https://www.faz.net/-gxh-7rsyl

Fliegen mit Kindern : Aber der Teddy fliegt umsonst?

  • -Aktualisiert am

Tuifly schließlich unterscheidet feinsinnig zwischen Pure- und Perfect-Tarifen: Im Pure-Tarif ist für Große wie Kleine seit Mai gar kein Freigepäck mehr inbegriffen. Bei Perfect können kleine wie große Kinder und Erwachsene 20 Kilogramm umsonst mitnehmen. Für Veranstalter gibt es einen Tarif mit 15 Kilogramm Freigepäck ohne Verpflegung an Bord sowie einen zweiten mit 20 Kilogramm frei mit Verpflegung. Das ist für Jörgen Bongartz allerdings auf Dauer nicht akzeptabel: „Wir beharren auf 20 Kilogramm.“ Tuifly sieht dagegen nur eine Reaktion auf Kundenwünsche: Schließlich wollten „budgetorientierte Urlauber nur für Leistungen zahlen, die sie auch wirklich benötigen“, erklärt Tui-Pressesprecherin Susanne Stünckel. Übrigens: Ob der Pauschalreiseflug unter Pure oder Perfect läuft, weiß oft nicht mal das Reisebüro auf Anhieb.

Sitzplatzreservierung als Gewinnbringer

Familienfreundlich sind diese Entwicklungen nicht. Systematisch haben die Fluggesellschaften früher übliche Gratis-Dienstleitungen zu Goldgruben gemacht. Zum Beispiel die Sitzplatzreservierung: Die ist für Familien wichtig, schließlich wollen Eltern und Kinder beieinandersitzen. Früher war das selbstverständlich, heute kostet es - und zwar pro Reisenden: Condor berechnet 10 bis 30 Euro pro Person und Strecke, das macht für eine vierköpfige Familie hin und zurück immerhin 80 bis 240 Euro extra. Sitzplatzreservierungen für Familien mit Kleinkindern unter zwei Jahren sind immerhin kostenfrei. Air Berlin verlangt für den fixen Sitzplatz 12 bis 25 Euro pro Person, im Justfly-Tarif gibt es gar keine reservierten Plätze mehr. Familien mit Baby dürfen bis 48 Stunden vor Abflug kostenlos reservieren.

Bei Tuifly zahlt der Passagier 12 bis 15 Euro pro Sitzplatzreservierung. Familien mit Kleinkindern bis acht Kilogramm können Plätze in der ersten Reihe reservieren, müssen dafür aber die volle Sitzplatzgebühr entrichten. Genauso hält es neuerdings Sun Express. Auch Lufthansa hat die Sitzplatzreservierung als Gewinnbringer entdeckt und verlangt seit November 10 bis 25 Euro pro Sitzplatz und Strecke.

Friss oder stirb

Nicht anders beim Essen an Bord: Das war früher ebenfalls eine Selbstverständlichkeit. Jetzt fühlt man sich wie in einer (teuren) Imbissbude: Condor setzt sein Kindermenü neuerdings bei acht bis fünfzehn Euro an. Bei Air Berlin gibt es Chicken Nuggets für 6,50 Euro. Tuifly berechnet für Kartoffelsalat und Frikadelle knapp sieben Euro. Bei den Billigfliegern heißt es für Kinder einfach, das gleiche Sandwich wie die Erwachsenen essen oder eben hungern. Die Lufthansa bietet immerhin kostenlose Kindermenüs (bis elf Jahre) an, allerdings nur, wenn vorbestellt wurde.

Für die Kleinsten gab es im Flugzeug traditionell einen Babybrei. Bis auf Air Berlin und Lufthansa haben auch das alle großen Ferienflieger abgeschafft - bei Condor gibt es den Babybrei immerhin noch auf der Langstrecke. Besonders peinlich: Gemeinsam mit dem Babybrei haben Tuifly & Co. schon vor Jahren auch die Babywindeln eingespart. Das kann ordentlich in die Hose gehen.

Weitere Themen

Keine Angst vor Höllental und Todesfluss

Nordportugal : Keine Angst vor Höllental und Todesfluss

Die älteste Stadt des Landes, das schönste Weinbaugebiet der Welt, der berühmteste Heiratsvermittler des Mittelalters: Hoch im Norden zwischen Douro und Minho übertrifft sich Portugal selbst – und bleibt doch ganz bei sich.

Topmeldungen

SPD-Vorsitz : Scholz will im Duo mit Klara Geywitz antreten

Vizekanzler Olaf Scholz hat eine Frau für die Kandidatur zum SPD-Vorsitz gefunden: die wenig bekannte Klara Geywitz aus Brandenburg. Generalsekretär Klingbeil und Niedersachsens Ministerpräsident Weil wollen nicht antreten.

Rentenangleichung : Das Märchen von der Armut

Bald werden die Renten im Osten denen im Westen gleichgestellt sein. Manchen gilt das als Vollendung der deutschen Einheit. Es hat aber auch seine Tücken.
Jamie Dimon, Vorstandsvorsitzender der Großbank JPMorgan Chase, ist auch Vorsitzender des „Business Roundtable“.

Erklärung : Amerikas Unternehmenslenker rufen zur Nachhaltigkeit auf

Eine der wichtigsten Interessengruppen amerikanischer Unternehmen trägt in einer Erklärung die Orientierung am „Shareholder Value“ zu Grabe. Nicht nur das Wohl der Anteilseigner, sondern das der ganzen Gesellschaft soll künftig zählen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.