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Die Weltreise der Bio-Lebensmittel auf unserem Teller

Von BENJAMIN FISCHER
Foto: dpa

02.08.2018 · Unsere Bio-Tomaten lassen den Wasserpegel in Andalusien sinken. Das Futter für unsere Bio-Kühe kommt aus der Ukraine. Über die neue globale Arbeitsteilung der Ökobranche.

I m Frühjahr war Nürnberg einmal mehr die Stadt der Rekorde. Zu verdanken hatte sie das der größten Bio-Lebensmittelmesse der Welt, Biofach. Mehr Aussteller, mehr Fläche und mehr vertretene Nationen denn je. Aufhorchen ließ diese Zahl: Zum ersten Mal gaben deutsche Verbraucher mehr als 10 Milliarden Euro für Bio-Produkte aus. Mit Blick auf den gesamten Lebensmittelmarkt – 200 Milliarden Euro – ist das noch nicht viel. Doch die rasante Entwicklung der Ökobranche sucht ihresgleichen. Acht Jahre zuvor lag der Umsatz in Deutschland bei 6,6 Milliarden Euro.

Die Zeiten, in denen Bio belächelt wurde, sind Geschichte. Ganz gleich ob exotischer Aufstrich, Müsli mit Superfoods oder die schnelle Fertigmahlzeit für zwischendurch: Ein stattliches Bio-Angebot führt mittlerweile jeder Supermarkt. Angetreten waren die Bio-Pioniere einmal mit dem Anspruch, eine umweltschonende Alternative zur Massenware der Lebensmittelindustrie, zu riesigen Ställen und langen Transportwegen zu bieten. Heute ist Bio selbst ein globaler Markt mit all seinen Tücken. Von alten Idealen lebt der gute Bio-Ruf freilich weiterhin – doch bisweilen werden die ganz schön strapaziert.

Das offenbart ein grundsätzliches Paradoxon. Laut dem Ökobarometer des Bundeslandwirtschaftsministeriums schätzen die Deutschen an Bio-Lebensmitteln besonders die regionale Herkunft – welche auch den Pionieren wichtig war. Doch der Hunger der Deutschen übersteigt bei weitem, was die heimischen Bauern produzieren. Und da die Verbraucher das ganze Jahr über prallgefüllte Regale noch mehr schätzen als regionale Produkte, boomt mit der Bio-Branche auch der Import.

Satte 95 Prozent der Bio-Paprika auf dem deutschen Markt kommen zum Beispiel aus dem Ausland, bei Tomaten beträgt der Anteil 88 Prozent, 69 Prozent sind es bei Zucchini, wie eine Auswertung des Branchendienstes AMI zeigt. Gut jede zweite Möhre und jede dritte Kartoffel, die hierzulande in Bio-Qualität verkauft wird, ist im Ausland gewachsen. Diese Liste ließe sich noch lange fortführen. Hinzu kommen jene Produkte, die in wärmeren Gefilden reifen. Auch Bananen, Mangos oder Avocados wollen die Verbraucher in Bio-Qualität haben. Selbst die Bio-Milchproduktion reicht nicht aus, um den deutschen Markt abzudecken. Fachleute rechnen zwar damit, dass 2018 die Marke von einer Milliarde Kilogramm Bio-Milch geknackt wird. Trotzdem kommt weiterhin rund ein Viertel aus Dänemark und Österreich. Die bekannte Bio-Molkerei Andechser lässt einen Teil ihrer Käseprodukte in Salzburg herstellen.

Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Mit diesem Problem steht Deutschland nicht allein da. Ganz gleich ob Frankreich, Schweden oder Amerika: In den wirtschaftlich starken Ländern greifen die Verbraucher liebend gern zu mehr Bio, als die Bauern im Land produzieren. In Italien, Spanien oder China ist der Pro-Kopf-Umsatz dagegen mau. Der Bio-Hunger der anderen aber hat sich für diese als prächtiges Geschäftsmodell entpuppt: Bio-Paprika, Zucchini und Tomaten wachsen zuhauf in Spanien, Italien und Marokko. Ägypten liefert tonnenweise Kartoffeln, Äpfel stammen im Sommer bisweilen aus Argentinien, während Sonnenblumenkerne für Brötchen oder Aufstriche aus China importiert werden. Der Westen konsumiert, die Welt produziert.


