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Zwei Bauern, ein Jahr : Wie sehr die Ernten am chemischen Pflanzenschutz hängen

  • -Aktualisiert am

Der Weizen ist dicht gesät. Zweihundertachtzig Körner je Quadratmeter. Ein Biobauer würde nur zweihundert säen, erklärt Dettweiler. So sind die Ernten hier auf Dettweilers Acker größer, aber es bringt auch Probleme: Weil die Pflanzen dichter gedrängt stehen, geht weniger Wind durch die Reihen, es ist ein feuchteres Mikroklima, die Blätter reiben aneinander, und Blattpilze können leichter von einer auf die nächste Pflanze überspringen.

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Ohne chemische Kontrolle geht es nicht, nicht ein so konzentierter, produktiver Ackerbau, wie er die Menschen und das Nutzvieh in unseren Kreisen sättigt. Die Besatzdichte ist das eine. Die Pflanzenzucht ist das andere. Die Halme sind kurz, ehe die Ähre sprießt. Mehr Kraft geht in die Frucht. Dieser Weizen wurde Jahrhunderte gezüchtet, aus nicht viel mehr als einem Gras mit dürren Samen. Jetzt geht es viel schneller mit Genomselektion. Mehr Frucht, weniger Blatt und Halm. Wohl auch: größere Anfälligkeit für Pilze und Schädlinge.

Aber es mangelt ja nicht an Schutzmitteln. Die Azolmischung, die Dettweiler an einem Donnerstag im Mai versprüht, kostet ihn zwar rund 2000 Euro, etwa das Jahreseinkommen eines sambischen Kleinbauern. 40 von 300 Hektar sind damit versorgt. Das ist durchkalkuliert. „Ich erwarte mir davon einen Ertragsvorteil von 10 bis 15 Prozent“, sagt Dettweiler. Spritzte man die Erbsen nicht gegen Läuse, dann drohte sogar ein Totalausfall der Ernte.

Heikler Pflanzenschutz

Es ist wichtig, mit dem Pflanzenschutz nicht zu lange zu warten. Auf die frühen Tage und Wochen kommt es an. Erstens sind da die Herbizide, also die Unkrautvernichtungsmittel. Gerade wenn die Pflanzen jung sprießen und mit Unkraut konkurrieren, ist es wichtig, Letzteres zu vernichten. Sie konkurrieren um Nährstoffe und später um Licht.

Später im Hochsommer, wenn Mais und Weizen groß sind, haben sie das Sonnenlicht ohnehin erobert; dann brauchen die Bauern nicht mehr gegen Unkräuter zu spritzen. Aber eines Tages braucht man vielleicht keine Herbizide mehr: An den Universitäten, etwa der ETH Zürich und der Universität Bonn, laufen intensive Experimente mit Robotern, die über die Felder fahren, mit Sensortechnik Unkraut erkennen lernen und es verbrennen.

Schlupfwespen statt Chemie

Zweitens sind da die Mittel gegen Insekten. Die einen fressen die Blätter, die anderen die Früchte, wieder andere die Wurzeln der Pflanzen. Es gibt Mittel gegen Tausendfüßler, Drahtwürmer und Blattläuse; manche sind schon um die Saatkörner gehüllt, andere flüssig. Doch auch der intensive konventionelle Ackerbau bedient sich biologischer Lösungen. Im Juni, wenn der Maiszünsler auftritt, spritzt ihn Dettweiler nicht einfach tot.

Er verteilt über viele Hektar Land sogenannte Trichogrammakapseln, aus denen Schlupfwespen kriechen. Diese fressen gern Maiszünsler. „Diese Methode wende ich seit sieben, acht Jahren an“, sagt Dettweiler, der sich bemüht, so wenig Chemikalien wie nötig zu verwenden.

Auch Felix Kangwa, der Kleinbauer in Afrika, könnte ohne die Mittel wohl nicht mehr leben. Auch bei ihm ist es eine Frage des Geldes. Für den Mais, seine „Cashcow“, bekommt er bares Geld; dafür nutzt er Insektizide und Herbizide, die er aus einem Plastikkanister versprüht, den er als Rucksack mit sich trägt. Axel Dettweiler kennt den. „Die benutzen wir auch noch, auf dem Blumenfeld“, sagt er.

Auf einigen Flächen baut er Schnittblumen an, Tulpen und Pfingstrosen zum Selberpflücken. Die Freilandtulpen sind frischer und langlebiger als die Holland-Blumen. Der Tulpenanbau war in diesem Jahr ein Reinfall. Wegen der plötzlichen Wärme im April reiften alle zugleich. So viele Blumen konnte er nicht verkaufen. Da ging es ihm wie Felix Kangwa in Sambia: Die schönen Früchte verderben einfach auf dem Feld.

Race to Feed the World, ein Projekt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, gefördert durch das European Journalism Centre über dessen Programm „Innovationen im Entwicklungsjournalismus“.

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