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Algarve : Der Oktopus ist ein Saubermann

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Rauhe Küste mit zarter Seele: Diese Kombination macht die Algarve vor allem bei Deutschen und Engländern zu einer der beliebtesten Küsten Europas.
Rauhe Küste mit zarter Seele: Diese Kombination macht die Algarve vor allem bei Deutschen und Engländern zu einer der beliebtesten Küsten Europas. : Bild: dpa

Nicht nur Kraken fühlen sich in dem Naturpark wohl, sondern auch Seepferdchen, die hier in einem ihrer letzten natürlichen Habitate in Europa leben, und Schwärme von Delphinen, denen man bei geführten Bootstouren ganz nahe kommt. Die große Vielfalt an Meerestieren lockt auch See- und Zugvögel an, im Herbst kann man zum Beispiel in aufgegebenen Salinenbecken Flamingos dabei beobachten, wie sie das Wasser nach Plankton und kleinen Krebsen durchkämmen. Mit etwas Glück sieht man einen Fischadler am Himmel seine Kreise ziehen. Aber auch Reihern, Kranichen und Störchen gefällt es hier, Letzteren sogar so gut, dass sie ihr einstiges Winterquartier gar nicht mehr verlassen. Die meisten Oktopoden werden in der Auktionshalle von Santa Luzia versteigert. Vergangenes Jahr waren es mehr als dreihundert Tonnen. Das Fischerdorf inmitten der Ria Formosa ist die selbsternannte Hauptstadt des Kraken. Nirgendwo in der Region wird mehr umgeschlagen – und gegessen. Das liegt auch an Eduardo Manges, der das Restaurant „Casa do Polvo Tasquinha“ betreibt, ein in ganz Portugal bekanntes Haus. „Keiner verkauft mehr Polvo als wir“, sagt Eduardo selbstbewusst. Und die Zahlen sind wirklich beeindruckend: Im vergangenen Jahr wurden in der Casa achtundzwanzig Tonnen Tintenfisch verspeist. „Vor allem während des alljährlichen Krakenfests Mitte August, das in diesem Jahr wegen Corona ausgefallen ist, verkaufen wir üblicherweise zentnerweise Polvo.“ Er wird in kleine Teigtaschen gefüllt oder zu Frikassee verarbeitet, als Burger oder Carpaccio serviert, mit Garnelen oder einer Maniok-Kokosmilch und Curry kombiniert. Dreiundzwanzig verschiedene Oktopus-Gerichte führt die Karte, die sich regelmäßig ändert, weil der Chef ständig über neuen Rezepten brütet. Der Renner in dieser Saison ist im Ofen gegarter Krake mit Aprikosen und Mandeln.

Wer es traditioneller mag, ist ein paar Schritte weiter bei Filomena Oliveira gut aufgehoben. Ihr Lokal „A Casa“, in dem vor ein paar Jahren noch Oktopusse gesäubert, getrocknet und für den Export in den Norden vorbereitet wurden, ist seit 2011 die erste Adresse für die traditionelle portugiesische Krakenküche. Die butterzarten Arme serviert man hier gerne vom Grill mit Kartoffeln, Paprika und Tomaten oder „a la gallega“, auf galicische Art gekocht und mit Paprikapulver bestäubt oder aber als Eintopf mit Süßkartoffeln und Paprika. So mag es auch der Fischer Maurício Nogueiro am liebsten, der an der Küste vor Monte Gordo gerade den letzten Alcatruz kontrolliert und noch mal einen Kraken erwischt. Mit ihm beträgt die Tagesausbeute achtzig Kilogramm – nicht schlecht für neun Stunden Arbeit.

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