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Trockenheit in Spanien : Bis zum letzten Tropfen

Die Region von Murcia ist typisch für die spanische Landwirtschaft, die unbekümmert weiterwächst. Die spanischen Bauern erwirtschaften nur 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhalten dafür rund 85 Prozent des gesamten Wassers. Bei Murcia verschlingt die künstliche Bewässerung diesen Anteil. Mit dem Rest müssen sich die Einwohner und die Touristen begnügen. In der Nähe der Plantagen sprießen unweit der Küste Urlaubersiedlungen aus dem Boden, die den Wasserverbrauch zusätzlich in die Höhe schnellen lassen. Im vergangenen Jahr kamen mit 80 Millionen so viele ausländische Urlauber nach Spanien, wie nie zuvor. Sie verbrauchen drei bis vier Mal so viel Wasser wie die Einheimischen.

Sorgsamer mit der knappen Ressource umgehen

„Wir müssen schleunigst unser Wirtschaftsmodell ändern und Mehrwert mit weniger Wasser produzieren. Die jüngste Trockenheit trifft uns nicht deshalb so hart, weil es weniger regnete – in Wirklichkeit betrug der Rückgang nur 15 Prozent –, sondern weil wir so viel verbrauchen, vor allem für die Bewässerung“, sagt die Biologin Julia Martínez von der Stiftung „Fundación Nueva Cultura por el Agua“ in Murcia. Statt zusätzliches Wasser in den Süden zu pumpen, müsse man sorgsamer mit der knappen Ressource umgehen. Weniger durstige Feldfrüchte könnten dabei helfen. Und neue Technologie und mehr Wiederaufbereitung lasse sich der Konsum auf rund die Hälfte verringern, sagt Julia Martínez.

Doch es geschieht kaum etwas. Im vergangenen Jahr wuchs die künstlich bewässerte Fläche in Spanien noch einmal um mehr als zwei Prozent auf 3,7 Millionen Hektar. Das ist fast ein Viertel der gesamten landwirtschaftlich genutzten Böden; in keinem EU-Land ist es mehr. Die Regierung ist stolz darauf, dass wenigstens die Hälfte davon mit der weniger verschwenderischen Tröpfchenbewässerung versorgt wird, während die Furchenbewässerung zurückgeht, die viel mehr Wasser verbraucht. In diesem Jahr soll zudem die Kapazität der größten spanischen Entsalzungsanlage in Torrevieja verdreifacht werden.

Aber es ließe sich noch mehr tun, was in anderen regenarmen Ländern seit langem selbstverständlich ist: Umweltschützer rechnen vor, dass man alleine in der Region Valencia 300 Hektokubikmeter Wasser in Kläranlagen aufbereiten und wieder verwenden könnte – das ist mehr, als was aus dem Tajo in den Süden kommt. Gleichzeitig müssten die brüchigen Leitungen ausgebessert werden. Rund ein Fünftel geht darin verloren. Das alles kostet Geld. Gut vier Milliarden Euro wurden in Spanien seit der Jahrtausendwende ausgegeben, um die knappe Ressource effizienter zu nutzen. Fachleute halten jedoch Investitionen von bis zu zwölf Milliarden Euro nötig. Seit Jahren debattieren Politiker und Produzenten ergebnislos über einen neuen „nationalen Wasserpakt“, während das Wasser in Spanien immer noch so billig ist, wie in wenig anderen EU-Staaten.

Der sorglose Umgang mit der Ressource hat schlimme Folgen für die Umwelt. Ein Gericht in Murcia ermittelt seit Februar gegen mehr als 30 Bauern und führende Mitarbeiter mehrerer Wasserversorger. Es geht um das „Mar menor“, der größte Salz-See Europas an der Küste. Ein zwanzig Kilometer langer, schmaler Sandstreifen mit kleineren Durchlässen trennt die Lagune vom Mittelmeer. Auf Satellitenaufnahmen ist zu sehen, wie sich das früher glasklare Gewässer grün verfärbt hat. Das liegt an den tausenden Tonnen Nitratstoffen von den Feldern. Illegale Brunnen und Entsalzungsanlagen haben das ökologische Gleichgewicht zusätzlich durcheinander gebracht. Algen wuchern in dem seichten Wasser, wo sich im Sommer bisher die Badegäste tummelten.

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