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Abschied von gestern (2) : Das Kormoranmanagement geht besser

Man sollte die Stille lieben, wenn man an der Müritz Urlaub macht. Bild: Katrin Hummel

An der Müritz gab es bislang Wasser, Landschaft und einen alten Militärflughafen. Jetzt sind noch große Pläne für ein Ferienparadies hinzugekommen.

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          Einmal war Angela Merkel erkältet. Sie saß am Tisch mit Wolf-Dieter Ringguth, dem Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, und hustete ihn an. Am nächsten Tag hatte Ringguth ebenfalls Husten. Ein Parteifreund fragte ihn, warum er sich erkältet habe, und Ringguth antwortete: „Die Angela hat mich angesteckt.“ Just in diesem Moment aber ging die Kanzlerin an ihm vorbei und hörte das. Und sagte: „Nichts ist, Herr Ringguth, Sie haben vorher schon gehustet.“

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wolf-Dieter Ringguth, ein dunkelhaariger, eloquenter Mann mit schwarzem Bart, der auch stellvertretender Bürgermeister des Zweitausend-Einwohner-Ortes Rechlin am Südostufer der Müritz ist, erzählt diese Geschichte nebenbei, um zu zeigen, wie nah er an der Kanzlerin dran ist. Nähe ist gut, er kann davon nur profitieren und mit ihm vielleicht auch das Ferienzentrum Yachthafen Rechlin, dessen Geschäftsführerin Ringguths zierliche, blonde und zurückhaltende Frau Klaudia ist. Das wäre schön, denn die Auslastung der Anlage, die aus hellen und geräumigen Ferienwohnungen, Bootsliegeplätzen und Restaurant besteht, liegt momentan bei 54,7 Prozent und macht den mit Abstand größten Umsatz mit einer Bootstankstelle, deren Zapfsäulen noch aus DDR-Zeiten stammen und alle Beträge in Mark anzeigen. „Wir fragen uns hier schon, warum die Leute alle in Sylt Urlaub machen wollen“, sagt Klaudia Ringguth, „da zieht der Name von allein. Das müssen wir hier erst noch entwickeln.“

          Russische Wohnblöcke zu Schlittenbergen

          Stimmt. Rechlin hat keine touristische, sondern eine militärische Vergangenheit. Sechshundert Jahre lang bestand der Ort bloß aus einem Gutshof mit Schmiede, Kirche und Tagelöhnerhäusern. In den dreißiger Jahren kam die deutsche Wehrmacht und gründete dort die weltweit größte Erprobungsstelle der deutschen Luftwaffe. Das war der Beginn des Aufstiegs. Während des Zweiten Weltkriegs lebten gut viertausend Menschen in Rechlin, sie bauten das erste Passagierflugzeug der Welt, entwickelten den Schleudersitz, und dann gab es auch noch Heinz Rühmann, der hier sehr zur Freude der örtlichen Damen seine Grundausbildung machte. Zu DDR-Zeiten wurde der Ort noch größer, da lebten dann 2500 Deutsche und - hinter einer hohen Mauer, deren Überreste heute noch grau, graffitilos und daher nicht mal im Ansatz so cool wie die Berliner Mauer auf einer Wiese herumstehen - 5500 Russen in einem militärischen Sperrgebiet. Als die Sowjets 1993 abzogen, haben die Rechliner noch gute Miene zum bösen Spiel gemacht und einen der russischen Wohnblocks zu einem Schlittenberg verarbeitet - dem einzigen weit und breit. Aus den restlichen machten sie, auch keine schlechte Idee, Radwege. Und wegen der 74 Katzen und sechs Hunde, die ebenfalls zurückgeblieben waren, rief Wolf-Dieter Ringguth, der damals 31 und auch schon Bürgermeister war, bei Whiskas an und drückte ein bisschen auf die Tränendrüse. Es folgten Pakete mit Tierfutter. Dann wurden die Tiere abgeholt, und auch immer mehr Rechliner suchten das Weite.

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