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Dünger gegen Welthunger : Urin macht satt

Nutzt kein Urin für die Düngung seiner Maisfelder: Kleinbauer Felx Kangwa in Nkolemfumu, nördliches Sambia.

So weit die Theorie. Ob ihre Lösung aber auch praxistauglich ist? Das haben die Stockholmer in einem Langzeitprojekt im ländlichen Burkina Faso getestet, einer der ärmsten Regionen der Welt, wo nur sieben Prozent der Bevölkerung überhaupt Zugang zur verbesserten Sanitätsversorgung hat. In Zusammenarbeit mit der EU haben sie dafür im Jahr 2002 für rund 10 000 Familien in 44 Gemeinden Trenntoiletten errichtet.

Hoffnungen in das Projekt waren groß, würden sich doch im Idealfall die hygienischen Verhältnisse verbessern und zugleich der Ernteertrag steigen. Und das zu überschaubaren Kosten von 150 bis 200 Euro je Toilette. Eine wesentliche Aufgabe der Forscher bestand deshalb auch darin, die Bevölkerung über den Nutzen der Anlagen aufzuklären - und sie davon zu überzeugen, nur noch auf die neuen WCs zu gehen.

Aufklärung ist entscheidend für den Erfolg

Als die Stockholmer Wissenschaftler nach zehn Jahren nun eine Bilanz zogen, waren sie von der Resonanz in der Bevölkerung verblüfft. Denn: Mit der Betonung der hygienischen Vorzüge der neuen Toiletten hatten sie nicht allzu viel erreicht. Zwar brachte es einige Menschen dazu, die sanitären Anlagen in ihrem Alltag zu nutzen. Aber erstens blieb doch fast die Hälfte bei den Sickergruben, und zweitens wurden die Anlagen oft nicht ordnungsgemäß gewartet.

Ganz anders sah es dagegen aus, wenn die Einheimischen den landwirtschaftlichen Nutzen der Systeme kannten. Nicht nur suchte die Bevölkerung die neuen stillen Örtchen danach deutlich öfter auf. Auch leerten sie die Anlagen öfter und setzten im Anschluss die gesammelten Nährstoffe auch häufiger in der Landwirtschaft ein. ,,Aufklärung ist daher entscheidend für den Erfolg der Technologie“, meint Umweltingenieur Andersson.

Umgewöhnung fällt schwer

Die Forscher glauben daran, dass sich Trenntoiletten gerade in Ländern wie Burkina Faso durchsetzen könnten. Erstens sei das Bewusstsein in der Bevölkerung groß, dass etwas getan werden müsse, um den Ernteertrag nachhaltig zu erhöhen. Vor allem aber sei von Vorteil, dass sich die Menschen dort nicht von Toiletten mit Wasserspülung umgewöhnen müssten.

,,Haben sich die Menschen erst einmal an scheinbar hygienischere Spültoiletten mit Wasser gewöhnt, fällt die Umstellung auf das wasserlose System deutlich schwerer", sagt Andersson. Zumal es mit Blick auf Nachhaltigkeit unsinnig wäre, bestehende Infrastruktur herauszureißen und zu ersetzen. ,,Sinn macht es also gerade dort, wo man sowieso neu baut.“

Aufbereitung erhöht die Akzeptanz

Auch an der ETH Zürich forscht man über den landwirtschaftlichen Nutzen des Urins. Johan Six, Professor für nachhaltigen Landbau, erfuhr in Südafrika, dass die Bauern und ihre Nachbarn menschlichen Urin als Dünger dann akzeptieren, wenn es maschinell nitriert worden sei; damit verarbeitet und geruchlos.

Menschlicher Urin müsste nachhaltige Landwirtschaft aber auch weltweit wieder verwendet werden, sagte er im Sommer der F.A.Z. Schließlich enthält es den wertvollen Harnstoff, der sonst chemisch synthetisiert werden muss. Und Felix Kangwa, der Kleinbauer, den diese Zeitung ein Jahr lang in seiner Hoffnung auf wachsende Ernten begleitete? Er düngt nicht mit Urin. Die Fäkalien des gesamten Dorfes Nkolemfumu verschwinden ungenutzt in den Sickergruben.

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