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Trockenheit in Spanien : Bis zum letzten Tropfen

„Wasser, das uns eint!“

Die Bauern am Tajo und am Segura lernten von den Römern und den Arabern, wie sie trotz weniger Niederschläge und trotz der Sommerhitze die Landschaft zum Blühen bringen können. Jahrhundertelang passten sich die Menschen ihrer Umgebung an. Aber nun hält die Natur nicht mehr mit dem Wachstum mit, das die Menschen von ihr erwarten. Für die Bauern an der Küste ist die Lösung einfach. „Sí a la trasvase“, lautet ihr Slogan („Ja zum Kanal“), den ihre Werbefachleute durch den Appell ergänzt haben: „Lasst uns alle den Garten Europas verteidigen! Wasser, das uns eint“. Gleichzeitig starteten sie im Internet eine Kampagne mit drastischen Bildern. Ohne Wasser drohten Wüste und Arbeitslosigkeit und es blühten bald nur noch Kakteen, hieß es dort.

Im März brachen mehr als 200 Busse aus dem Süden in die Hauptstadt Madrid auf. Erst verschenkten die Bauern Tausende Kilogramm Obst und Gemüse. Dann zogen sie vor das Landwirtschaftsministerium. „Wo ist unser Wasser?“, stand auf Plakaten geschrieben, die einige von ihnen hochhielten. Notfalls würden sie wieder nach Madrid kommen, wenn die Regierung keine Notlieferung aus dem Tajo oder mehr Wasser aus den Brunnen in ihrer Heimat genehmige.

Als er noch in der Opposition war, hatte die konservative Volkspartei (PP) des heutigen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy mit dem Slogan „Wasser für alle“ Wahlkampf gemacht. Heute ist politischer Streit über die knappe Ressource ausgebrochen. Rajoys Regierung will, dass die Wirtschaft nach der schweren Krise weiterwächst. Die landwirtschaftlichen Exporte und der Tourismus spielen dabei eine wichtige Rolle.

Die Bauern aus dem Süden nutzen dieses Argument, um zu begründen, warum sie weiterhin Vorrang haben sollten. Ihr Dachverband, das „Sindicato de Regantes de Murcia“, ließ eine Studie anfertigen, laut der die Umleitung des Tajo-Wassers knapp 2,4 Milliarden Euro zum spanischen Bruttoinlandsprodukt und zum Erhalt von mehr als 100.000 Arbeitsplätzen beiträgt. Nach Angaben der Produzenten ernten sie in der Gegend von Murcia, Almería und Alicante Obst und Gemüse im Wert von mehr als sechs Milliarden Euro, von dem sie einen großen Teil exportieren. In Murcia ist man stolz darauf, eine der größten Flotten von Kühllastwagen Europas zu besitzen.

Wasser aus den Brunnen salzhaltig

Doch das Geschäftsmodell beruht darauf, dass das Wasser aus den Bergen – großzügig subventioniert – nicht aufhört zu fließen. Trockenperioden gab es schon in der Vergangenheit. Dann griffen die Bauern stärker auf das Grundwasser zurück. Aber in letzter Zeit ist das Wasser aus den Brunnen immer salzhaltiger. An der Küste sind Entsalzungsanlagen entstanden. Sie benötigen jedoch viel Energie und der Kubikmeter ist bis zu sechs Mal so teuer wie der aus dem Tajo-Kanal. „Das kann nicht so weitergehen. Das Gebiet entlang des Segura-Flusses verbraucht zweieinhalb Mal so viel Wasser wie sie selbst produziert. Mehr als achtzig Prozent davon fließen in die Landwirtschaft. Das ist unverantwortlich“, sagt Pedro Luengo von der Umweltschutzorganisation „Ecologistas en Acción“ in Murcia.

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