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Gewürzanbau auf Sansibar : Wo der Bio-Pfeffer wächst

  • -Aktualisiert am

Der Staat ist mitverantwortlich. „Der relativ hohe Nelkenexportpreis ist politisch bedingt“, sagt Raphael Flury. Er ist Geschäftsführer des Gewürzunternehmens Zanj Spice, für das auch Farooq Mussa unterwegs ist. Die Gewürzbranche sei intransparent und von Monopolen beherrscht, meint Flury. Die Zwischenhändler gelten zudem als Problem, weil sie dafür sorgen, dass die Preise auf dem Weg vom Farmer zum Abnehmer ad absurdum getrieben werden.

Wie kann es gelingen, die eingefahrenen Strukturen aufzubrechen? Flury setzt auf einen Ansatz, der auf den ersten Blick wenig originell erscheint. Er bringt den Gewürzbauern den biologischen Anbau näher. Dadurch locken höhere Erlöse. Die Annahme: Wenn die Qualität stimmt, dann könnte der Archipel auf dem Weltmarkt auch wieder interessanter werden. Vor allem in Europa und Nordamerika sieht er Potential. Denn dort wächst die Nachfrage nach Bio-Produkten. Auf Sansibar glich dieser Ansatz vor sechs Jahren noch einer Revolution. Damals gründeten der Hamburger Michael Haentjes und der Entwicklungshelfer Friedemann Gille das Unternehmen Zanj Spice. „Die jahrhundertealte Tradition des Gewürzanbaus auf Sansibar mag romantisch klingen“, sagt Flury. In der Landwirtschaft bedeute Tradition häufig aber vor allem eines: Stagnation. Was Farmer wie Mshamata leisten, sei deshalb Pionierarbeit.

Die launische Königin der Gewürze

Inzwischen stehen 25 Gewürzbauern aus Pemba bei Zanj Spice unter Vertrag. Allesamt haben sie sich von einer deutschen Öko-Kontrollstelle zertifizieren lassen. Der Weg dorthin war nicht immer einfach, erzählt Geschäftsführer Flury: „Selbst bei einer Produktion in den natürlichen Wäldern stellen die Tücken des Alltags Kontaminierungsquellen dar.“ Bevor Mshamata und die anderen Bauern das Gütesiegel erhalten konnten, mussten sie ihre Arbeitsweise zum Teil ändern; das Wissen ihrer Familien überdenken.

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Die Gewürze wie üblich am Wegesrand und in den Häusern zu trocknen, das kam nicht mehr in Frage. Im Kampf gegen Malaria lässt die Regierung die Innenwände der Steinbauten regelmäßig mit Pestiziden besprühen. Die Krankheit ist auf der Inselgruppe nahezu eliminiert. Die Bauern hat der Einsatz der Gifte jedoch vor eine Herausforderung gestellt: Wohin mit ihren wertvollen Gewürzen, wenn diese frei von Pestiziden bleiben sollen?

Auf Pemba hält Mussa seinen Wagen an. Der schlanke Mann läuft vorbei an bröckelnden Häuschen, Bananenstauden und einem Gewächshaus, hin zu einem neuen Lager. „Hier sind die Gewürze vor Abgasen und Gift geschützt“, erklärt er. Vor dem Gebäude haben die Farmer Strohmatten ausgelegt, in der Mittagssonne lassen sie Zimtrinde darauf trocknen. Der Blick der Bauern geht immer wieder gen Himmel. Wolken ziehen auf. Wenn es regnet, müssen sie schnell reagieren. Ein kurzer Schauer könnte die Ernte ruinieren.

Für den Zimt ist Mussa an diesem Tag jedoch nicht nach Pemba gereist. Auch nicht für die Nelken. Er versammelt die Farmer im Lager. Einer nach dem anderen reicht ihm ein kleines Bündel mit schwarzen Vanilleschoten. Die launische Königin der Gewürze gedeiht auf der Insel hervorragend und ist begehrt wie nie. Nachdem ein Zyklon im vergangenen Jahr auf den Anbauflächen des Hauptproduzenten Madagaskar gewütet hat, ist das Gewürz rar. Dementsprechend hoch ist der Wert der Vanille. „Der Aufwand ist enorm“, sagt Mussa, während er die schwarzen Schoten wiegt, er grinst dabei verschwörerisch, „aber er lohnt sich.“

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