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Wo kommt unser Essen her? : Salatbeet im Skyscraper

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Die Freiheitsliebe ist ein Auslaufmodell

Bauern wie er sind ein Auslaufmodell. Moderne Farmer haben andere Interessen. Sie twittern um die Deutungsmacht: Wachstumsbetriebe, denen manchmal das Land mehrerer Dörfer gehört. Sie arbeiten mit iPad statt Forke, die Farm träumen sie als digitalisierten Hightechbetrieb. Hierfür ist etwa Bauer Holtkötter ein Beispiel, bei Twitter: „Bauer Holti“. Er kämpft dort eifrig für die politische Weiter-Genehmigung agrarchemischer „Betriebsmittel“, wie Glyphosat von Monsanto, er ist ein Technikfan mit abenteuerlich festem Händedruck und postet Bilder vom Schützenfest. Er ist stolz auf die Größe seiner Felder und die sauberen Ställe; amerikanische Farmer sind sein Vorbild, Agrarromantik bring ihn zur Verzweiflung.

Die Welt der Bauern, die uns vom Land versorgen, ist keine einheitliche. Es sind Welten. Und dramatisch erodierende. Rund 270 000 Landwirte ernten unser Essen noch, melken Kühe, füttern Hennen und mästen Hühner, noch. Noch im Jahr 1980 waren es drei Mal so viele. Die Zahl gehe „asymptotisch gegen null“, sagte kürzlich ein Berater der Landwirtschaftskammer in Nordrhein-Westfalen, der sich sorgt, dass es dann niemanden mehr zu beraten gäbe. Dann ernährten uns nicht mehr Landwirte, sondern ein vollendetes Industriegeflecht, das womöglich in der Hand der Handelsketten und Banken wäre. Das wäre eine historische Zäsur.

Milch vom Spezialisten.
Milch vom Spezialisten. : Bild: Rhonald Blommestijn

Als Karl Marx lebte, um 1850, gab es in Deutschland Millionen Landwirte. Ein Landwirt erzeugte im Jahr 1900 Lebensmittel, von denen 4 Menschen satt wurden; 2010 konnte ein Betrieb 131 Personen sättigen. Ist das nicht eine Erfolgsgeschichte? Die Zukunftsfrage der Abhängigkeit der Stadt vom Land, damit auch die des Landes vom Erdöl, steht gleichwohl im Raum, und dies seit 150 Jahren. Marx studierte, wie eine neue Studie des Soziologen Kohei Saito (Campus Verlag) zeigt, mit Interesse die landwirtschaftlichen Aufsätze von Justus von Liebig – kurz nach der Stunde null der ackerbaulichen Revolution. Liebig hatte entdeckt, welche Stoffe die Pflanzen wachsen lassen: Stickstoff, Phosphor, Kali. Das Schöne daran war, man konnte die Stoffe künstlich erzeugen oder importieren.

Phosphor kam dann aus kolonialem Vogelmist, Guano. Stickstoff kam aus Restprodukten der Stahlindustrie, später dann aus der Luft, die voll von ihm ist: N-Dünger, gewonnen durch Energien aus der Ölverbrennung. Und so ist es bis heute. Der Landwirt erntet gut und viel, denn sein Feld ist voller Chemie von der BASF, von Monsanto, Dow, Chem China und Syngenta. Nur deswegen ist das Essen reichlich da und billig, und die Städte können wachsen, und die Bauern werden weniger.

Die prekäre Trennung von Stadt und Land

Marx traf den Nerv: Der Wegzug vom Land schien energetisch prekär. Essen und Anbau trennten sich räumlich voneinander. In diesem Sinne steht der Biobauer im Vogelsberg für ein relativ harmonisches Wirtschaften mit der Natur. Und der twitternde Schweinemäster für ein Wachstums-Wirtschaften, das vergleichsweise stärker vom Energie-Input von außen abhängt. Aber: Ohne „Bauer Holti“ und die Großagrarier würden die Städte hungern.

Und eine Stadt wie Berlin oder Paris kann zudem nur deswegen leben, weil täglich viele tausend Lastwagen mit Nahrungsmitteln hereinfahren und industrielle Massenware hereinfahren. Ebenso, wie Rewe und Tegut, versorgen uns also Schenker und DHL und die globale Logistik mit Nahrung. Edeka lässt täglich 2000 Lastwagen durch Deutschland fahren, um die Lager zu füllen. Größer noch ist das europäische und globale Liefernetzwerk von Dachser Food Logistics: Genau 1261 Lastwagen fahren für das Unternehmen mit Lebensmitteln befüllt täglich durch Europa. Ähnliche Größenordnung bringt die Nagel Group auf die Straßen, auch DHL, viele andere.

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