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Trockenheit in Deutschland : Die Katastrophenzone reicht bis nach Niedersachsen

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Im Wintersheim war die Ernte früh und golden: Impressionen aus der ersten Juliwoche – vom Feld des Ackerbauern Axel Dettweiler Bild: Wolfgang Eilmes

Bis zur Hälfte ihrer Ernte büßen Bauern von Ostwestfalen bis Vorpommern durch die extreme Trockenheit ein. Das Tierfutter werde nicht über den Winter reichen, sagen sie. Doch sieht es überall schlimm aus?

          Der Bauer Axel Dettweiler hat die Ernte schon hinter sich. Jetzt macht er eine Woche Urlaub in Schweden – ein lange geplanter Familienurlaub, der eigentlich vor Beginn der Ernte hatte stattfinden sollen. Die Ernte ging also viel zu früh über die Bühne: Wegen des heißen, trockenen Frühlings und Frühsommers sind Weizen, Gerste, Erbsen und Wintergerste rund drei Wochen eher als gewöhnlich gereift. Und trotz des heißen Sommers sagt Dettweiler: „Es war eine gute Durchschnittsernte.“

          Der Ackerbauer, den die F.A.Z. gemeinsam mit einem afrikanischen Kleinbauern aus Sambia über ein Jahr begleitet, hat seine Felder in Rheinhessen, zwischen Mainz und Worms. Hier fällt meistens weniger Regen als in anderen Teilen Deutschlands, und der Bauer ist schon mit seinen acht oder neun Tonnen Getreide je Hektar zufrieden. Man könnte meinen, Bauern wie Dettweiler seien in Deutschland derzeit die Ausnahme. Denn die Schlagzeilen sind voll mit Schlagwörtern wie der Jahrhundertdürre und Totalausfällen. Die gibt es auch, aber vor allem im Norden und Nordosten Deutschlands.

          Während es im Süden, Südosten und der Mitte Deutschlands immer wieder Niederschläge gab, war es in Brandenburg oder Schleswig-Holstein stellenweise über viele Wochen trocken und heiß. Sind die Böden humusreich und lehmig, mag das kein Problem darstellen – die Ausfälle sind dort dramatisch, wo ein sandiger Boden und Getreideanbau zusammenfinden.

          „Katastrophenzone“ reicht bis Ostwestfalen

          Derweil ließ sich der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, in der vergangenen Woche nicht ohne Grund auf einem nordostdeutschen Agrarbetrieb im mageren Kornfeld filmen, um auf die dramatische Lage der Ackerbauern, deren Existenzbedrohung und angeblich notwendige Staatshilfen hinzuweisen. Es gebe teils Totalausfälle der Ernte, hieß es. Doch das Alarmschlagen gehört zum Geschäft. In fast jedem Jahr gibt es schließlich irgendwo in Deutschland Missernten infolge von frühem Frost, sommerlichen Dauerregen oder eben Trockenperioden. In der Tat nehmen die Extremwetterereignisse zu. So dramatisch wie in Teilen des Nordostens ist die Lage nicht für die Gesamtheit der Bauern. Der Deutsche Bauernverband erwartet für ganz Deutschland eine Getreideernte von 41 Millionen Tonnen, rund sieben Tonnen unter dem Fünfjahresschnitt.

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          Die „Katastrophenzone“ reicht bis nach Ostwestfalen und ins östliche Niedersachsen. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband teilte mit, die Landwirte „sorgen sich um eine ausreichende Futterversorgung für den kommenden Winter“. Die Getreideernten würden um 20 bis 30 Prozent zurückgehen, auch Gras werde knapp. Wegen der „sich abzeichnenden Notlage“ müsste die Politik ökologische Stilllegungsflächen ausnahmsweise zur Mahd freigeben. Wie zuvor in Sachsen-Anhalt müsse das Land die Finanzämter anweisen, Steuerstundungsanträge schneller zu bearbeiten.

          Landwirtschaft  ist nicht auf Klimawandel vorbereitet

          Je weiter nördlich, desto später die Ernte. Im Oberhavelkreis etwa dauert die Ernte noch an. „Es ist ein besonders schlechtes Jahr für das Getreide, eigentlich schon das dritte Jahr in Folge“, sagte die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Oberhavel, Heidemarie Scholze, der „Märkischen Oderzeitung“. Im vergangenen Jahr sei wegen Nässe teilweise gar kein brauchbares Getreide geerntet worden. Die anhaltenden Bilder von kniehohem, notreifem Getreide und mageren Ähren veranlassten nun jedenfalls nicht nur die Bauern zum Hilferuf, sondern auch pessimistische Agrar-Intellektuelle.

          In biblischer Bildsprache sah etwa Wilfried Bommert, ein Autor und Gründer der kleinen Denkfabrik „Institut für Welternährung“, magere Jahre kommen. Es handle sich nicht um einen „Ausrutscher der Natur“, sondern um den Klimawandel. Auf diesen sei „unsere Landwirtschaft bisher noch nicht einmal in Ansätzen vorbereitet“. Das System aus Hochleistungspflanzen und Monokulturen sei nicht anpassungsfähig. Ähnlich sieht es der von der Trockenheit betroffene Agrarier Benedikt Bösel.

          Auch wenn die Wetterextreme einzelne Regionen zunehmend treffen, so steigen doch die Ernten auf der ganzen Welt von Jahr zu Jahr. Ein Indikator dafür sind die Preise. So ist der Lebensmittelpreisindex der Weltagrarorganisation FAO im Juli gefallen. Und der Bauernverband beklagt die niedrigen Marktpreise.

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