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All inclusive auf Schiffen : Von der Kunst, nein zu sagen – auch wenn es gratis ist

  • -Aktualisiert am

Der Trend geht zum Zweitbier – vor allem dann, wenn es nichts kostet. Bild: Picture-Alliance

Bei Reedereien wie bei den Passagieren liegt das Prinzip des all inclusive im Trend. Doch wann lohnt es sich und was ist enthalten? Ein Selbstversuch.

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          Na, wie geht es den Seefahrern?, schreibt unser Freund Micha per Whatsapp. Zu Hause ist Schmuddelwetter, wir können abends noch mit leichter Jacke übers Deck der „Mein Schiff 4“ flanieren. Ich sollte einen Smiley schicken, denn uns geht es auf dieser Kanaren-Kreuzfahrt wirklich gut. Vor allem kulinarisch fehlt es uns an nichts, denn wir reisen All inclusive. Es ist egal, wie viele Cocktails wir an der Bar schlürfen, ob wir Wein oder Bier zum Essen trinken. Wir können Süßes und Herzhaftes nach Lust und Magenkapazität verspeisen und müssen nicht mehr zahlen als den Reisepreis. Das gilt es auszukosten. So jedenfalls war unser Gedanke wenige Stunden nach der Abfahrt von Gran Canaria. Dennoch schicke ich Micha ein grünes Gesicht zurück. Nie wieder essen und keinen Tropfen Alkohol, schwöre ich mir, als ich auf „Senden“ drücke. Die erste Lehre am Ende eines kalorienreichen Tages: All inclusive will gelernt sein. Wer sich jeder Versuchung hingibt, bereut es.

          TUI Cruises hat All inclusive auf dem deutschen Kreuzfahrtmarkt vorangebracht. Gestartet ist der Reiseveranstalter ganz traditionell. Auf dem ersten Schiff der Reederei, der im Mai 2009 in Dienst gestellten „Mein Schiff 1“, wurden zunächst alle Getränke einzeln abgerechnet. Im Oktober 2010 führte TUI Cruises das sogenannte „Premium Alles Inklusive“-Konzept ein. Das Wort „Premium“ soll unter anderem darauf hinweisen, dass kein Fusel, sondern rund einhundert Markengetränke und Cocktails in unbeschränkter Menge bestellt werden können.

          Es heißt nicht, dass alles umsonst ist

          Zwar heißt All inclusive übersetzt, dass alles inklusive, also alles mit dem Reisepreis, bezahlt ist. Allzu streng darf man die Definition jedoch nicht auslegen, zumal es keine allgemeinverbindlichen Standards gibt. Sowohl in der Hotelbranche als auch auf Kreuzfahrtschiffen entscheidet der Veranstalter über die Inklusivleistungen. Der kleinste gemeinsame Nenner ist, dass Alkoholisches und Alkoholfreies nicht nur während der Restaurantöffnungszeiten, sondern auch an den Bars im Preis der Reise enthalten sind. Ob dies alle oder nur wenige ausgewählte Getränke sind, diese aus dem Zapfhahn oder aus der Flasche kommen, von Markenherstellern stammen oder Billigstoff sind, schreibt keiner vor. All inclusive bedeutet auch nicht, dass alles an Bord umsonst ist. Selbstverständlich ist, dass im Bordshop, beim Friseur, im Kasino oder für eine Massage jeder selbst zahlen muss. Auch Ausflüge und Transfers in die Stadt oder an den Strand kosten bei vielen Reedereien einen Aufpreis.

          Oder noch einen Cocktail vor dem Essen? Man will ja was trinken für’s Geld.
          Oder noch einen Cocktail vor dem Essen? Man will ja was trinken für’s Geld. : Bild: Picture-Alliance

          Dennoch wird All inclusive auf schwimmenden Hotels oftmals großzügiger und umfassender ausgelegt als an Land. Im All-inclusive-Hotel gibt es häufig nur Frühstück-, Mittag- und Abendessen in Buffetform. Auf der „Mein Schiff 4“ können wir uns das Essen von morgens bis abends servieren lassen oder selbst die Teller füllen, bis der Hosenbund platzt. Auch nachts müssen wir nicht hungern, denn das „Tag & Nacht-Bistro“ hat immer geöffnet.

          Wir fühlen uns wie die Kinder im Süßigkeitenladen, in dem alles umsonst ist. Überall warten die Verführungen. Unser Plan am ersten Abend war, direkt zum Dinner zu gehen. Doch als wir unsere Mitreisenden mit Cocktailglas an der Bar sitzen sehen, machen wir doch einen kleinen Abstecher. Wir blättern durch die Barkarte. Um alle alkoholischen und alkoholfreien Cocktails und Getränke auf unserer elftägigen Reise probieren zu können, müssten wir einige pro Tag trinken.

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