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Amerika : In jedem Traumhaus ein Herzschmerz

Littleton: Muster amerikanischer Suburbias Bild: AP

Im Inneren Amerikas: Zu Besuch in Littleton, keinem ganz und gar gewöhnlichen Vorort. Am 20. April 1999 schlug aus heiterem Himmel das Unheil zu und veränderte die einst heile Welt der Gemeinde.

          Der Wagen rollt aus unter Ahorn und Ulmen. Auf einer breiten Straße, unbeparkt und menschenleer. Die Ulmen werfen Schatten, der Wind frischt auf, weht leicht in die Netze von Basketballkörben, die an Garagentoren hängen. Die Tore stehen offen, die Garagen sind leer, bis auf Werkzeug, Grillbesteck, Benzinkanister.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Geländewagen aber sind ausgefahren, satt fuhren sie von Auffahrten, die mehr gebürstet als gefegt wirken. Auf dem frisch gemähten Rasen liegen Zeitungen, in blaues Plastik eingerollt, vor Regen geschützt. Es ist eine aufgeräumte Welt, unbeparkt und menschenleer, der Wagen rollt aus und steht allein unter Ahorn und Ulmen.

          Bombe sollte panische Mitschüler hinaustreiben

          Die Straße heißt Maplewood Drive. Sie könnte auch Kendall Street, Jay Way, Caley Avenue oder Newland Circle heißen, denn diese Straße ist eine all american street. Und es spielte auch keine Rolle, wenn diese aufgeräumte Welt zum Beispiel Grosse Pointe hieße, Mount Lebanon oder Fairfax. Doch sie heißt Columbine, und deshalb wirken die Schatten der Ulmen länger und dunkler. Sie heißt Columbine wie die Schule, in der vor fünfeinhalb Jahren vierzehn Schüler und ein Lehrer starben und die vom Maplewood Drive oder dem Newland Circle keine zehn Minuten mit dem Fahrrad entfernt wäre, wenn hier nur jemand mit dem Fahrrad führe. Das tut aber keiner, denn dies ist das Reich der Geländewagen, von denen natürlich auch auf dem Parkplatz vor der Columbine High School viele stehen.

          Aus diesem Parkplatz sollte, so planten es Dylan Klebold und Eric Harris, ein Schlachtfeld werden. Deshalb legten sie eine Bombe in die Schulcafeteria, deren Explosion ihre panischen Mitschüler hinaustreiben sollte, wo sie Klebold und Harris dann erschossen hätten. Doch die Bombe zündete nicht an diesem 20. April 1999. Zwei weitere, die erste als falsche Fährte, eine zweite als Falle für Polizisten gelegt, gingen ebenfalls nicht hoch. Wer weiß, was die Attentäter noch alles angerichtet hätten, wenn ihr Schlachtplan aufgegangen wäre. Sogar ein Passagierflugzeug, behauptete die Polizei, hätten sie entführen wollen, um es auf Manhattan zu stürzen. Doch Klebold und Harris starben auf dem Ground Zero der Columbine High School, von eigener Hand, zuallerletzt.

          Der Amoklauf hat seinen Ort und einen Namen - Littleton

          Stunden danach sprach Präsident Clinton im Fernsehen zur Nation: „Den Familien, die ihre Liebsten verloren haben, den Eltern, die ihre geliebten Kinder verloren haben, den verwundeten Kindern und ihren Familien, den Menschen der Gemeinde von Littleton kann ich heute abend nur sagen, daß das amerikanische Volk in seinen Gebeten bei Ihnen ist.“ Damit hatte der Amoklauf seinen Ort und einen Namen - Littleton. Aber die Columbine High School liegt gar nicht in Littleton, das war ein Irrtum, auch wenn ihre Postanschrift so lautet, auch wenn Polizei und Feuerwehr zuerst aus dem benachbarten Littleton anrückten, um zu helfen.

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