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Tropfen für Tropfen : So nutzt man Regenwasser richtig

In solchen Zeiten wird die Erinnerung an Wasser wach, das vom Himmel fällt. Bild: Picture-Alliance

Regen gibt es mal zu wenig und mal zu viel. Ihn aufzufangen ist deshalb keine schlechte Idee. Von den Erfahrungen in den Industrieländern können auch viele Regionen der Welt mit Wassermangel profitieren.

          Manchmal kann es sein, dass das Wetter Interesse für eine trockene Materie weckt. Wasser kommt in unseren Breiten aus dem Hahn, sobald man ihn aufdreht – um alles Weitere muss man sich erst Gedanken machen, wenn der Versorger die Rechnung stellt. Dass es mal knapp werden könnte, hatten die jüngeren Generationen nicht im Visier, weil Notstandsverordnungen schon einige Jahrzehnte her sind – bis zu diesem Sommer, in dem viele Gemeinden ihren Bürgern mit dem Verbot, den Garten zu bewässern und das Schwimmbad zu befüllen, Sparen verordnet haben.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          In solchen Zeiten wird die Erinnerung an Wasser wach, das vom Himmel fällt. Es einzufangen und am Ablaufen zu hindern, kann nicht dumm sein. Der Gedanke ist nicht neu, schon im alten Rom wurde der Regen von den Dächern ins Atrium geleitet, und in vielen großen Städten wurde Wasser in unterirdischen Lagern gesammelt; ein Becken mit der Fläche einer Sportarena und 80.000 Kubikmeter Fassungsvermögen gilt bis heute als größter unterirdischer Vorratsspeicher der Welt, es wurde im 6. Jahrhundert im damaligen Konstantinopel gebaut. Die Versorgung aus der Zisterne in Perioden der Knappheit ist freilich nur ein Aspekt; ebenso wichtig ist die Pufferfunktion, wenn es stark regnet, denn die Speicher entlasten die Kanalisation. Trotzdem wurden vor Jahrzehnten Initiativen, Regenwasser als Betriebswasser zu nutzen, hierzulande anfangs belächelt und später bekämpft – mit sonderbaren Argumenten bis hin zur offen geäußerten Sorge, die Toilettenspülung mit etwas anderem als Trinkwasser könne gesundheitsschädlich sein.

          Die Debatte ist zum Glück vorbei, heute gehört Deutschland in der Regenwassernutzung zu den führenden Nationen, und die hier gewonnenen Erkenntnisse über Speicher, Filter und Siebe sind auch andernorts gefragt. In diversen Fachkreisen wird über den sinnvollen Umgang damit diskutiert, und es gibt eine unübersichtliche Masse von Bau- und Nutzungsvorschriften. Die deutsche Norm aus dem Jahr 2002 – die erste allgemein anerkannte Regel der Technik zur Regenwassernutzung – hat ihren Niederschlag in einer europäischen Norm gefunden, die seit Juni dieses Jahres in Kraft ist (DIN EN 16941-1).

          Die Vorreiterrolle sei auch eine Folge der Umweltbewegung in den siebziger Jahren gewesen, gekoppelt mit deutscher Perfektion, sagt Klaus König, der bisher einzige öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Regenwasserbewirtschaftung in Deutschland. Niederschlag wurde zum vielbeachteten Thema, und die praktischen Erfahrungen mit der zur Bewirtschaftung erforderlichen Technik sind in die DIN eingeflossen.

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          Die Erkenntnis, dass das Sammeln von Regenwasser eine einfache und kostengünstige Methode sein kann, die Versorgung mit Betriebswasser sicherzustellen, wächst inzwischen auch in den regenarmen Regionen der Welt. Denn Meerwasserentsalzung ist teuer und energieaufwendig, manche Methoden wie das Einfangen von Nebel taugen nur für bestimme Regionen, und das Grundwasser ist, falls überhaupt vorhanden und zugänglich, oft versalzen oder anderweitig kontaminiert. Das gilt erst recht für Oberflächengewässer. Regen gibt es dagegen fast überall, nur ist er häufig auf kurze Perioden beschränkt und dann besonders heftig – mit der paradoxen Folge, dass in den Überschwemmungsgebieten sauberes Wasser knapp ist.

          Auch viele Inseln haben Probleme, da wundert es schon, dass das Sammeln des Regenwassers nicht weiter verbreitet ist. Er habe auf Mallorca gesehen, wie es direkt ins Meer abgeleitet worden sei, sagt König. Aber das Trinkwasser, das auch für die Sanitäreinrichtungen der Hotels, die Bewässerung der Felder und Golfplätze verwendet wurde, sei mit dem Schiff aus Spanien eingeführt worden. König hat schon vor einigen Jahren in seinem Handbuch der Regenwassertechnik Beispiele und Ideen aus aller Welt gesammelt – künstliche Gletscher in Indien, Schneespeicher in Afghanistan, Grüner Tee in Japan aus Regenwasser, das von den Stämmen der Bäume gesammelt wurde. In vielen großen Städten gibt es inzwischen Projekte zur großflächigen Bewirtschaftung des Niederschlagswassers.

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