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Alfred Nobel an der Elbe : Ein Stoff wie Dynamit

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In Düneberg haben sich Reste der alten Produktions- und Verwaltungsstätten erhalten. Es gibt das ehemalige Direktorenwohnhaus, einige ehemalige Bürogebäude, originales Kopfsteinpflaster und – fast schon eine archäologische Entdeckung – einige im Straßenasphalt konservierte, ins Nichts führende Gleise. Tausende von Munitionsarbeitern und -arbeiterinnen kamen aus Bergedorf oder Hamburg täglich hier an. Heute ist der alte Düneberger Bahnhof ein Restaurant. Die Düneberger Pulverfabrik wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs demontiert und die Barackensiedlungen der Zwangsarbeiter schnell abgerissen.

Vision einer Welt ohne Krieg

Auf die vielen Fragen, die sich bei einem Besuch in Geesthacht stellen, gibt es keine einfachen Antworten. Die Dauerausstellung über die explosive Vergangenheit der Stadt im kleinen Heimatmuseum, dem Krügerschen Haus in der Bergedorfer Straße, ist zwar informativ, aber doch auch sehr überschaubar. „Es gibt so viel Potential in dieser Stadt“, sagt Ulrike Neidhöfer, die Vorsitzende des Förderkreises. „Hier ist Industriegeschichte des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts geschrieben worden.“

Bild: F.A.Z.

Frau Neidhöfer organisiert alljährlich im Dezember rund um Nobels Todestag die „Krümmeler Alfred Nobel-Tage“. Lokale Historiker wie Karl Gruber haben zudem in den vergangenen Jahrzehnten die Geschichte der Munitionsfabriken erforscht und dokumentiert. Klaus-Dieter Haase widmete sein aktuelles Buch über die Düneberger Pulverfabrik den Opfern zweier Weltkriege, die durch die in Krümmel und Düneberg hergestellten Sprengstoffe ums Leben gekommen sind. Das macht sehr nachdenklich. Dazu thront das Atomkraftwerk Krümmel an der Elbe wie das Relikt aus einer anderen Welt.

„Liebe Freundin“, schrieb Alfred Nobel im Januar 1893 aus seinem Wohnort San Remo an Bertha von Suttner, „ich würde gerne einen Teil meines Vermögens einer Stiftung zur Schaffung von Preisen vermachen ...“, und entwarf im selben Brief die Vision einer Welt ohne Kriege. Es ist vielleicht gut, dass die Friedensaktivistin und der Munitionsfabrikant, dieses ungleiche aber gemeinsam so idealistisch von einer friedlichen Welt träumende Freundschaftspaar, die Schrecken des zwanzigsten Jahrhunderts nicht erlebt hat. Als Bertha von Suttner 1914 starb, war Alfred Nobel schon lange tot und der von ihm gestiftete Preis, den sie 1905 als erste Frau erhalten hatte, fest etabliert.

Vielleicht sollte ein künftiges Industriemuseum, in dem auch die Geschichte Alfred Nobels und Bertha von Suttners erzählt werden könnte, ebendort stehen, wo alles begann: auf dem Krümmel.

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