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Ein Bauer erklärt : „Das wird hier bald Wüste“

Lächelt nett, hat aber Angst, dass Brandenburg bald Wüste ist: Bauer Benedikt Bösel Bild: Foto privat

Die Ernte ist mager. Weil der Regen ausfiel – aber auch, weil die Böden am Ende sind. Sagt ein Bauer aus Brandenburg, der neue Methoden sucht.

          Herr Bösel, Sie bewirtschaften 1100 Hektar Acker- und Grünland in Brandenburg. Wie geht es den Pflanzen, wann hat es zuletzt geregnet?

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Es regnet jetzt, zum ersten Mal seit neun Wochen. Und es soll zwei weitere Tage regnen. Aber das kommt zu spät. Wir ernten jetzt den Dinkel und dann Weizen, Hafer und Lupinen; Gerste und Roggen sind geerntet.

          Der Sommer war extrem. Wir haben 40 Prozent weniger Dinkel und 35 Prozent weniger Roggen und Wintergerste. Schon das letzte Jahr war schlecht. Für die Bäume und Böden ist der Regen gut. Die Eichen hatten wegen der Trockenheit allerdings schon im Frühjahr die Eicheln abgeworfen.

          Kommen solch lange Trockenperioden häufiger vor als früher?

          Ich habe den Betrieb ja erst vor zwei Jahren übernommen. Unsere Mitarbeiter, die teils seit vierzig Jahren hier sind, sagen: eindeutig ja. Die Verteilung der Niederschläge hat sich geändert. Es regnet Wochen nicht und dann so viel, dass der Boden das Wasser nicht aufnehmen kann. Aber das liegt auch an den Böden.

          Was ist mit den Böden passiert?

          Viele Jahrzehnte wurden sie extrem intensiv bewirtschaftet. Kurzfristig höhere Erträge wurden so mit einem Verlust an Bodenleben erkauft. Es gibt weniger Mikroorganismen, Würmer, Wurzeln, die Böden versanden. Sie halten weniger Wasser. Wenn wir unsere Landwirtschaft nicht ändern, ist hier in 15 Jahren Wüste.

          Ist das Ihre Sicht als Biobauer – oder sagen das Ihre Nachbarn auch?

          Die merken auch, dass sich etwas ändern muss. Die konventionellen Ackerbauern sind von der Trockenheit teilweise noch stärker betroffen. Sie düngen mehr Stickstoff, die Zellwände der Pflanzen werden dadurch weicher, und die Pflanzen sind noch anfälliger gegen Trockenheit und Krankheiten.

          Auch in den Vereinigten Staaten gibt es ein Umdenken. Die Farmer haben dort dieselben Probleme. Immer mehr versuchen sich an regenerativer Landwirtschaft, die die Gesundheit des Bodens erhalten will.

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          Wie geht das?

          Man muss das passende Anbausystem für seinen Standort finden. Es ist für einen Landwirt sehr schwierig, sich neben dem Tagesgeschäft noch Gedanken über all die ökologischen Zusammenhänge zu machen und nach Lösungen zu suchen. Man braucht Partner. Wir arbeiten daran mit Experten von der Uni Cottbus, dem Nabu Brandenburg und dem Bauernverband Südbrandenburg sowie anderen Landwirten.

          Es lohnt sich, für unsere Trockenregion über Agroforstsysteme nachzudenken, also den Getreideanbau unter Bäumen, die Schatten spenden. Die Wurzeln erhalten den Boden und erhöhen seine Fähigkeit, Wasser aufzunehmen. Wir denken über Brombeeren nach, Äpfel, Nüsse und Dutzende Strauch- und Baumarten.

          Wenn Brandenburg zur Wüste würde, kämen auch Wüstenpflanzen infrage: Hirse, Aloe?

          Es ist nicht einfach, auf ganz neue Feldfrüchte umzustellen. Man braucht Zugang zu den Märkten und Abnehmer. Durch industrielle Verfahren werden immer mehr erdölbasierte Stoffe durch pflanzliche ersetzt werden, das erweitert das Spektrum – zum Beispiel auf Weißdorn oder Hanf, welche etwa in der Pharmaindustrie verwendet werden können.

          Können Sie die Ernteausfälle dieses Sommers wirtschaftlich verkraften?

          Wir können das wegstecken, wir werden nicht pleite sein. Aber die wichtigere Frage ist doch: Wie geht es langfristig weiter?

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