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Gerd Müller im F.A.Z-Gespräch : „Hunger ist Mord“

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Die deutsche Wirtschaft soll sich stärker in Afrika engagieren, um China Paroli zu bieten, fordert der Entwicklungsminister. Zudem will er Traktoren schicken. Und Afrika für die deutschen Genossenschaften begeistern.

          Die Bundesregierung fordert die deutsche Wirtschaft auf, deutlich mehr auf dem afrikanischen Kontinent Fuß zu fassen. ,,Gerade in der Landwirtschaft liegen für deutsche Unternehmen große Potenziale", sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) FAZ.NET und nannte als Beispiel den Export ,,robuster, leicht zu reparierender Traktoren".

          Zuletzt machte vor allem China mit Milliarden-Investitionen in Afrika von sich reden – die Volksrepublik kündigte erst kürzlich eine Investitionsoffensive für Afrika über umgerechnet 60 Milliarden Euro an. ,,Das muss ein Weckruf für die deutsche Wirtschaft und Europa sein", sagte Müller.

          Im Interview zum Welternährungstag an diesem Dienstag nannte Müller seine Ideen, wie der jüngste Trend zu steigendem globalen Hunger gestoppt werden könne. Seit drei Jahren steigt die Zahl der Hungernden auf der Welt– um 40 Millionen auf 821 Millionen Menschen.

          Genossenschaften statt Großbetriebe

          Großindustrielle Landwirtschaft sieht Müller nicht als Lösungsbeitrag gegen den Welthunger. Statt ,,Großinvestitionen, Großbetriebe und High-Tech-Maschinen" schlägt Müller für Afrika bäuerliche Kooperationen nach dem Vorbild deutscher Genossenschaften vor. ,,Die Bauern brauchen eine Entwicklung von unten, von den bäuerlichen Familien ausgehend", sagte der Minister, ,,das heißt: Stärkere Zusammenarbeit bei Anbau, Einkauf und Vermarktung."

          In den vergangenen Jahrzehnten gab es große Erfolge im Kampf gegen den Nahrungsmangel. Seit 1990 ging die Zahl der Hungernden auf der Welt um fast 200 Millionen Menschen zurück, obwohl seither mehr als zwei Milliarden Menschen zusätzlich auf dem Planeten leben. Dass sich der Anteil der Hungernden in Entwicklungsländern auf elf Prozent halbierte, nennt Gerd Müller einen großen Erfolg.

          Für die jüngst steigenden Zahlen sind Kriege und bewaffnete Konflikte, aber auch Missernten infolge des Klimawandels die Ursachen. ,,An der somalisch-äthiopischen Grenze hat es seit drei Jahren nicht geregnet", sagte Müller, ,,erst verdorren die Pflanzen, dann sterben die Tiere".

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