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Landwirtschaft in Afrika : Familie Ngosa und ihr Smartphone gründen eine Farm

  • -Aktualisiert am

So erzählt es Daniel: Er bekam anfangs ein dreiwöchiges Landwirtschaftstraining. Und so er das Wissen nun an Kleinbauern weiterträgt, erhält seine Farm auch Unterstützung von dem Konzern, wie auch vom amerikanischen Hilfsdienst US Aid. Und ein kleines Motorrad, mit dem Aufdruck Syngenta, das steht auch auf der „Premier Green View Farm“.

Auch der Kredit ist wichtig

Die Ernten steigen, alles wächst. Und so erschließt sich auch die Agrarindustrie der entwickelten Welt Afrikas Kleinbauernwelt. Das Wissen der Bauern allein nützt noch wenig. Sie brauchen schnell wachsende, ertragreiche Hybridsaaten. Die müssen Mal für Mal nachgekauft werden. Sie brauchen, damit die Vorteile fruchten, Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel. Dafür erhalten sie über Daniel – und dieser über seine Finanziers – Kredite. „Es läuft gut, sie zahlen das schnell zurück“, sagt der Farm-Manager.

Die Farm läuft so gut, dass sogar Daniels Tochter Rachel jetzt auch eingestiegen ist. Sie lebte zuvor in Lusaka, in der hunderte Kilometer entfernten Hauptstadt. Sie studierte BWL. Aber die Mieten in der Stadt sind teuer, dachte sie, und Landwirtschaft hat Zukunft, also gehe ich zurück aufs Land. Sie macht die Buchhaltung, überprüft, ob Kredite zurückgezahlt wurden. Ihr Mann und ihr Sohn, die leben meist aber noch in der fernen Hauptstadt.

Träume vom Export

„Vor einigen Jahren kamen fast alle frischen Lebensmittel in den Supermärkten aus dem Ausland, jetzt kommen sie aus Sambia„, sagt Rachel. ,,Wir wollen aber unser Essen selbst erzeugen. Das motiviert mich" Und sie will es exportieren – in die Nachbarländer, die mit weniger Land und Wasser auskommen müssen: „Nach Angola, Kongo, Namibia“, sagt sie.

Wie genau kann die Produktivität steigen? Was sind die Risiken? Bewässerung ist wichtig, hier funktioniert die einfach mittels zweier großer Plastik-Sammelbecken, die auf einem Hügel stehen. Die wichtigste neue Idee aber lautet: Arbeitsteilung. Daniel verkauft überwiegend Setzlinge, mehrere Tage oder Wochen alte Junggemüse.

Andere Bauern kaufen sie und versorgen sie bis zur Ernte. Daniel hat spezielle Setzlings-Erde, er zieht die Jungpflanzen in Styroporpaletten im geschützten Gewächshaus. Wenn die Junggemüse so gute Startbedingungen haben, wachsen sie auch später schneller und es gibt größere und frühere Ernten.

Abhängigkeit von der Chemie steigt

Aber es gibt Nachteile, vor allem die Abhängigkeit von den Betriebsmitteln, ohne die es keinen Fortschritt gibt. Die schnellwachsenden Samen brauchen viel Dünger. „Und sie sind empfindlicher als die alten Sorten, das merkt man“, sagt Daniel. Die Folge, in dieser im Spätherbst schwül-warmen Gegend: Oft müssen sie Chemikalien gegen Pilzbefall und Schädlinge spitzen, „ehrlich gesagt ein Mal in der Woche“.

Der Hof, der so idyllisch und nach einem europäischen Bauernhof der vorletzten Jahrhundertwende aussieht, ist ein wachsender, durchkalkulierter Betrieb. Sie bauen Gemüse an, weil das die höheren Renditen bringt. Ein Betonbecken steht neu da, hier sollen bald Zuchtfische wachsen.

Setzlinge auf Facebook

Sie verkaufen Setzlinge auf Facebook, auch Hühner. Die Küken werden in einer Brutanlage groß, die Daniel selbst gebastelt hat, aus einem alten Kühlschrank. Immer mehr Kleinbauern nehmen die Setzlinge und Küken von dieser Farm ab. „Wir werden in den nächsten Jahren auf 400 Bauern wachsen", sagt der Grüner, „jetzt sind es 30.“

Als er hört, dass der deutsche Bauer Axel Dettweiler, den diese Zeitung ebenfalls über ein Jahr begleitete, nach vielen Jahren erfolgreicher Hochleistung-Landwirtschaft an einer Depression litt, und dass es wohl vielen in Europa so gehe, da lächelt Daniel Ngosa. „Wir haben hier in Sambia keine mentalen Erkrankungen, das kommt aber langsam.“ Seiner Tochter Rachel war das Stadtleben in jedem Fall zu teuer und hektisch. ,,Ich glaube, das Leben hier ist besser." Auch sie leidet noch nicht an Burn-Out.

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