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Atlas Maior : Kartographie der Sehnsucht

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Bild: Taschen Verlag

Zwischen 1662 und 1665 veröffentlichte der Amsterdamer Verleger Joan Blaeu einen Atlas, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Blaeus „Projektionsfläche für Daheimgebliebene“ galt lange als Standardwerk für Kapitäne, Forscher und andere Weltreisende.

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          Zwischen 1662 und 1665 veröffentlichte der Amsterdamer Verleger Joan Blaeu einen Atlas, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Der „Atlas Maior“ umfaßte elf Bände, die die gesamte damals bekannte Welt in einer ungekannten Präzision zeigten. Neben den sehr genauen Karten fanden sich Darstellungen von Tieren und Pflanzen, und Blaeus Atlas galt bald als Standardwerk für Kapitäne, Forscher und andere Weltreisende.

          Blaeu, der als Kartograph der „Veeinigden Oost-Indischen Compagnie“ Seekarten für die niederländische Handelsflotte herstellte, wollte aber nicht nur eine Orientierungshilfe für Reisende schaffen. Wenn wir eine Landkarte anschauen, schreibt er im Vorwort zu seinem Atlas, „überschreiten wir unbetretbare Berge, überqueren ohne Risiko Meere und Flüsse, ziehen ohne Wegzehrung um die ganze Welt, mit nicht zu zählenden Aussichten und berührenden Momenten“.

          Katapultiert in die Welt des Barock

          Das war keine Anleitung für die Reisenden, sondern eine Aufforderung an die Daheimgebliebenen, die Karte als Projektionsfläche zu benutzen und, ausgehend von den Linien und Namen auf der Karte, eine Reise voller „berührender Momente“ zu imaginieren. Noch heute funktioniert dieser Blick auf die alten Karten - und zur geographischen Distanz kommt die historische hinzu. Wer auf die alten Karten blickt, wird durch Raum und Zeit katapultiert: an ferne Orte und in die Welt des Barock.

          Bild: Taschen Verlag

          Die gezeichneten, mit Darstellungen von Tieren und Menschen reich verzierten Länder und Inseln wirken wie erfunden - und fast erstaunt entdeckt man in den phantastischen Konturen Länder, die man kennt. Zur Neuauflage des größten und teuersten Reiseführers des Barock, der in diesen Tagen im bibliophilen Nachdruck erscheint, sind wir Blaeus Aufforderung gefolgt und haben die doppelte Reise angetreten: Eine Reise an die Orte, die noch heute die Sehnsüchte der Daheimgebliebenen wecken, und eine Reise in eine Vergangenheit, die Gegenwart war, als der Atlas vor 440 Jahren erschien.

          Sämtliche Karten dieser Ausgabe entnehmen wir dem Nachdruck des „Atlas Maior“ aus dem Jahr 1665,

          der jetzt im Taschen-Verlag erscheint. Er stützt sich auf ein Originalexemplar aus der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.

          Der Atlas hat 626 Seiten, zahlreiche Erläuterungen und kostet 150 Euro.

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