„Auch auf Bio-Ware kann man sitzenbleiben“
UDO BÜRK, zuständig für Qualitätssicherung bei Biotropic

Zwei Unternehmen, die kaum einer kennt, sind verantwortlich dafür, dass bei Rewe, Aldi oder der Bio-Kette Alnatura Tag für Tag frisches Bio-Gemüse auf sie wartet: Biotropic und Eosta. Sie fungieren als Bindeglied zwischen dem Kleinbauer in Südamerika und dem Supermarkt in der deutschen Kleinstadt. Biotropic hat seinen Hauptsitz in Duisburg. Angefangen habe man mit dem Import von Bananen aus der Dominikanischen Republik, sagt Udo Bürk, zuständig für Qualitätssicherung. Heute handelt das Unternehmen mit Obst und Gemüse aus aller Welt. Gut 90 Prozent der Waren kommt nie in Duisburg an. „Der Großteil wird von den Umschlagplätzen an den Groß- oder Einzelhandel weitergeleitet“, so Bürk. Biotropic hat Büros im südfranzösischen Perpignan, wo die Fracht aus Nord- und Westafrika eintrifft – und in Europas wichtigstem Hafen Rotterdam. Der Mitbewerber Eosta operiert aus dem nahe liegenden Waddinxveen und hat somit einen engen Draht zum niederländischen Gewächshausanbau von Bio-Gemüse. Wichtiger für das Unternehmen sind aber Südfrüchte. Hier sei Eosta Marktführer, so Gründer Volkert Engelsmann.


„Wir wollen dem zunehmenden Preisdruck nicht nachgeben“
JOSEPH WILHELM, Gründer der Bio-Marke „Rapunzel“

Auf 100 Millionen Euro belief sich 2016 der Umsatz von Eosta. Biotropic kam auf gut 70 Millionen, Tendenz steigend. Zum Vergleich: Eine Milliarde Euro hat allein Rewe 2016 mit Bio-Produkten umgesetzt. Bei den Discountern wächst das Bio-Sortiment stetig. Die hochpreisigere Biomarktkette Alnatura ist nicht gewillt, den Massenmarkt bereitwillig der Konkurrenz aus dem Lebensmitteleinzelhandel zu überlassen. Geführt wird der Kampf auch außerhalb des Ladens: Lidl etwa geht auf Partnerlandwirte zu und fordert neben konventioneller auch Bio-Ware, während Alnatura Bauern Umstellungsprämien zahlt, verknüpft mit der Bedingung, nur an die eigenen Läden zu liefern. Es scheint, als könne es gar nicht genug Ware geben. Doch das entpuppt sich schnell als Trugschluss.

Joseph Wilhelm, „Rapunzel“-Gründer Foto: dpa

„Auch auf Bio-Ware kann man sitzenbleiben“, sagt Udo Bürk. Ein Zucchini-Produzent in Marokko etwa müsse versuchen, seine Produktion möglichst gut mit der in Italien und Spanien abzugleichen. Wettereinflüsse, eine überraschend gute oder schlechte Ernte und technische Innovationen können die Lieferkette ins Wanken bringen. Zum Beispiel: Äpfel lassen sich immer länger lagern. Ist die Ernte hoch, dann liegen mittlerweile bis in den Sommer hinein Äpfel aus europäischen Gefilden in den deutschen Geschäften. Der Biobauer in Argentinien hat das Nachsehen.

Auch Joseph Wilhelm kann rechnen. Zum hart kalkulierenden Lebensmitteleinzelhandel bleibt er trotzdem auf Distanz. Der 64 Jahre alte Bayer ist ein bekanntes Gesicht in der Bio-Branche. Vor mehr als 40 Jahren hat er Rapunzel gegründet. Mittlerweile gehört das Unternehmen aus dem Allgäu mit seinen Aufstrichen, Müslis und Trockenfrüchten zu den führenden Bio-Marken Europas. Zu kaufen gibt es die aber bloß im Fachhandel – und der Pionier hat keine Ambitionen, daran etwas zu ändern. „Wir wollen dem zunehmenden Preisdruck nicht nachgeben“, sagt Wilhelm. Auch mit Großhändlern arbeitet Rapunzel nicht zusammen. Die Anonymität missfalle ihm, sagt Wilhelm: „95 Prozent unserer Produzenten kennen wir persönlich.“ Obendrein garantiert Rapunzel den Bauern alles, was sie ernten, auch abzunehmen. Überschüssige Rohware verkauft man weiter; das alles in großem Stil. Aus 35 Ländern bezieht Rapunzel Waren, die Produkte der Bayern gibt es in 32 Ländern zu kaufen. 2016 standen 185 Millionen Euro Umsatz zu Buche.

