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Alles tot auf dem Nil : Sechshundertfünfzig Sphinxstatuen und keine Schlange

  • -Aktualisiert am

Zuerst kommt die Demokratie, dann die Archäologie: Die Sphinxallee am Karnaktempel Bild: Sven Weniger

Ein Jahr nach dem Ende der ägyptischen Revolution kämpft besonders der Kreuzfahrttourismus auf dem Nil immer noch mit dem schlechten Image des Landes.

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          Während der ITB im März, deren Partnerland Ägypten war, sorgte ein Hinterbänkler im Bundestag für Aufsehen mit dem Rat, aus ethischen und Sicherheitsgründen sollten Urlauber nicht in das islamische Land fahren. Zur selben Zeit fragte am Flughafen Hamburg jemand eine Stewardess am Abfluggate nach Hurghada neugierig, wo das denn liege. Am Roten Meer, da, wohin man jetzt nicht fliegt, lautete die flapsige Antwort.

          Gut ein Jahr nach dem Volksaufstand trägt das nordafrikanische Land noch immer schwer an den Folgen der Revolution Anfang des Jahres 2011. Um ein Drittel sei der Fremdenverkehr zurückgegangen, gab der zuständige Minister in Berlin zu. Das Schlimmste sei aber überstanden. Das war allerdings nur die halbe Wahrheit. Während sich viele Urlauber in gut bewachten Strandhotels offenbar wieder recht sicher wähnen, sind Kreuzfahrten auf dem Nil, einst Inbegriff des Kulturtourismus mit Flair, um fünfundsiebzig Prozent eingebrochen.

          Braucht man Mut, um hierherzukommen?

          Nach der Landung in Luxor haben Urlauber also nicht nur leichte Sommerkleidung, sondern auch schwere Vorurteile im Gepäck. Viele berichten, man habe sie zu Hause ungläubig angeschaut, als sie ihr Ferienziel nannten. Noch vor kurzem wäre es ein Traumurlaub gewesen. Tempel, Pharaonen, Tod auf dem Nil mit Peter Ustinov als Hercule Poirot - kaum etwas regt die Phantasie so sehr an wie eine Reise auf dem berühmtesten Strom Afrikas. Nun scheint all das wie weggeblasen. Auf der kurzen Fahrt im Bus durch die Halbmillionenstadt flirrt Sonnenlicht durch Palmenkronen auf Luxors Alltag. Autos hupen, Handwerker arbeiten in ihren Werkstätten, Eselskarren ziehen vorbei. Nur wenige Menschen sind zu Fuß unterwegs, Ordnungskräfte kaum zu sehen. Alles ist ruhiger als früher. Braucht man wirklich Mut, um jetzt hierherzukommen?

          Hesham Hammad lächelt ein wenig gequält. Natürlich nicht, versichert der Reiseleiter auf der „Nile Smart“ und reicht den gerade auf dem Nilschiff Angekommenen einen Willkommenstrunk. Gewalt und Tote habe es nur in Kairo gegeben. Am Oberen Nil habe man von allem kaum etwas mitbekommen. Hier sei es so friedlich wie immer. Aber man könne sich ja nun selbst ein Bild machen auf der einwöchigen Reise. Die geht von Luxor nilauf nach Assuan und zurück. Der deutsche Veranstalter Phoenix, einer der Großen der Branche, hat neben der „Nile Smart“ vier Schiffe der Premiumklasse unter Vertrag. Ein weiteres Dutzend musste er allerdings erst einmal stilllegen. Der Klassiker, die eintausendsechshundert Kilometer lange Nilreise von Kairo nach Assuan, wurde vor einem Jahr eingestellt. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes sei der Todesstoß für die Hauptstadt gewesen, sagt Volkher Kirchhoff, Phoenix-Repräsentant in Ägypten. Doch ab September werde der vierzehntägige Törn von Kairo wieder aufgelegt. Dann hoffe man auf Rückkehr zur Normalität.

          Kein Schubsen vor den Hieroglyphen

          Die ist auch dringend nötig. Etwa dreihundert Kreuzfahrtschiffe gibt es. Zwei Drittel von ihnen dümpeln momentan nutzlos am Pier. In großen Städten wie Luxor und Assuan liegen sie oft zu viert oder zu fünft nebeneinander bis weit hinaus im Nilwasser. Deren Angestellte reihen sich ein ins Heer der Arbeitslosen. Ohne die Devisenbringer aus Europa und Nordamerika steht die Wirtschaft im Landesinneren nahezu still.

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