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Glibbriger Protein-Lieferant : Wie Mr. Lee die Welt mit Quallen ernähren wollte

  • -Aktualisiert am

Mr. Lee Bild: Illustration Oliver Munday / Foto Per Stale Bugjerde

Unser Meer ist voller essbarer Quallen. Und anderswo auf der Welt hungern die Menschen. Mr. Lee sah ein Geschäft. Die Geschichte vom Nudelkönig, der zu früh aufs Wasser ging.

          8 Min.

          Lee hatte etwas entdeckt und wollte daraus ein Geschäft machen. Vor der norwegischen Küste gibt es zuhauf essbare Meeresfrüchte, die in Norwegen keiner aß. Er wollte Wellhornschnecken und Quallen fischen, verarbeiten und zubereiten lassen und sie verkaufen. Er beauftragte regionale Fischer. Er scheiterte.

          Mr. Lees Meeresfrüchtedrama zeigt, wie schwierig es ist, die Welt zu ernähren. Es kommt – obwohl Hunger und Mangel wieder zunehmen – noch lange nicht alles auf den Tisch, was essbar ist.

          Ein echter Norweger

          Mr. Lee kam 1954 als Jugendlicher nach Norwegen. Vom Koreakrieg gezeichnet und verwundet, war er für eine medizinische Operation nach Oslo gereist. Angeblich war er damals der erste Koreaner in der kreideweißen Hauptstadt. Leute auf der Straße drängten sich um ihn, berührten seine Haut. Mr. Lee war zäh, kämpfte sich durch und wurde zum echten Norweger. Auf Bildern aus jungen Jahren sieht man ihn im Strickpulli und mit Skiern in der Hand. Norwegischer kann man nicht werden.

          Mr. Lee blieb und gründete eine Nahrungsmittelfirma, die asiatische Instant-Nudeln herstellte. Damals waren asiatische Instant-Nudeln für die üblicherweise Kartoffeln und Fischpudding essenden Norweger ziemlich exotisch. Lächelnd schaffte er es, den Norwegern die Nudeln schmackhaft zu machen. Mr. Lee wurde zum Sinnbild des guten Immigranten. Von da an war er als Nudelkönig bekannt. Es war ihm gelungen, einen eigenen Betrieb auf die Beine zu stellen. Er war Geschäftsmann geworden.

          Wellhornschnecke in der Fischfabrik.
          Wellhornschnecke in der Fischfabrik. : Bild: Tirza Meyer


          Und Geschäftsmänner wollen immer mehr. Der Erfolg mit den Nudeln ließ ihn an den Erfolg mit Schnecken und Quallen glauben. Im Jahr 2005 wagte Mr. Lee den Schritt ins Meer, eigentlich die Domäne der wilden Wikinger und Fischer. Hier ist viel zu verdienen. Allein im Jahr 2017 exportierte Norwegen 2,6 Millionen Tonnen Meeresfrüchte in alle Welt.

          Europäische Länder sind die größten Abnehmer, aber der chinesische Markt wächst rasch. Erst kürzlich forderte der Wirtschaftsverband Norwegischer Meeresfrüchtefirmen, Norsk Sjømatbedriftene, mehr direkte Transportflüge nach Asien. Der Verband meint, dass Asien in Zukunft einer der wichtigsten Märkte für Meeresfrüchte sein wird.

          Es begann mit der Wellhornschnecke

          Bis heute exportieren Firmen aus Norwegen vor allem Lachs, Dorsch und Makrelen ins Ausland. Schalentiere, wie Krabben, Hummer und Muscheln, machen nur zehn Prozent des Exportes aus. Die Wikinger verkaufen immer noch am liebsten Fisch. Dabei gibt es auch vor der Küste Norwegens Arten, die in Asien einen Marktwert haben.

          Genau dort hatte Mr. Lee die Marktlücke entdeckt. Die Koreaner – das wusste er – essen gern Wellhornschnecke mit Chilisoße und trinken Bier dazu. Die Schnecken werden in Korea ohne Gehäuse und in Dosen verkauft. Wellhornschnecken gibt es auch in Norwegen; in Europa isst man die Schnecken vor allem in Frankreich, dort sind sie als Bulot bekannt. Aber auch in Belgien und den Niederlanden verzehrt man die Schnecke als Delikatesse.

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          Wellhornschnecken gelten in der Nordsee und im deutschen Wattenmeer zwar als schon ausgestorben, der Fang ist verboten. Die Population in Norwegen scheint aber gesund zu sein. Dass sich Wellhornschnecken in ihren Fischgründen herumtrieben, das wussten die Krabbenfischer hier auch schon, bevor Mr. Lee auf die Verkaufsidee kam. Wer seine Krabbenreusen falsch legt, dem gehen stattdessen Wellhornschnecken in die Falle. Das liegt daran, dass Krabben und Schnecken einander gegenseitig fressen. Dort, wo eine tote Krabbe liegt, sammeln sich die Schnecken und fallen über den Kadaver her. Fischer, die versehentlich Wellhornschnecken fangen, sind einfach zu spät dran. Die Schnecken müssen über Bord geworfen werden und stören das Geschäft.

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