Wie Rapunzel arbeitet, lässt sich am besten im türkischen Izmir beobachten. Die Türkei ist weltweit die Nummer eins in Sachen Haselnüssen, auch viele Trockenfrüchte von Rapunzel stammen hierher. Anfangs habe man mit türkischen Exporteuren zusammengearbeitet, erzählt Wilhelm. Doch das lief nicht reibungslos. Die Konsequenz: Rapunzel errichtete ein eigenes Verarbeitungszentrum vor Ort. Das Ziel sei es, die Ware so schnell wie möglich vom Landwirt in eigene Hände zu kriegen und die Qualität selbst zu prüfen, erklärt Wilhelm. Die Maßnahme verdeutlicht eines der Kernprobleme des Bio-Marktes: Die Verbraucher kaufen mit den Bio-Produkten das Versprechen, dass wirklich nur drin ist, was das Siegel erlaubt. Denn der Boom lockt auch Betrüger an, und Misstrauen ist Gift fürs Geschäft.

„D as Risiko, schlechte Produkte aus Drittländern zu bekommen, ist größer als bei europäischen“, sagt Jochen Neuendorff, Leiter der Gesellschaft für Ressourcenschutz, die in Deutschland 1422 Bio-Landwirte überprüft. Drittland ist nicht gleich Drittland. Die EU hat zwei Systeme für die Einfuhr von Bio-Produkten. Importe aus Amerika, Israel und zehn anderen Staaten gehen relativ einfach von statten, da deren Bio-Standards weitestgehend anerkannt werden. In anderen Drittländern kontrollieren von der EU zertifizierte Stellen die Einhaltung der Richtlinien und vergeben das begehrte EU-Bio-Siegel. Doch deren Qualität lässt bisweilen zu wünschen übrig. „In diesen Ländern wird eher lasch kontrolliert“, sagt Neuendorff.

Oftmals seien die Mitarbeiter schlecht ausgebildet, und die EU tut sich schwer, die Arbeit der Stellen in Afrika oder Südamerika zu prüfen. Immer wieder gibt es Berichte über unerlaubte Pestizidrückstände oder Vermischung mit konventioneller Ware. Hinzu kommt: Wo ohnehin die Korruption grassiert, macht sie nur selten vor dem lukrativen Bio-Sektor halt. Für die Importeure bedeutet das eine Menge Mehrarbeit. Denn nur auf die Prüfstellen verlässt sich keiner. „Wir haben eigene Agraringenieure in Afrika, Süd- und Mittelamerika sowie Südeuropa, die permanent auf den Feldern unterwegs sind“, sagt Udo Bürk von Biotropic. Die Kontrollen vor Ort hält er nicht für schlecht. Doch dürften die Prüfer die Bauer eben nicht beraten. Dabei brauchten die oft vor allem genau das: Hilfe. „Wenn vor der Umstellung bei einem Schädlingsbefall einfach die Pestizide ausgepackt wurden, muss ein Landwirt jetzt andere Wege finden“, so Bürk. Da sei auch der Großhändler gefragt. Oft geht es um Grundlagen wie den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit.


„Das Risiko, schlechte Produkte aus Drittländern zu bekommen, ist größer als bei europäischen“
JOCHEN NEUENDORFF, Leiter der Gesellschaft für Ressourcenschutz

Der Bio-Boom im Westen kommt so auch den Entwicklungsländern zugute, sagt der Agrarökonom Ulrich Hamm von der Uni Kassel: „Die Bauern erzielen höhere Preise und schonen gleichzeitig die Umwelt.“ Viele Kleinbauern könnten sich Pestizide eigentlich nicht leisten und müssten sich dafür verschulden. In Ländern mit hoher Analphabetenrate sei obendrein kaum zu gewährleisten, dass die Chemikalien sachgerecht eingesetzt und entsorgt würden. Nimmt ein Bio-Landwirt es mit den Richtlinien locker, kann er schnell die Quittung bekommen. In der Vergangenheit wurden etwa auf Kartoffeln aus Ägypten Rückstände verbotener Mittel entdeckt und die Produzenten ausgelistet.

