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Rechtsextremismus : Wohlleben unterhielt Geheimnetzwerk in Tonna

  • -Aktualisiert am

Ralf Wohlleben flankiert von Polizisten während einer NPD-Demonstration 2007 in Jena. Bild: dpa

Der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben soll über einen Mittelsmann Anweisungen an Neonazis aus der Haft weitergegeben haben. Das sächsische Innenministerium bestätigte, dass in der rechtsextremen Szene Geld für Wohlleben gesammelt werde.

          Der wegen Beihilfe zu neun Morden des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) angeklagte frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben soll nach Medienberichten im Thüringer Gefängnis Tonna über ein konspiratives Unterstützernetzwerk verfügt haben. Ein Mittelsmann, der ebenfalls in Tonna eingesessen habe und weniger scharf überwacht worden sei, soll Nachrichten für Wohlleben übermittelt haben. Wohlleben, der früher stellvertretender Landesvorsitzender der NPD in Thüringen war, soll auf diesem Weg zum Beispiel einem befreundeten Neonazi mitgeteilt haben, was aus dem von ihm mitbegründeten „Braunen Haus“ in Jena werden soll.

          Wohlleben soll über die Kanäle offenbar auf Zeugen und Mitbeschuldigte eingewirkt und versucht haben, einen Fluchtversuch zu organisieren. Nach der Entdeckung des Schriftverkehrs sei Wohlleben nach München verlegt worden. Indes hat das sächsische Innenministerium bestätigt, dass in der rechtsextremen Szene für Wohlleben Geld gesammelt werde. Rechtsextremisten aus Thüringen forderten zu diesem Zweck zum Kauf einer Musik-CD auf.

          Keine Beweise für Fluchtpläne

          Beweise für Pläne zur Flucht oder zum Verkauf des „Braunen Hauses“ soll es jedoch nicht geben, hieß es in Erfurt auf Nachfrage dieser Zeitung. Im Beschluss der Bundesanwaltschaft, nach dem Wohlleben im Oktober vorigen Jahres nach München verlegt wurde, soll es lediglich sinngemäß heißen, dass Wohlleben solche Kontakte auch für weitergehende Zwecke wie eine Flucht nutzen könnte. Wohlleben ist in Tonna offenbar streng überwacht worden. Durch die richterlich genehmigte Telefonüberwachung wurde bekannt, dass Wohlleben versuchte, Kontakte zu anderen Gefangenen aufzunehmen. Über einen Neonazi aus Gera, der ebenfalls inhaftiert, aber nicht so streng wie Wohlleben überwacht worden war, versuchte Wohlleben offenbar, Botschaften aus dem Gefängnis in die Szene zu spielen und Informationen von Außen zurück zu erhalten.

          Die Polizei beobachtete dies. Tatsächlich soll sogar ein „Testlauf“ einer dialogischen Kommunikation zwischen Wohlleben und der Szene außerhalb des Gefängnisses gelungen sein. Dies habe nicht nur zu einer Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen in Tonna geführt, sondern zu einer Verlegung Wohllebens nach München durch die Bundesanwaltschaft. Vermutlich, hieß es in Erfurt, stoppten die Behörden Wohllebens Außenkontakte nicht sogleich in der Hoffnung, darüber noch mehr verwertbares Material über den NSU zu erhalten.

          „Unfassbarer Vorgang“

          Der Obmann der CDU-Fraktion im Untersuchungsausschuss Rechtsterrorismus und Behördenhandeln, Jörg Kellner, forderte von Thüringens Justizminister Holger Poppenhäger (SPD) „umfassende Aufklärung über diesen unfassbaren Vorgang“. Es sei „schwer erklärlich“, dass Wohlleben erst in ein bayerisches Gefängnis gebracht werden müsse, um von seinem rechtsextremen Umfeld abgeschirmt zu werden. „Genauso unerklärlich“ sei, dass dem Justizvollzug diese Kanäle offenbar über Monate nicht aufgefallen seien und Poppenhäger dem Landtag „über den peinlichen Vorgang nicht berichtet“ habe.

          Für die Linkspartei-Abgeordnete Katharina König zeigt der Vorgang, dass „der NSU und sein engstes Umfeld sich bis heute auf die Thüringer Neonaziszene stützen kann, während diese weiterhin versucht, mit angemeldeten Versammlungen eine neonazistische Erlebniswelt insbesondere für Jugendliche im öffentlichen Raum zu schaffen“. Der offensichtliche Initiator und Betreiber des Informationsaustausches sei verantwortlicher Anmelder des Thüringentages der Nationalen Jugend am 8. Juni in Kahla.

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