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Glibbriger Protein-Lieferant : Wie Mr. Lee die Welt mit Quallen ernähren wollte

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Die Geschäftsidee, meinte er, würde den Beifang zu wertvollem Fang machen. Vielleicht ahnte Mr. Lee, dass er sich mit den norwegischen Fischern alliieren musste, um Erfolg zu haben. Niemand tritt so einfach in die Riege der norwegischen Fischer und Meeresbauern ein. Schon gar nicht ein lachender Nudelkönig.

So also kam es, dass Mr. Lees kleine Versuchsfirma Su San Norway AS ausgerechnet auf der Insel Frøya vor der Küste Mittelnorwegens Fuß fasste. Hier, auf den Zwillingsinseln Hitra und Frøya, wie sonst nirgendwo, sind die großen Fischerbosse und Meereskönige Norwegens zu Hause. An der rauhen Küste haben sich die Fischereiflotten niedergelassen, hier schalten und walten die Aufzuchtbosse und Lachskönige.

Die Inseln liegen abseits der Regionshauptstadt Trondheim. Die Straßen, die hinaus aufs Nordmeer führen, sind manchmal schmal und bucklig, dann neu und breit, mit modernen Tunneln und fein gebogenen Brücken über Krabbensunde und Schären. Hier stehen Fabriken für Fischverarbeitung, in den Buchten liegen hochmoderne Lachsaufzuchtgehege, und Lastwagen donnern über die Straßen zu den An- und Abladestellen, um die Schätze der Fjorde in der Welt zu verteilen.

Quallenfang in China
Quallenfang in China : Bild: dpa

Dazwischen liegt die Küstenlandschaft wie eh und je. Windgebeutelte Büsche und Bäume kriechen die Abhänge hoch. Holzhäuser hocken auf Schären, und Motorboote dümpeln an Landungsbrücken und warten auf die nächste Ausfahrt. In diese Welt zog Mr. Lee mit seiner Firma. Die Firma mietete Räume in der alten Fabrik des Lachsaufzuchtkonzerns Marine Harvest auf Frøya. Die Wellhornschnecken sollten zunächst das Hauptgeschäft werden.

Im Mekka der Fischerei war das Schneckengeschäft eine Kuriosität. Die Lokalzeitung berichtete davon, wie eine koreanische Delegation zum Testessen eingeflogen wurde, wahrscheinlich wollte man ihr die bucklige Küstenstraße ersparen. Man hatte den Besuchern die Anlage gezeigt, in der die Schnecken gekocht wurden. Ein Mitarbeiter der Firma beschrieb damals in der Zeitung, wie ein Koreaner die gekochte Schnecke aus der Schale gepult und gegessen hatte. Er selbst habe die Schnecken nur einmal probiert. Das reiche ihm. So exotisch fanden die Norweger auf Frøya das Schneckenprojekt.

Mekka der Fischerei

Mr. Lee hatte damals auch das andere Eisen im Feuer. Quallen. 2007 war Su San Norway AS in ein Projekt mit dem Forschungsinstitut Sintef in Trondheim und der dortigen Universität involviert. Der Trondheimfjord erlebte damals eine Qualleninvasion. Forscher von der Biologischen Station am Stadtrand hatten über Jahre den Fischbestand im innersten Teil des Fjords überwacht. Ab den 1990-Jahren tauchten Kronenquallen in Horden auf und brachten die Forschung durcheinander.

Kronenquallen sind kirschrot, haben seltsam lang ausgestreckte Fangarme und bewegen sich wie Unterseeboote durchs Wasser. Anders als die durchsichtigen Ohrenquallen, die im Frühling aufblühen, rumwabern und dann im Herbst massensterbend untergehen, können Kronenquallen bis zu dreißig Jahre alt werden. Haben sie sich einmal eingerichtet, bleiben sie. Weil sie Tiefseequallen sind, pumpen sie fröhlich die gesamte Tiefe der Fjorde hinauf und hinab und fressen dabei den Fischlarven das Futter weg.

Tonnenweise Quallen

Die Forscher zogen auf ihren Expeditionen tonnenweise Quallen an Deck, die darauf herumglitschten, nesselten und die wenigen Fische im Netz einschleimten. Die Biologen glauben, dass die ständig erhöhte Wassertemperatur die Quallenproduktion angekurbelt hatte. Die Vermehrung der Kronenquallen war aus dem Ruder gelaufen, und die Viecher stiegen die Wassersäule wie verrückt hoch und runter, um Plankton zu mampfen und sich dabei zu vermehren.

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