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Trekking im indischen Himalaja : Nur die Dzos japsen nicht nach Luft

  • -Aktualisiert am

Leeres Land, befreit von allem Überfluss der Welt: Ladakh im Norden Indiens ist eine Landschaft für die Kontemplation. Bild: Stephanie Geiger

Eine Trekkingtour auf den Stok Kangri im indischen Himalaja ist Höhenbergsteigen für Einsteiger - einschließlich Kopfschmerzen und Atemnot.

          7 Min.

          Der Stok Kangri, im Norden Indiens, hinter den hohen Bergen des Himalaja, verborgen in der Region Ladakh, ist ein Berg ohne besondere Anmut. Kein Berg wie das Matterhorn in der Schweiz, kein Berg wie der Alpamayo in Peru oder die Ama Dablam in Nepal, über die jeweils gesagt wird, sie seien der schönste Berg der Welt. Er gleicht eher einem Schutthaufen, an dem seit Jahrmillionen der Zahn der Zeit nagt. Gerade zum Gipfel hin muss jeder Schritt wohl überlegt und sicher gesetzt sein, um nicht abzurutschen. Und auf den letzten hundert Höhenmetern wartet ein Abschnitt mit Kletterei im brüchigen Fels, nicht schwierig, aber unangenehm.

          Was den Reiz des Stok Kangri ausmacht, ist seine Höhe: 6153 Meter nach offiziellen Angaben, 6121 Meter, wenn man manchen Karten glaubt. Weil er relativ einfach zu besteigen ist, heißt es von ihm, er sei der am meisten bestiegene Berg Indiens. Das wird wohl übertrieben sein. Aber für viele ist er der erste Sechstausender, den sie in ihr Tourenbuch eintragen. Der Stok Kangri ist Höhenbergsteigen für Einsteiger. Damit wenigstens ein Hauch von Expeditionsgefühl aufkommt, heißt das letzte Lager vor dem Gipfel hochtrabend: Basislager. Für was es die Basis sein soll, erschließt sich nicht, denn weitere Lager, ein vorgeschobenes Basislager oder gar weitere Hochlager, wie man sie von den Achttausendern kennt, folgen hier nicht.

          Achtzig Zelte auf 5000 Meter Höhe

          Im Juli und August sind es achtzig Zelte und mehr, die von den Trekkinggruppen auf ziemlich genau fünftausend Meter Höhe aufgeschlagen werden. Einigen Bergsteigern genügt es, dieses Ort erreicht zu haben und ein bisschen von der Spannung einatmen zu können, die vor dem Start zu jedem Gipfel in der Luft liegt. Die meisten aber wollen ganz hinauf. Es ist ein anspruchsvolleres Trekking. Aber von vielen wird die Höhe unterschätzt. Dabei müsste man es von den Erkenntnissen am niedrigeren Kilimandscharo besser wissen. Von den etwa fünfzigtausend Bergsteigern, die jedes Jahr an dessen Flanken gezählt werden, erreicht nur jeder Dritte den Gipfel.

          ]Dem Himmel näher als der Erde: Doch Trekkingtouristen in Ladakh haben weder Gottessuche noch Gebetsfahnen, sondern allein Gipfel im Sinn.
          ]Dem Himmel näher als der Erde: Doch Trekkingtouristen in Ladakh haben weder Gottessuche noch Gebetsfahnen, sondern allein Gipfel im Sinn. : Bild: Stephanie Geiger

          Was passiert, wenn der Mensch hoch hinaus will, bevor er seinen Körper an die Höhe gewöhnt hat, schrieb Alexander von Humboldt schon vor mehr als zweihundert Jahren auf. Bei seinem Versuch im Jahr 1802 in Ecuador den 6310 Meter hohen Chimborazo zu besteigen, leidet der Naturforscher unter Übelkeit, Magenschmerzen, blutendem Zahnfleisch und blutenden Lippen, blutunterlaufenen Augen und ständigem Schwindel. Seine Notizen sind die erste genaue Schilderung der Symptome der Höhenkrankheit. Mit seinen Begleitern Aimé Bonpland und Carlos Montúfar war Humboldt an dem Vulkan bis in eine Höhe von 5600 Metern aufgestiegen.

          Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Ohrensausen

          Erst viel später hat man herausgefunden, weshalb der Körper so reagiert. Mit steigender Höhe fällt der Luftdruck und damit der Sauerstoffpartialdruck in der Umgebungsluft. Damit wiederum nehmen der arterielle Sauerstoffdruck und die Sauerstoffsättigung ab. Die Leistungsfähigkeit sinkt - bei zweieinhalbtausend Metern bereits um zehn Prozent, und es treten erste Beschwerden und körperliche Veränderungen auf. In viertausend Meter Höhe sinkt die Leistungsfähigkeit um ein Viertel und in achttausend Metern sogar um fünfundsechzig Prozent.

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