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Mit dem Auto durchs Gelände : Neben der Spur

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Kein Unfall, sondern gewollte Schieflage: Für einen anständigen Land Rover ist solches Gelände wie Kindergeburtstag. Bild: Teltow-Fläming-Ring

Wo lernt man, wie man garantiert jeden Urlaubsstau umgeht und auch weiterkommt, wenn die Straße am Strand endet? Bei einem Offroad-Fahrkurs in Brandenburg.

          Als ich neulich in Afrika war, da habe ich mich verliebt. Nicht in einen Mann, in ein Auto. Es war ein dickes, breites, schwarzes Ding, mit runterrollbaren Plastikfenstern und einer aufklappbaren Windschutzscheibe. Am Armaturenbrett gab es nur sehr wenige Funktionen, so dass es in seiner rudimentären Eleganz wirkte wie ein gigantisches Legoauto. Es sah insgesamt nicht besonders gut aus, eher so wie ein Auto aussieht, wenn es vorwiegend funktionieren soll, nur dass man darin ein bisschen mehr erlebte, als man, sagen wir, in einem Funktions-Familien-Kombi in Berlin erlebt.

          Wir fuhren mitten durch den Regenwald, auf den unmöglichsten „Straßen“, durch Erdlöcher, Bäche, Sümpfe, über große Baumstämme und durch das tiefste Gras. Eine Gruppe kleiner gelber Schmetterlinge setzte sich auf meinen Rucksack und fuhr ein Stück mit, Heuschrecken klebten sich an den schwarzen Seitstangen fest, überhaupt hatten wir wahrscheinlich mehr Tiere an Bord, als wir dachten. Obwohl wir nicht besonders schnell fuhren, wurde ich dauernd hoch und runter und hin und her und rundherum katapultiert, als säße ich auf einem texanischen Rodeobock. Äste und Gräser peitschten an den offenen Seiten hinein, ständig musste man den Kopf einziehen, sich festhalten oder, wie ich schnell feststellte, einfach seine Füße unter den Vordersitz klemmen, um freihändig zu sitzen. Irgendwann fuhren wir mit mindestens dreißig Grad Neigung durch ein Loch, wir lagen alle quer im Wagen, der feuchte Wind blies uns um die Ohren, wir fühlten uns wie auf einem Katamaran mitten im Regenwald. Es war herrlich.

          Erdlöcher und Wasserlöcher

          So herrlich, dass ich plötzlich verstand, was Autoliebhaber meinen, wenn sie immer bekunden, ein Auto sei nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern die Möglichkeit und das Versprechen eines ganz anderen Lebens. Dieses Auto war so eines. Es versprach ein wilderes Leben, ließ Dinge zu, die andere nicht zulassen wollten, weil sie es einfach nicht konnten, und gab einem die Freiheit, mit Zuversicht über unbefahrene Wege zu brettern. Das Leben in diesem Toyota Landcruiser würde, ganz unkerouacsch, „off the road“ sein.

          Nun gibt es in Berlin aber nicht so viele Erd- und Wasserlöcher, und glücklicherweise muss man nur selten einem Baumstamm ausweichen. Trotzdem kann es nicht schaden, bereit zu sein: für die nächste Afrikareise, bei der man lieber selbst fährt als gefahren zu werden, den nächsten Stau, dem man vielleicht einfach mal über das Feld ausweichen könnte, die nächste Verfolgungsjagd oder ähnlich wahrscheinliche Situationen. Um das zu lernen, fährt man am Flughafen Schönefeld vorbei, über Landstraßen, durch die brandenburgische Kleinstadt mit dem hübschen Namen Kallinchen und rechts rein in eine ehemalige Militärliegenschaft, den „Teltow-Fläming-Ring“. Dort wartet schon mein Fahrlehrer Ulrich Hausmann. Mit ihm soll ich in den nächsten drei Stunden auf dem 170 Hektar großen Waldgelände (etwa 250 Fußballfelder) lernen, wie man mit einem alten Land Rover möglichst unversehrt über alle Berge und durch alle Gruben kommt. Das Auto, ein gelbes, geschlossenes, wesentlich alltagstauglicheres Gefährt als meine afrikanische Liebe, wurde einst für die Camel Trophy konzipiert, eine der wohl schwersten Expeditions-Rallyes, die 1999 abgesetzt wurde.

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