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Am Kilimandscharo : Wo geht’s denn hier zum Gipfel?

  • -Aktualisiert am

Der Gipfel des Kibo hüllt sich in Wolken. Bild: Barbara Schaefer

Die Suche nach dem Gipfelstein des Kilimandscharo führt nach Tansania zur einstigen Kaiser-Wilhelm-Spitze – und quer durch Deutschland.

          September 2014, Kilimandscharo, 4720 Meter Höhe, halb elf Uhr abends. „Wake-up-time!“, rufen Zakaria und Omari und poltern in die School Hut, eine grüne Wellblechhütte. Seit vier Tagen wandern wir auf der kargen Nordseite des Massivs, viermal brachten sie uns morgens Tee ans Zelt, eingepackt in alte Skianzüge mit der Aufschrift „Deer Valley“, ein Massai-Umhängetuch um den Hals als Schal. Vom Zelt rieselte es weiß.

          Heute Nacht werden wir endlich zum Gipfel aufsteigen. Wir waren durch Regenwald gewandert, höher wuchs Kiefernwald mit langen, weichen Nadeln, schwarz-weiße Mantelaffen tobten in den Ästen, Warimba, der Chef-Guide, zeigte uns eine Blaumeerkatze. Wir sind zehn Bergwanderer, betreut von 35 Einheimischen, Träger, Zeltaufbauer, Köche, Kellner, Toilettenträger und fünf Bergführer. Die Größe der Begleitmannschaft schreibt der Nationalpark vor, am Eingang wurde das Gepäck der Träger gewogen. Mehr als etwa zwanzig Kilo durften es nicht sein. Der 36-jährige Warimba, der wie alle Guides als Träger angefangen hatte, erinnert sich an die Zeit ohne Zugwaagen. „Wir schleppten 45 Kilo, man konnte es nicht alleine auf den Rücken stemmen.“ Und Warimba erzählt auch von dem Mann, von dem er alles lernte, was ein Träger wissen muss: Abel Lauwo, Enkel des – wie er selbst sagt – „ersten Menschen, der den Kilimandscharo erstiegen hat: mein Großvater Yohana Lauwo“.

          Wo ist der Potsdamer Gipfelstein?

          Möglicherweise tat er das zusammen mit Hans Meyer. Vor 125 Jahren stand der Leipziger Verlegersohn auf dem Kibo im Kilimandscharo-Massiv. Er taufte den höchsten Punkt Kaiser-Wilhelm-Spitze, packte einen Stein ein und schenkte ihn Kaiser Wilhelm II. Jenen Stein ließ der Kaiser im Grottensaal einbauen, einem Repräsentationsraum im Neuen Palais in Potsdam. Der Stein schmückte ein grobes Kunstwerk, ein Hügelchen aus hellen Kristallen mit einem dunklen Gipfelchen und der Aufschrift: „Spitze des Kilimandscharo 1890“. Bis heute ist er dort zu sehen. Sagt unter anderem Wikipedia. Das ist falsch. Aber es kommt noch besser: Anfang der 1980er Jahre besah sich die DDR-Schlösserverwaltung die über zwanzigtausend Gesteine und Mineralien im Grottensaal; vom Nordkap bis in die Kolonien hatten die Preußenherrscher gesammelt. Und siehe da: Der Gipfelstein war weg! Das Kunstwerk aus hellen Steinen mit der dunklen Spitze hing zwar noch an der Wand, doch anstelle der afrikanischen Lava war ein schwarzer Stein aus deutschen Mittelgebirgen eingebaut. Wie das? Da hieß es nun, ein Bauarbeiter habe bei Renovierungsarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg versehentlich den Stein mit einer Leiter abgebrochen und durch ein Stück ersetzt, das er im Schotter vor dem Schloss fand. Herrliche Geschichte! Nur – sie stimmt auch nicht. Und die Frage ist: Wo ist der Stein nun?

          Wenn die Expeditionsteilnehmer erschöpft auf die Schlafsäcke fallen, packen die einheimischen Bergführer die Kochtöpfe aus.

          Wir waren weiter durchs Moorland gewandert, bei jedem Schritt flogen Duftwolken auf, es roch nach Thymian, Wermut, Salbei. Während wir mit kleinen Rucksäcken langsam gingen – „pole pole“, schärfte uns Warimba ein, lehrte uns das Gehen und einige Worte Swahili –, überholten uns die Träger, auch Frauen darunter, die Lasten auf dem Kopf oder im Genick auf einen Rucksack balancierend. Wenn wir abends ankamen, standen schon unsere gelben Kuppelzelte, sie servierten uns Tee, dazu frisches Popcorn und Kekse. Und während wir danach unsere Schlafsäcke ausrollten, die Isomatten aufbliesen und schon davon erschöpft waren, kochten sie für uns. Jeden Morgen lockten der breite Kibo und sein spitzer Nachbar Mawenzi in strahlender Sonne. Unter uns lag ein Wolkenmeer, wir waren umgeben von einer spröden Lava-Landschaft, nur kleine Strohblumen wagten sich noch zu uns herauf. Nebel fetzten in Schwaden die Bergflanken entlang, wehten über Lavabrocken, die vor Jahrtausenden heruntergekullert waren.

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