei er viele Jahre durch Europa getourt, immer auf der Suche nach den besten Angelrevieren. Bis er schließlich den Po entdeckte, genauer dessen vierhundert Quadratkilometer großes Deltagebiet südlich von Venedig, wo sich der Strom in die Adria ergießt. Polesine heißt die sumpfige, stets von Überschwemmungen bedrohte Welt zwischen den beiden Flüssen Etsch und Po, die sich im Lauf der Jahrhunderte immer wieder ein neues Bett suchten und die Landschaft durch ihre Schuttablagerungen modellierten. Das Städtchen Adria soll einst als Marktzentrum und wichtiger Hafen dem Meer seinen Namen gegeben haben. Heute liegt es zwanzig Kilometer von der Küste landeinwärts zwischen Reisfeldern und einem Geflecht schilfbewachsener Kanäle.

          Weitere Themen

          Watt für ein Popcorn-Schock

          Hochseeübung : Watt für ein Popcorn-Schock

          Schiffsunglück vor Husum, Öl läuft aus. Einsatzkräfte strömen zusammen, um mit schwerem Gerät das Watt zu retten. Eine Übung, die auf den Ernstfall vorbereiten soll.

          Topmeldungen

          Erstes Zeitungsinterview : AKK stellt sich vor ihre Soldaten: „Kein Generalverdacht“

          In ihrem ersten Zeitungsinterview als Verteidigungsministerin spricht Annegret Kramp-Karrenbauer über ihr Verhältnis zum Militär, über das Vermächtnis der Männer des 20. Juli und über den Lieblingspulli ihrer Teenagerzeit. Auch in kritischen Zeiten werde die Truppe ihr Vertrauen genießen.
          Freiherr von Boeselager sind humanitäre Missionen wichtiger als die prunkvollen Traditionen des Malteserordens. Deswegen ist er oft vor Ort, wie hier bei einem Schlafkrankheitspatienten im südsudanesischen Yei.

          FAZ Plus Artikel: Malteserorden : Der bescheidene Großkanzler

          Albrecht Freiherr von Boeselager führt den ehrwürdigen Malteserorden. Als Großkanzler bricht er mit der Tradition – damit der Orden besser helfen kann. Das macht ihm nicht nur Freunde.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.