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Fairer Handel : Fairtrade? Bio? Für viele Kaffeebauern sind die Siegel ein Unglück

  • -Aktualisiert am

Beide Gruppen hatten nämlich große Ernteeinbußen zu beklagen. „Werden weniger Pestizide eingesetzt, ohne dass biologische Alternativen ausreichend eingesetzt werden, kommt es zu Ernteausfällen. Der höhere Preis für den Kaffee ist dann ein schwacher Trost“, so der Münsteraner Professor.

Hinzu kommt eine für die Bauern riskante Spezialisierung. Wer in die teure Zertifizierung investiert, setzt oftmals voll und ganz auf die Kaffeebohne. Dadurch allerdings sind zertifizierte Bauern von Missernten oder niedrigen Kaffeepreisen vergleichsweise stark betroffen.

Ein weiterer Mangel: Die Kontrollen sind selten. „Wenn von einer Kooperative von tausend Bauern, jährlich 25 – mit Ankündigung – kontrolliert werden, ist das wenig effektiv. Bei Verstößen dürfen die Bauern außerdem in der Regel nachbessern und haben keine Sanktionen zu befürchten“, fasst der Wissenschaftler Thomas Dietz zusammen. Umetikettierung von konventionellen Produkten kommt im Vergleich zu anderen Landwirtschaftsprodukten selten vor. Schließlich übersteigt das Angebot von zertifiziertem Kaffee die Nachfrage. Häufig wird daher sogar zertifizierter Kaffee als konventioneller verkauft. „Letztendlich fehlt so das Geld für einen wirklichen Umbau des Kaffeesektors“, sagt Dietz.

Verarbeitung in Afrika?

Den Markt umbauen wollen auch die zahlreichen lokalen Anbauinitiativen – mittels lokaler Verarbeitung. Der ruandische Kaffee „Angelique’s Finest“ etwa wird, vom Anbau über die Röstung bis hin zur Verpackung, von Frauen im Anbauland produziert – eine Seltenheit. Der meiste Kaffee wird seit jeher nach Deutschland verschifft und hier geröstet.

Damit entsteht hier ein großer Anteil der Wertschöpfung. Deutschland ist nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Kaffeeimporteur der Welt. Die hiesigen Röstereien konnten sich auch wegen staatlicher Subventionen etablieren. Lange Zeit entfielen auf die Einfuhr von Rohkaffee weniger Steuern als auf gemahlenen Kaffee. Immer noch ist es für Anbauländer schwer, mit den modernisierten Röstereien und ihrem gewachsenen Netz von Geschäftsbeziehungen zu konkurrieren.

Ein anderer Grund dafür, dass unser Kaffee in Deutschland geröstet wird, und nicht in den Produktionsländern, ist das flüchtige Kaffeearoma. Gemahlener Kaffee verliert diesen schneller auf der langen Reise, weshalb er weniger lang haltbar ist als Rohkaffee. Von den Anbauländern aus gerösteten Kaffee zu exportieren ist demnach schwierig – doch das ist kein Grund, nicht vor Ort zu rösten, weiß Paul Maier: „In Brasilien verlässt der beste Kaffee schon gar nicht mehr das Land, sondern wird in den Kaffeespezialitäten-Shops in den großen Städten getrunken.

Diese Entwicklung könnte auch in Ostafrika eintreten. Langfristig wollen auch wir in Tansania eine Rösterei aufbauen.“ Direktvermarktung und Siegel sind keine Versicherungen, dass bei den Bauern ein fairer Anteil der Wertschöpfung ankommt. Was muss sich ändern? „Wir brauchen mehr Regulierung von der Politik, Geld von der Industrie und Druck von der Zivilgesellschaft“, sagt Dietz. „Nichtregierungsorganisation wie Oxfam waren in den Neunzigern stark auf Kaffee fokussiert, suchten sich dann aber andere Themen. Scheinbar ist das Thema für die Zivilgesellschaft etwas aus der Mode gekommen.“

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