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Gewürzanbau auf Sansibar : Wo der Bio-Pfeffer wächst

  • -Aktualisiert am

Der Anbau der Gewürze bringt Herausforderungen mit sich, zum Teil lebensgefährliche. Bei der Nelkenernte müssen die Farmer auf die Bäume klettern, um die Blütenstämme mit der Hand zu pflücken – in Höhen von bis zu 20 Metern. Jedes Jahr verletzen sich Farmer dabei, einige mit schweren Folgen. Ob sie Angst vor solchen Unfällen haben? Mshamata zuckt mit den Schultern und lächelt verlegen. Für ihn ist es ein Risiko, das die Arbeit mit Gewürzen nun mal mit sich bringt. Der Kardamom wiederum wird noch vor der Ernte häufig von Affen gefressen. Zurück bleiben nur die leeren Fruchthülsen. Den Bauern sind die Hände gebunden. Die Tiere seien von der Regierung geschützt, erzählt Mshamata. Für Probleme wie diese hat auch Geschäftsführer Flury noch keine Lösung gefunden. Er sagt: „Es ist natürlich, es ist wunderschön – und es ist sehr ineffizient.“

Vom Backpacker zum Plantagenmanager

Als Backpacker ist Flury während seines Jurastudiums zum ersten Mal nach Ostafrika gekommen, vom Schweizer Hörsaal in das Management einer Kaffeefarm in Tansania. Nach einigen Wochen ist er in seine Heimat zurückgekehrt, hat seinen Abschluss gemacht und eine Zeit lang für eine Schweizer Kanzlei gearbeitet. Interessant sei sein Alltag damals gewesen, herausfordernd. Dennoch hat er nicht lange gezögert, als die Gründer von Zanj Spice ihm angeboten haben, das Unternehmen im fernen Sansibar fortan zu leiten. „Es ist sehr schön, sich mit so emotionalen Produkten wie Gewürzen zu beschäftigen“, sagt Flury, der 28 Jahre alt ist. Seit zwei Jahren lebt er nun in Sansibar-Stadt. Von seinem Büro, in einem Gebäude im alten Stadtkern vonStonetown, verkauft er die Gewürze an zahlungskräftige Kunden aus Europa und Nordamerika.

Dieser Artikel stammt aus der Frankfurter Allgemeine Woche.

Die Gewürzbranche der Insel scheint langsam in Fahrt zu kommen. „Auf Sansibar geht der Bio-Boom los“, sagt Flury. Die Bauern können ihr Einkommen durch den Bio-Anbau um 40 bis 60 Prozent steigern, auch weil das Unternehmen einen besseren Nelkenpreis für die Farmer aushandeln konnte und zudem die Behandlungskosten bei einem Unfall während der Ernte übernimmt.

Die Regierung Sansibars hat das Potential erkannt, das der organische Anbau mit sich bringt. Einige Farmer, deren Gewürze sie bezieht, hat die Zanzibar Spice Trading Corporation schon zertifizieren lassen – von derselben deutschen Öko-Kontrollstelle wie Zanj Spice. „Wir sind oft einen Schritt voraus, werden aber auch sehr schnell wieder kopiert“, sagt Flury. Wenn das Unternehmen etwa ein neues Produkt einführt, dauere es nicht lange, bis sich auch die ZSTC für eben dieses interessiert. Die Exportmenge der Nelken hat sich nach Angaben der Regierung beinahe verdoppelt, von knapp 3700 Tonnen im Jahr 2016 auf mehr als 7000 Tonnen 2017.

Der Gewürzbauer Mshamata blickt betont gelassen in die Zukunft, so wie es viele Sansibarer tun. „Hakuna matata“, den Spruch hört man auf der Insel immer wieder. Es gibt keine Probleme. In einigen Jahren sollen auch seine Kinder auf der Farm arbeiten. Wie er werden sie stundenlang durch die Wälder ziehen, die Gewürze ernten und sie beim Trocknen vor dem Regen schützen.

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