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Mangelernährung : Hilft teure Pflanzenzucht gegen Hunger?

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Die meisten würden nur noch Mais anbauen. Neulich habe er sogar von einer neuen Bohnensorte gehört, die zwar mehr Früchte tragen soll, aber deren Blätter nicht mehr essbar seien. „Natürlich eine Hybridart“, sagt Damba. Früher konnten sie die ganzen Pflanzen verwerten. Neue Kreuzungen ließen das nicht mehr zu. Für Damba sind die Millionen, die in die Züchtung des orangefarbenen Maises investiert wurden, also verschwendete Millionen. Er sagt, er kenne eine deutlich einfachere Lösung, eine günstigere: Karotten. Der Kontrast zwischen Samazaka und Damba könnte kaum größer sein. Der eine träumt von der grünen Revolution, preist die Fortschritte der Forschung. Der andere sehnt sich nach einem naturnahen Anbau, verherrlicht die Vergangenheit.

Es ist ein unerbittlicher Kampf, der da ausgetragen wird, seit Jahren schon. Das bekannteste Opfer: der „Goldene Reis“. Er wurde in den neunziger Jahren von Forschern in der Schweiz entwickelt, und auch er barg mehr Nährstoffe in sich als herkömmliche Reissorten, vor allem mehr Betacarotin. Das Problem: Die Forscher bekamen diese Wundersorte nicht durch gezielte Züchtung, also auf natürlichem Wege. Sondern durch eine Veränderung im Erbgut der Pflanze. Durch Gentechnik.

Weltweit sorgte der „Goldene Reis“ damals für Aufmerksamkeit. Bill Clinton lobte ihn, der Papst segnete ihn, das „Time“-Magazin zeigte ihn auf dem Titel. Er galt als Wundermittel für den Kampf gegen Hunger. Doch es regte sich bitterer Widerstand. Allen voran wetterte Greenpeace gegen den „Goldenen Reis“, startete Kampagne auf Kampagne. Mit Wirkung – bis heute hat kein Land ihn zugelassen.

Robert Mwanga hat diesen Kampf über die Jahre mit Sorge verfolgt. Er hatte Angst, dass ihm Ähnliches widerfährt. Dass er jahrelang forscht und am Ende bekämpft wird. Mwanga ist Pflanzenzüchter in Uganda, er arbeitet für das International Potato Center. Seit dreißig Jahren beschäftigt er sich durchweg mit einer Pflanze: der Süßkartoffel. Durch jahrelange Züchtung hat er eine Sorte entwickelt, die einen hohen Vitamin-A-Anteil hat. Anfangs hatte er Probleme, die ugandischen Landwirte von seiner Süßkartoffel zu überzeugen. Aber über Jahre ließen er und seine Kollegen Werbung in Radiosender schalten, kamen zu Live-Interviews ins Studio, fuhren in die Dörfer. Heute äße jeder zehnte Haushalt in Uganda diese Süßkartoffelart, sagt Mwanga. In seiner Stimme klingt Stolz, während er das erzählt.

„Natürlich ist die Süßkartoffel nicht die perfekte Lösung, um die Mangelernährung zu bekämpfen. Aber immerhin ist es eine Lösung!“, sagt Mwanga. Täglich würden Menschen sterben, weil ihnen Nährstoffe fehlten. Der Reis könnte da auch helfen. Würde er nur zugelassen werden. In den kommenden Jahren möchte Mwanga noch mehr seiner Mitbürger erreichen, die Vitamin-A-Süßkartoffel populärer machen; 20 Millionen sind sein Ziel für 2020. Das wäre jeder zweite Ugander.

Einen Erfolg hat Mwanga schon erzielt, im Jahr 2016 war das. Damals bekam er den „World Food Prize“ verliehen, eine Art Nobelpreis für Forscher im Bereich Ernährung und Landwirtschaft. Mwanga sagt, er habe sich gefreut, dass die Welt endlich vom Kampf gegen die Mangelernährung erfährt. Dass Menschen ihre Arbeit wertschätzen und sie nicht immer nur kritisieren. Damals, auf der Bühne im Iowa State Capitol Building in Des Moines, Iowa, wurden noch drei weitere Forscher ausgezeichnet. Einer von ihnen war Howarth Bouis. Er gründete vor 25 Jahren die sambische Hilfsorganisation „Harvest Plus“.

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