https://www.faz.net/-ilp-9gvo6

Glibbriger Protein-Lieferant : Wie Mr. Lee die Welt mit Quallen ernähren wollte

  • -Aktualisiert am

Die Universität tat sich mit einem Forschungsinstitut und Mr. Lee und Su San Norway AS zusammen, um ein Quallenprojekt auf die Beine zu stellen. Würde man die Quallen fangen können? Zerstören? Essen?

Besser zerstören oder essen?

Einige Repräsentanten des Betriebs gingen mit den Wissenschaftlern der Universität auf Quallenfang. Die Presse wurde eingeladen, und man posierte an Deck des Forschungsschiffs mit der glibberigen Beute. Dann traf man sich in einem Chinarestaurant in der Innenstadt und ließ sich Quallen und anderes Getier auftischen.

Das Meer kann auch im hohen Norden ungeerntete Früchte beinhalten.
Das Meer kann auch im hohen Norden ungeerntete Früchte beinhalten. : Bild: Tirza Meyer

„Quallen schmecken wie Gummibänder“, sagt Heidi Glørstad Nielsen, die damals für den Frøya Nahrungspark arbeitete, in dem Su San Norway seine Firmenräume hatte. Das müsse nicht bedeuten, dass Quallen nicht irgendwann auf unsere Teller kämen. Zubereitet schmeckten sie gut, trotz des Gummigefühls.

Glørstad Nielsen erinnert sich, dass die Frau eines chinesischen Professors beim Essen erzählt habe, wie unglaublich sie es fände, dass die Norweger so viele ihrer Meeresfrüchte nicht essen. „Wir fischen, was wir immer schon gefischt haben“, sagt Heidi Glørstad Nielsen, „dabei gibt es viele Arten im Meer, die wir essen könnten.“

Keine Nische: 900 000 Tonnen

Andere Länder haben einen weiteren Geschmackshorizont. Weltweit werden jährlich ungefähr 900 000 Tonnen Quallen gefischt. Das haben Forscher der Universität in British Columbia geschätzt. Die industrielle Quallenfischerei ist relativ neu. Nur Länder wie China, Indonesien, Japan und Malaysia haben den Schätzungen der Wissenschaftler zufolge Traditionen, die vor 1950 begannen.

China ist der weltweit größte Produzent. Dort werden jedes Jahr über hunderttausend Tonnen Quallen verarbeitet. Gleichzeitig ist Ostasien auch der größte Markt für die Länder, die erst kürzlich mit der Quallenfischerei angefangen haben, viele davon erst in den 1980er Jahren. Bahrain, Ecuador, Honduras, Iran, Mexico und Pakistan sind sogar erst nach der Jahrtausendwende in das Geschäft eingestiegen.

Viele Länder fischen Speise-Quallen

Von den westlichen Industrienationen sind nur die Vereinten Staaten, Australien und Canada vertreten.
In Nordeuropa will das Geschäft nicht laufen. Norwegen steht überhaupt nicht auf der Liste. Trotz der Experimente, die Mr. Lee mit seinen Partnern 2007 startete. Manche auf der Welt hatten Erfolg, aber Mr. Lee nicht. Warum gibt es heute keine Meeresfrüchte von Mr. Lee zu kaufen? Weder in Korea noch anderswo?

Mr. Lee kann keine Antworten mehr geben. Er starb im Februar dieses Jahres. Seine Tochter, Irina Lee, will sich an die Geschäftsidee überhaupt nicht erinnern können. In den alten Fabrikgebäuden auf Frøya will man von Mr. Lee nichts mehr wissen. Ein Investor, der nicht beim Namen genannt werden will, gibt ausdrücklich keinen Kommentar. Eine andere Firma am Ort, Hitramat, fing gleichzeitig mit Su San Norway an und hat ihre Fabrikgebäude bis heute auf der Nachbarinsel. Dort erinnert man sich an Mr. Lee als an einen jovialen, findigen Typen. Warum aber Mr. Lees Meeresfrüchtetraum nicht lief, darüber will der Entwicklungschef Kolbjørn Ulvan nicht spekulieren. Aus eigener Erfahrung weiß er, wie kompliziert es ist, eine neue maritime Art einzuführen. Das fängt schon bei den Fischern an. Denen gehe es wohl zu gut: „Solange man mit Krabben- oder Dorschfischerei gut verdienen kann, wird kein Fischer auf Schneckenfang umsteigen.“

Topmeldungen

Schnelle Produktion: Ein Brückenträger für Genua, geschweißt in der Werft, montiert auf der Baustelle

Brücken vom Dock : Wie Italiens Werften Brücken bauen

Deutschland hat stillgelegte Werften und kaputte Brücken. Was man daraus machen kann, zeigt Italien in vorbildlicher Manier. Der Schiffsbaukonzern Fincantieri denkt die Stahlverarbeitung breiter.
Race to Feed the World

Race to Feed the World ist ein Projekt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, gefördert durch das European Journalism Centre über dessen Programm „Innovationen im Entwicklungsjournalismus“.faz.net/feedtheworld