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Wo kommt unser Essen her? : Salatbeet im Skyscraper

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Immer mehr müssen rein- und rausfahren, die Städte wachsen auf der ganzen Welt. Die Weltbevölkerung soll bis 2050 von gut 7,5 auf rund 10 Milliarden Menschen ansteigen, am meisten in den Metropolen der Entwicklungsländer. Auch deswegen erscheint es sinnvoll, dass der Anbau zurück in die Städte kommt. Und das passiert: In Tokio gab es vor rund zwei Jahren die ersten Erdbeeren zu kaufen, die in der Stadt in einem Gewächs-Hochhaus unter LED-Licht im Hochregal gereift sind. Gerade in Japan, das arm an Ackerland ist, wird Landwirtschaft zum urbanen Hightech. Fujitsu, der Elektronikkonzern, investiert Millionen und bietet im Hochregal gezüchtete Salate an. Das erscheint dem Verbraucher vertrauenserweckender als Freilandanbau bei Fukushima.

Urbane Landwirtschaft entsteht dort, wo Ackerland knapp ist, das Land verseucht oder die Bevölkerung besonders stark wächst –in Asien, in Afrika: In Sambia züchten Kleinbauern-Kooperativen Speisepilze in Holzhütten mitten in den Städten und verkaufen sie an Luxushotels. Afrikanische Städte ziehen sich in die Fläche, zwischen Wellblechhütten laufen zwischen Plastikmüll und Gemüsepflanzen Hühner und Ziegen, auch das ist urbane Selbstversorgung, aber die der Vergangenheit.

Pilzzucht geht in jedem Slum

In Sambia bringen neue Ideen wie die Pilzzucht vor allem den Ärmsten einige Dollar. Auch in den prekären Vierteln amerikanischer Städte ist die urbane Landwirtschaft nicht nur ein Thema für Hipster. Vielen Millionen fehlt das Geld für den Einkauf. Das, was im Garten wächst, hilft zu überleben, auch Nüsse aus dem Park und Brombeeren vom Straßenrand.

Berlin ist auch nicht reich, aber clever genug, um Future Food als Popkultur zu betreiben. Da gibt es urbane Gärten am Tempelhofer Feld, und hier wachsen auch die Kräuter im Supermarkt, im verglasten Regal im Edeka. Erste Projekte bringen aber auch hier schon größere Mengen Lebensmittel, etwa im Berliner Stadtteil Schöneberg. In einem alten Fabrikgebäude der früheren Schultheiss-Brauerei mit Ziegelsteinen und Gartenteich, züchtet das erste Start-Up, das ECF Farmsystems heißt, Barsche und Basilikum in einer urbanen Kreislaufwirtschaft.

Abwasser lässt sich vor Ort nutzen

Das Abwasser der Fischzucht, voller guter Nährstoffe, fließt hier nicht in die Kläranlage. Sondern, durch Filter und technische Anlagen, als Nitratdünger in ein Gewächshaus. Davon lebt das Basilikum. Vom frischsten Fisch Berlins spricht der Gründer. 30 Tonnen Fisch im Jahr können hier wachsen, Metro oder Rewe nehmen ihn ab. 70 bis 90 Prozent Wasser-Ersparnis rechnen die Betreiber vor, verglichen mit üblicher Fisch- und Basilikumzucht. Der Buntbarsch, der in einem guten halben Jahr auf 600 Gramm wächst, braucht dafür nur gut 700 Gramm Futter.

Er ist sogar ein besserer Verwerter als das schnellwachsende Hähnchen. So könnte die Zukunft der urbanen Selbstversorgung aussehen. ECF Farmsystems verdient mit den Fischen und Kräutern allerdings noch kaum Geld. Dafür mit den Anlagen: Fisch-Gemüse-Kreislaufgewächshäuser haben sie neuerdings nach Belgien und in die Schweiz verkauft. Ein beliebter Standort: Flachdächer.

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