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Landwirtschaft in Afrika : Familie Ngosa und ihr Smartphone gründen eine Farm

Versuchen etwas Neues: Esther Negosa und ihr Vater Daniel. Bild: Jan Grossarth

In Afrika bringt das Smartphone die Landwirtschaft in den ärmsten Ländern in Schwung. Und die Agrarindustrie ins Spiel. Ein Ortstermin in Sambia.

          Fünfzehn Hektar Land im nördlichen Sambia. Mutundu heißt dieser dünn besiedelte Landstrich, dicht an der Grenze zu Kongo. Umgeben von dünnem Wald gibt es hier ein Kohl-Feld, ein Tomatenfeld, Hühner und ein Gewächshaus.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Es ist die Farm von Daniel Ngosa. Er ist ein früherer Ingenieur der Bergbauindustrie. Die meisten Ingenieure in den vielen Bergwerken des sogenannten Kupfergürtels kommen aus dem Ausland, weil es zu wenige sambische gibt. Sie kommen aus Südafrika, Indien, China oder Europa. Aber Daniel ist ein sambischer Ingenieur, und er verdiente damit deutlich mehr Geld, als die tausenden einfachen Minenarbeiter, die unter Tage Kupfererz aufsammeln.

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          Herr Ngosa bekam, als er vor wenigen Jahren in den Ruhestand ging, eine Abfindung. Er lebte damit nicht, wie die meisten Sambier, bis das Geld aufgebraucht ist und die Kinder die Unterstützung übernehmen. Er kaufte sich von dem Geld Land. Erst drei Hektar, dann einige mehr.

          16 000 Kwacha oder umgerechnet 1200 Euro kostete ihn das. ,,Heute könnte ich mir das Land nicht mehr leisten", sagt er, ,,es würde eine Million Kwacha kosten." Die Land- und Hauspreise in Sambia sind schwindelerregend angestiegen.

          Jetzt haben sie das Wissen

          Was ist geschehen? Warum ist das Land plötzlich so wertvoll? Das Internet ist angekommen. Und damit das Wissen. Das Wissen über die Knappheit von Land – nicht in Sambia, das dünn besiedelt ist, aber in den Nachbarländern wie Namibia, Tansania, vor allem in Südafrika. Das Wissen, dass die Weltbevölkerung und vor allen diejenige Afrikas wächst und wächst, das Land aber nicht. Auch ist das Wissen über produktivere Landwirtschaftsmethoden angekommen.

          Ngosa sitzt an seinem Smartphone. Er sagt: „Früher hätten wir nicht gewusst, was abgeht in der Welt. Heute wissen wir es. Überall auf der Welt wird Land knapp. Bauern werden vertrieben, Investoren wollen Land kaufen. Wir wissen jetzt, was unser Land in Sambia wert ist.“

          Farm-Idylle: Bald sollen 400 Bauern vom Fortschritt profitieren. Handarbeit ist in Ländern wie Sambia die Regel, so auch hier. Bilderstrecke

          Dann zeigt der Bauer Daniel, 52 Jahre alt, einige Filme von der Facebook-Seite seiner Farm, der Genossenschaft „Premier Green View Farm“. Wie er die Bauern der umliegenden Dörfer schulte. Wie sie lernen, mit Hybridsaatgut, Dünger und Fungiziden mehr zu ernten.

          Wie sie lernen über Tierkrankheiten und Hühnerhaltung. Am Beispiel dieses Hofs sieht man, wie der Wissenshunger zehntausender afrikanischer Kleinbauern plötzlich auf neuem Weg gestillt wird. Ein Smartphone in einer Gemeinde genügt. Das Smartphone ist in den meisten Dörfern Sambias, wo viele Millionen Kleinbauern leben, nicht nicht angekommen. Auch nicht in Nkolemfumu, dem Dorf, in dem diese Zeitung ein Jahr den Kleinbauern Felix Kangwa begleitete.

          Hier in Mutundu kann man sehen, was es Neues bringt. Und dass es mit dem Wohlstand kommt, den Rückkehrer aus den Städten oder der Bergbauindustrie einiges Tages in ihre Dörfer mitbringen. Daniel war früher in dieser Gegend Bergbauingenieur. Er arbeitete unter Tage, in der Dunkelheit und Hitze der Erde. ,,Manchmal", sagt er im Ernst, „vermisse ich den Lärm der Maschinen.“

          Mittelschichten lernen Bauer sein

          Von Landwirtschaft – einer Armeleute-Arbeit in Sambia – verstand er nichts, als er das Land dann besaß. Er lernte die Landwirtschaft nicht vom Staat oder von westlichen Entwicklungshelfern. Er lernte sie in Schulungen vom chinesisch-schweizerischen Agrarchemiekonzern Syngenta. Das war in Lusaka, der Hauptstadt. Da lernten auch sonst nicht nur Bauern Landwirtschaft – es waren frühere  Ingenieure wie Daniel, ältere Lehrer, pensionierte Krankenschwestern.

          Es ist, spürte man, eine neue Lust aufs Land da. Ausgerechnet bei denen, die nicht als Kleinbauern groß wurden. Und die Industrie weiß, diese Landlust zu nutzen. Syngenta baut in Afrika, mit Hilfe von Alt- und Neu-Bauern wie Daniel, Schulungsnetzwerke auf.

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