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Wo kommt unser Essen her? : Salatbeet im Skyscraper

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Phantasie überall

An Phantasie mangelt es trotzdem nicht. Eindrucksvolle Architektenstudien für vertikale Farmen in Hochhäusern, die in sich geschlossene Kreislaufwirtschaften darstellen, gibt es: Oben im 30. Stock grasen auf den Skizzen die Kühe, drunter wächst Getreide, Gemüse. Dies zu realisieren wäre nicht nur hohe Architekten-, sondern vor allem Ingenieurskunst. Aber noch niemand hat so ein Treibhaus je gebaut. Die Stadt Völklingen hingegen, im Saarland, war ihrer Zeit wohl voraus. Sie geriet vor Jahren hingegen scharf an den Rand des finanziellen Ruins, weil sie Millionen Euro Steuergeld einmal visionär investierte: in eine Meeresfischzucht hunderte Kilometer von der Küste entfernt.

Die Anlage war viel teurer, als gedacht, und die Kunden wollen Fisch aus dem Meer. Nach Anlaufschwierigkeiten erntet nun die „Fresh Corporation AG“ dort Doraden, Wolfsbarsch oder Kingfish – mehr als 60 Tonnen im Jahr. Der Schweizer Investor Peter Zeller kaufte sie, seither läuft das Geschäft. Die Doraden gehen über die Kette Globus in die Schweiz und nach Luxemburg. Ein Beispiel einer Luxus-Indoorfarm. Das Fisch wird zu Sushi.

Der Planet wird gut versorgt, und sogar allzu gut.
Der Planet wird gut versorgt, und sogar allzu gut. : Bild: Rhonald Blommestijn

Der Einzelfall futurologischer Food-Konzepte ist stets faszinierend; mal nützlich für die Ärmsten der Welt, mal heilend für die kranke Erde, mal ein kleines Luxus-Business. Einen Überblick über die ernste Agrar-energetische Krise bietet er nicht. Den gibt es bei Michael Braungart, und in diesem Land eigentlich nur bei ihm. Braungart ist ein Professor in Lüneburg und Rotterdam und seit vielen Jahren wie eine prophetische Figur für den kleinen Kreis der öko-intellektuellen Szene. In Amerika hingegen war er Bestsellerautor, und in China der meistgelesene Deutsche – gleich nach, natürlich: Karl Marx. In Deutschlands grüner Politszene kommt er aber nicht so recht an: Braungart hält nichts vom Dämmen und Trennen, Sparen und Müllverbrennen.

Er sieht eine Kreislaufwirtschaft in großem, industriellem Maßstab als den einzigen Überlebensweg. Geschlossene Stoffkreisläufe in allen Bereichen, nicht nur im  Agrarischen. Er will alle Stoffe in biologische und technische Kreisläufe trennen. Was sich abnutzt, in der Erde, im Meer oder in der menschlichen Lunge verbleibt, solle abbau- und essbar sein. Mit anderen Worten: Es darf keinen Müll mehr geben. Kein Plastik im Meer, kein Nitrat im Boden, kein Phosphor im Abwasser. Alle Nährstoffe auffangen und wieder in die Nutzung. „Alles“, sagte Braungart, müssten die Menschen „konsequent in Nährstoffen denken“. Sein Vorbild sind die Ameisen. Sie leben gut ohne Müll.

Ohne Kreislauf geht es nicht

Seine Ideen setzt an der Kernfrage an: Wie kann mehr oder gleichviel geerntet und produziert werden, und zugleich weniger Erdöl, Kohle, aber auch Wasser, Sand, Erze, Seltenerden verbraucht werden? Durch konsequente Wiederverwertung. Aber auch Braungarts Konzept, das vor Jahren selbst Konzerne wie Puma begeisterte, hat zuletzt Rückschläge hinnehmen müssen. Puma verabschiedete sich von seinen Plänen, die Produktion in Richtung der Kreislaufwirtschaft umzustellen. Der Preiskampf kann auf ganzheitliche Ideen keine Rücksicht nehmen. Auch die Pflanzennährstoffe müssten, Braungarts Logik zufolge, im Kreislauf geführt werden. Weniger Nährstoffe aus dem Bergbau und aus Öl, mehr wiederverwerten.

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