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Landwirtschaft unter Druck : Der Appetit wird uns so schnell nicht vergehen

  • -Aktualisiert am

Auch für die Bauern in Sambia, die wir in dem Projekt „Race to feed the world“ begleiten, können sich die Arbeits- und Anbaubedingungen schnell ändern. Bild: Frank Röth

Teurer wird es sowieso – und beklemmend vage: Wie der Klimawandel die Produktion der Nahrungsmittel verändert ist mit vielen Fragezeichen versehen. Die Landwirtschaft gerät jedenfalls unter einen enormen Anpassungsdruck.

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          Rund 821.000.000 – das ist die Zahl der Menschen, die weltweit an chronischer Unterernährung und Hunger leiden. Erstmals seit einer Dekade kontinuierlichen Rückgangs, das ist dem aktuellen Bericht der Welternährungsorganisation FAO zu entnehmen, ist diese Zahl wieder gestiegen: von 777 Millionen im Jahr 2015 und mehr als 815 Millionen im Jahr 2016.

          Die Ursachen für diesen Anstieg sind komplex, in vielerlei Hinsicht aber nicht neu. Armut, rechtliche und politische Instabilität bis hin zu Kriegen und Bürgerkriegen – 489 Millionen derer, die unterernährt sind, leben in den Konfliktzonen dieser Erde. Ein anderer Faktor freilich, der in Bezug auf die Ernährungssicherheit offenbar immer größeren Einfluss gewinnt, sind die Folgen der globalen Erwärmung. Ob Südostasien oder die subsaharischen Länder Afrikas – es ist auffällig, dass die Not insbesondere dort größer wird, wo die Zahl wetterbedingter Katastrophen, wie Dürren, Stürme und Überschwemmungen, zunimmt.

          Race to Feed the World
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          In Zukunft leben 9 Milliarden Menschen auf der Erde. Wie werden sie satt, ohne dass der Planet kollabiert? Ein Jahr lang suchen wir Antworten.

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          Studien wie die von Joachim von Braun, Direktor am Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn, und seinen Kollegen prognostizieren für den Zeitraum bis 2030 globale Ertragsverluste von durchschnittlich neun Prozent – bis 2050 sogar von 23 Prozent. Berücksichtigt wurden bei der Untersuchung Grundnahrungsmittel wie Soja, Reis, Mais und Weizen, die weltweit gegenwärtig zwei Drittel der menschlichen Nahrungsenergie zur Verfügung stellen. Das International Food Policy Research Institut (IFPRI) geht davon aus, dass, gemessen an einem Basisszenario ohne die Wirkung des Klimawandels, die Erträge insbesondere in Afrika klimabedingt zwischen durchschnittlich 14 (bei Reis) und 22 Prozent (bei Weizen) niedriger ausfallen. Asien trifft es noch härter, dort dürften die Verluste mit durchschnittlich minus 50 (bei Weizen) und 17 Prozent (bei Reis) noch höher liegen. Ausgerechnet also in den Regionen der Erde, die in ihrem Bevölkerungswachstum längst noch nicht stagnieren, in denen die Landwirtschaft wesentlich zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt und in denen schon heute viele Menschen unterernährt sind, werden die Erträge unter den veränderten Bedingungen des Klimawandels stark beeinträchtigt werden.

          Ein Wettlauf mit der Zeit

          Dabei sind das Ernährungssystem und die globale Erwärmung eng aneinander gekoppelt: Der Agrarsektor trägt mit seinen Emissionen und der Landnutzung in nicht unerheblichem Maße zum Klimawandel bei. Gleichzeitig leidet er unter steigenden Temperaturen, zunehmender Trockenheit, veränderten Niederschlagsmustern, Bodendegradation und erhöhtem Schädlingsdruck. Zu Problemen führt das überall auf der Welt, speziell aber dort, wo die Menschen sich Nahrung aufgrund von Armut nicht beschaffen können, leidet die Bevölkerung Hunger.

          Bis zum Jahr 2050 werden Schätzungen zufolge zwischen 50 und 70 Prozent mehr Nahrungsmittel produziert werden müssen, um die wachsende Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren. „Für zukünftig neun Milliarden Menschen würden die heutigen Ernten keinesfalls ausreichen“, sagt Joachim von Braun. Die Länder des Nordens können sich durch ihre finanziellen Möglichkeiten heute wie in Zukunft mit Nahrungsmitteln versorgen; auch in schlechten Erntejahren. Insbesondere aber in den Ländern des Südens verschärft sich die Situation. Wenn die landwirtschaftlichen Nutzflächen dort nicht gleich unbrauchbar werden, beispielsweise durch Verarmung der Böden und Wüstenbildung, so sorgen die Folgen der globalen Erwärmung zumindest dafür, dass die jeweiligen Standortbedingungen für bestimmte Anbauprodukte ungünstiger werden.

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