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Trockenheit in Spanien : Bis zum letzten Tropfen

Ausgetrocknet: Der Tajo (oben) führt im Sommer kaum noch Wasser, weil das über einen Kanal in den Süden gepumpt wird, wo immer mehr Obst- und Gemüsefelder bewässert werden. Bild: Picture-Alliance

Wegen der anhaltenden Trockenheit wird in Spanien über das Wasser und die durstige Landwirtschaft gestritten. Mit welchen Ansätzen Spanien versucht, das Problem in den Griff zu bekommen.

          Der Name weckt Sehnsüchte: Meer von Kastilien. Doch wer am Ufer steht, fühlt sich eher an eine große Pfütze erinnert. Wie Jahresringe eines Baumes zeichnet sich der seit Jahren sinkende Pegel ab. Im seichten Wasser dümpeln ein paar kleine Boote. Früher strömten die Menschen aus dem knapp hundert Kilometer entfernten Madrid an den Wochenenden und im Sommer an den Stausee Entrepeñas, um zu schwimmen und zu segeln. Heute erinnert nur noch die „Promenade der spanischen Marine“ und ein Denkmal mit einem Anker daran, dass Sacedón noch vor wenigen Jahren einen eigenen Strand hatte. Vom „Meer von Kastilien“ ist trotz der Regenfälle der vergangenen Wochen dort nichts zu sehen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Das Wasser hat sich weit zurückgezogen, tiefblau glitzert der künstliche See nur noch auf dem Wandgemälde einer Tapas-Bar neben der Kirche. Das Restaurant ist zu vermieten – wie viele Lokale und Läden in der Kleinstadt. Ein Viertel der knapp 2000 Einwohner ist weggezogen. „Unsere Orte sterben. Wir leben in einer wirtschaftlichen Ruine“, sagt Francisco Pérez Torrecilla. Für den Bürgermeister von Sacedón ist klar, was zu tun ist. Am Balkon seines Rathauses hängt ein großes Plakat. Unter der Aufschrift „Kein einziger Tropfen mehr“ ist eine zerbrochene Wasserleitung zu sehen.

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          „Trasvase Tajo – Segura“ heißt das Mammutprojekt, das noch unter dem Diktator Francisco Franco begonnen wurde. Dazu gehören insgesamt drei Stauseen und die riesigen Rohre, die unweit von Sacedón den Tajo anzapfen. In guten Jahren pumpten sie bis zu achtzig Prozent des Wassers in Richtung Süden. Über eine fast 400 Kilometer lange Betonrinne fließt es über Aquädukte und Tunnels, bis es in der Provinz von Murcia den Segura-Fluss erreicht. Das Bergwasser des Tajo, des längsten und wichtigsten Flusses der Iberischen Halbinsel, der bei Lissabon in den Atlantik mündet, bringt im subtropischen Süden Spaniens den „Garten Europas“ zum Blühen, dessen Gemüse und Zitrusfrüchten auch die Regale deutscher Supermärkte füllt. Für die spanischen Bauern entlang des Segura und in der Region von Almería und Alicante ist es ein Milliardengeschäft – solange das billige Wasser aus den Bergen weiter sprudelt.

          In Murcia kämpft die Landwirtschaft mit der Trockenheit.

          Doch im vergangenen Sommer reichte es nicht einmal für die Menschen in der Gegend von Sacedón. Tanklastwagen mussten wieder monatelang mehrere Ortschaften versorgen. Die Trockenperiode dauert seit 2015 an. Erst gegen Ende des Winters setzten ergiebige Niederschläge ein. Sie füllten die Stauseen jedoch nur knapp über das Minimum von 16 Prozent. Laut Gesetz muss es erreicht sein, damit wieder Wasser über die Trasvase – dem Kanal in die Provinz von Murcia – umgeleitet werden darf. „Der jüngste Regen brachte überhaupt keine Lösung. Jetzt werden sie den Oberlauf des Tajo ausplündern, bis wir wieder auf dem Trockenen sitzen“, sagt Bürgermeister Torrecilla. Anfang April wurde die Überleitung zum ersten Mal seit dem vergangenen Mai wieder geöffnet. Bis Juni sind für den Süden 60 Hektokubikmeter genehmigt. „Die Regierung interessiert der Tajo nicht. Die Trasvase hat fast doppelt so viel Wasser der Fluss“, klagt Torrecilla.

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