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Trockenheit in Spanien : Bis zum letzten Tropfen

Dabei ist künstliche Bewässerung nichts Neues entlang des Segura. Seit mehr als 2000 Jahren perfektionierte man das ausgeklügelte System. Es reichte für alle, bis in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die ersten Verbrennungsmotoren zum Einsatz kamen. Die Pumpen erlaubten es, neue Plantagen anzulegen, die immer weiter vom Fluss entfernt lagen. Als in den siebziger Jahre das billige Wasser aus dem Tajo den Segura anschwellen ließ, wurde der Garten Murcias zum Garten Europas, der sich bald bis ans Mittelmeer erstreckte.

Im Winter sind vor allem Salat und Broccoli in Deutschland aus Murcia gefragt. Im vergangenen Jahr exportierten die spanischen Bauern Obst und Gemüse in einem Gesamtwert von mehr als elf Milliarden Euro. Davon ging rund ein Viertel nach Deutschland, dem größten Abnehmer von Obst, Gemüse und Wein. Das gilt auch für die Region, die der Tajo mit Wasser versorgt. Zitronen waren dort zuletzt in Russland besonders beliebt. Die Preise stiegen zeitweise auf bis zu 1,50 Euro pro Kilogramm; vor nicht allzu langer Zeit waren es noch Cent-Beträge.

Überall entstehen neue Plantagen. Immer höher ziehen sich die Reihen der frisch gepflanzten Bäumchen die Hänge hinauf. Aus der hellen Erde ragen die schwarzen Plastikrohre der Bewässerungsanlagen. Der Garten Europas wächst, als gäbe es das unerschöpfliche Paradies schon auf Erden, in dem es an nichts mangelt.

Unkontrolliertes Wachstum seit Jahrzehnten

Bauernverbände bestreiten, dass die bewässerten Flächen weiter wachsen. Der Ausbau ist seit den achtziger Jahren gesetzlich verboten. „Wir haben das dokumentiert und Dutzende Anzeigen erstattet. Aber das bringt nichts. Die Bauern wurden bisher immer amnestiert und ihre Pflanzungen legalisiert“, heißt es frustriert bei den „Ecologistas en Acción“. Das unkontrollierte Wachstum dauert seit Jahrzehnten an. Und vor den Kommunal- und Regionalwahlen im nächsten Jahr will es sich Rajoys Volkspartei, die auch in Murcia regiert, nicht mit ihren treuen Wählern verderben.

Der Boom hat sich bis nach Afrika herumgesprochen. Die Salatköpfe und den Sellerie holen kaum noch Spanier aus dem hellen Boden. Früher arbeiteten dort vor allem Marokkaner. In den vergangenen Jahren kamen aber immer mehr Afrikaner dazu. Sie stammen aus Staaten südlich der Sahara. Für die kargen Löhne, die sie für ihre Knochenarbeit erhalten, riskierten viele auf dem Weg durch die Wüste und übers Mittelmeer ihr Leben.

Die kleinen Bauern, die früher die traditionellen Terrassen am Segura bewirtschafteten, können kaum noch mithalten. Ramon Navia setzt seit mehr als zwanzig Jahren auf Qualität. Der ausgebildete Agraringenieur aus der Nähe von Cartagena betreibt ökologische Landwirtschaft, auch wenn die Einkäufer der großen internationalen Supermarktketten anderes wollen. „Sie diktieren die Preise. Ihnen geht es um große Mengen, nicht um Qualität. Die Ware soll von außen gut aussehen und immer billiger sein“, sagt der Bio-Bauer, der auf sieben Hektar Salat und Sellerie anbaut, die er nach Deutschland, Schweden und Norwegen verkauft.

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