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Trockenheit in Spanien : Bis zum letzten Tropfen

2017 war das heißeste und trockenste Jahr in ganz Spanien seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch wenn die Niederschläge der letzten Wochen eine Entspannung brachten, geben die Meteorologen für 2018 keine Entwarnung: Seit der Jahrtausendwende sind die Niederschläge in Spanien um rund ein Fünftel zurückgegangen. In der Provinz Murcia blieb es während der jüngsten Regenzeit viel trockener als in anderen Teilen des Landes. Dort sind viele Wasserspeicher zwar wieder ordentlich gefüllt. Aber sie reichten auch im vergangenen Sommer nicht lange, um den Durst zu stillen, der jedes Jahr größer wird.

50 Cent für den Kubikmeter Wasser

Und Bürgermeister Torrecilla würde wie die meisten Menschen in Sacedón dem Süden am liebsten „keinen Tropfen“ mehr abgeben. „Ohne den Kanal würde das Wasser hier reichen. In vier, fünf Jahren wären die Seen gefüllt, die Touristen kämen zurück und der Tajo würde wieder ein lebendiger Fluss wie früher“, sagt er. Es könne nicht sein, dass sie verarmten, während die Bauern im Süden mit ihrem Wasser immer reicher würden.

Vor sechs Jahren war der Entrepeñas-See zum letzten Mal bis knapp unter die Staumauer gefüllt war. Seitdem flossen 2173 Hektokubikmeter Wasser aus Kastilien die Plantagen bei Murcia – ein lukratives Geschäftsmodell. In Sacedón zahlen die Einwohner 50 Cent für den Kubikmeter Wasser. Im fast 400 Kilometer entfernten Murcia kostet den Bauern der Kubikmeter aus dem Tajo bisher zwölf Cent. Jedes Jahr wächst die Nachfrage nach dem Wasser, das es nicht mehr gibt. Der stolze Tajo verwandelt sich hinter den Ansaugrohren der Überleitung in ein trauriges Rinnsal. Früher strömte der Fluss unterhalb der mittelalterlichen Mauern an Toledo vorbei, trieb ein Kraftwerk und mehrere Mühlen an. Mittlerweile verwandelt er sich nicht nur im Sommer in eine stehende und stinkende Kloake. Das Wasser trägt Schaumkronen, an den Ufern haben sich Moskitos niedergelassen.

„Wenn das so weitergeht, ist der Fluss verloren“, befürchtet der Klimafachmann Jonathan Gómez Cantero. Er kann sich noch erinnern, wie früher die Menschen im Tajo badeten und angelten. Doch aus den Bergen bei Sacedón kommt immer weniger Wasser, während das Abwasser zunimmt, das sich aus dem Großraum von Madrid mit seinen sechs Millionen Einwohnern ergießt. Der Tajo, der fast keine Strömung mehr hat, wird nicht mehr damit fertig. Dazu kommt eine weitere Belastung. „Der Klimawandel hat Kastilien erreicht. Die Durchschnittstemperatur ist um rund ein Grad gestiegen“, sagt Jonathan Gómez Cantero, der im März sein zweites Buch über dieses Thema veröffentlicht hat. In Madrid gibt es immer noch Politiker, die das leugnen.

Über den Feldern zwischen Toledo und Aranjuez, der einstigen Sommerresidenz der spanischen Könige, zogen die Traktoren noch im Januar lange Staubwirbel hinter sich her. Aus der Region von Kastilien-La Mancha kommen bisher mehr als die Hälfte des spanischen Getreides und Weins. „Unsere Erträge sind in den vergangenen Jahren um sechzig Prozent zurückgegangen. Jetzt ist auch das wenige Tajo-Wasser so dreckig, das wir damit keine Tomaten mehr bewässern können“, schimpft ein Bauer. Im vergangenen Jahr ging der Winter gleich in den Sommer über, der bis in den November dauerte.

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