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Am Drehort von „Heimat“ : Dat lo, dat is Schabbach

Bloß, dass sie viel Dreck ins Haus schleppten, dass es finster war hinter den Wänden, deren aufgeklebte Fenster anderswo saßen als die der richtigen Häuser, dass es kalt war im Haus, sechzehn Grad mitten im Juli, weil die Sonne es nicht mehr erreichte, dass man nicht mehr mit dem Auto zum eigenen Haus fahren konnte und alle Einkäufe zweihundert Meter weit schleppen musste. Das erzählen einem die Bewohner, wenn man durch Gehlweiler spaziert. Am Ende waren alle ziemlich genervt.

Zurück in der Welt

Und trotzdem sei es schön gewesen, sagt Kurt Assmann, der Bürgermeister von Gehlweiler - Bürgermeister über zweihundertfünfzig Einwohner. Denn es sei etwas Seltsames geschehen. Fast Magisches, möchte man am liebsten sagen: Nach
Drehschluss versammelten sich jeden Abend die Bewohner des Dorfs auf dem falschen Dorfplatz zwischen dem falschen Kirchenportal und dem falschen Gasthaus „Zur Brick“. Stundenlang hätten die Menschen beieinandergestanden und geschwätzt. So wie früher. Als es noch kein Fernsehen gab und noch keine Computer. „Ebbes“ gab es immer zu „verzählen“ - irgendwelche Geschichten, irgendwelche Erlebnisse. Auch vom Drehtag. Denn natürlich hat der halbe Ort als Komparsen mitgespielt, viele hatten sogar Sprechrollen. Bei etlichen Bewohnern waren außerdem Schauspieler untergebracht. Selbst die Hauptdarsteller, die auf diese Weise den Dialekt lernen sollten. Kaum aber, sagt Kurt Assmann, dass die Kulissen abgebaut waren, verkroch sich jeder wieder im eigenen Haus. Das gibt einem zu denken.

Nun glänzte wieder aseptisch sauber der Asphalt, wo eben noch Gras und Unkraut aus dem Lehm gewachsen waren. Statt der wunderschönen geschnitzten Türen, und wenn sie auch aus Kunststoff waren, sah man sich wieder Blechtoren gegenüber. Die glatten, weißen Fassaden mit ihren Isolierglasfenstern waren im Vergleich zum Fachwerk langweilig und tot. Und wo eben noch Hühner nervös vor Staketenzäunen durch die Gassen gelaufen waren, standen wieder die kleinen Monster aus dem Gartencenter auf Mäuerchen. Und am Ende haben ausgerechnet die drei Straßen, in denen der Film gedreht wurde, sogar ein Stück Modernität erhalten, denn dort wurden die Stromleitungen, die sich überall sonst im Ort von Mast zu Mast, von Dach zu Dach schwingen, unter die Erde verlegt. Kurz: Gehlweiler war zurück in der Welt, die nicht mit dem Boden verwachsen ist.

Was aber wissen wir schon über das Leben in einem kleinen Hunsrückdorf gegen Mitte des neunzehnten Jahrhunderts? Da hat wohl auch niemand über das organische Entstehen von Architekturensembles nachgedacht, sondern neidisch auf das neue Haus des Nachbarn geschielt. Ein armer Hunsrückbauer, schreibt Edgar Reitz in seinem Buch zum Film, sei froh gewesen, wenn er die Hütte seiner Eltern abreißen und sich eine etwas größere, solidere bauen konnte, in der seine Kinder die Chance hatten, den nächsten Winter zu überleben.

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