Wer Lücken im System sucht, findet sie auch innerhalb der EU. Vor wenigen Jahren rügte die Kommission Rumänien und Italien wegen schlampiger Arbeit von Kontrolleuren, schlechter Aufsicht durch die Behörden und unzureichender Prüfung von Importen. Diese beiden Länder standen auch im Zentrum eines der bislang größten Bio-Skandale überhaupt. Von 2007 bis 2010 hatten Betrüger 700.000 Tonnen Lebensmittel im Wert von rund 220 Millionen Euro auch nach Deutschland verkauft. Die Ware, vorrangig aus Rumänien, stammte von konventionell arbeitenden Betrieben. In Italien wurde sie von korrupten Mitarbeitern einer Kontrollstelle umdeklariert und über diverse Firmen zu viel höheren Preisen vertrieben.

Andere Dinge fallen komplett durchs Raster der Kontrollen. Beobachten lässt sich das in Andalusien. Mit mehr als zwei Millionen Hektar Bio-Fläche ist Spanien Spitzenreiter in Europa. In der Provinz Almeria und Umgebung erstreckt sich ein Meer aus weißen Plastikplanen unter denen Tomaten, Paprika und Gurken gedeihen – bio wie konventionell.

Gewächshäuser in Almeria, Andalusien in Spanien Foto: pictures-alliance

Diese Städte aus Gewächshäusern bilden Europas Gemüsegarten, der den Kontinent das ganze Jahr über mit frischer Ware versorgt. Heizung braucht es keine, per Lastwagen gelangt die Ernte schnell in Europas Supermärkte: Die Anbaubedingungen in Südspanien scheinen ideal – wäre da nur nicht das Problem mit dem Wasser, denn das ist notorisch knapp in der Region. Im Sinne der Maxime, dass Bio-Landwirtschaft möglichst schonend mit der Umwelt umgeht, wäre bei der Bewässerung Augenmaß gefragt. Bloß macht das EU-Bio-Siegel hierzu kaum Vorgaben. Lediglich einige Anbauverbände halten ihre Mitglieder zum Einsatz von effizienten Bewässerungssystemen an und verbieten illegale Wasserentnahme. Zwar gibt es in Almeria Meerwasserentsalzungsanlagen, doch das Grundwasser anzuzapfen ist billiger. Viele der andalusischen Bio-Bauern sind knallharte Geschäftsleute. Da ist die Rechnung schnell gemacht, zumal die Behörden nicht hart genug gegen illegale Brunnenbohrungen vorgehen, wie der WWF bemängelt. Die Folge: Der Grundwasserspiegel sinkt dramatisch. Teilweise liegt er schon 500 Meter unter null. Ähnlich sieht es in Ägypten aus, und der voranschreitende Klimawandel verschärft die Lage noch.


„Bio steht erst am Anfang“
GÖTZ REHN, Alnatura-Gründer

Solche Sorgen kennt man in der Ukraine nicht. Im Gegenteil: Hier sehen die Landwirte goldene Zeiten anbrechen. Denn der wachsende Bio-Hunger im Westen macht nicht nur Gemüse-, Obst- oder Milchimporte nötig. Es braucht auch Futter für die wachsende Zahl an Legehennen, Schweinen oder Rindern in den Bio-Ställen. Da kommt der Osten ins Spiel. Die Vorteile liegen auf der Hand, wie der Blick in die Ukraine beweist: Fläche ist im Überschuss vorhanden, die Böden sind äußerst fruchtbar und die Löhne niedrig. Oft mangelt es aber am nötigen Wissen.

GÖTZ REHN, Alnatura-Gründer Foto: Rainer Wohlfahrt

Das weiß Heinz Gengenbach nur zu gut. Gengenbach arbeitet eigentlich für den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und berät Bauern bei der Umstellung auf Bio. Seit mehr als 30 Jahren ist er aber auch in Osteuropa aktiv. „Die Arbeiter müssen oft noch lernen, wie Bio-Landbau funktioniert“, sagt er. Die Herausforderungen ähneln denen in den Entwicklungsländern auf der Südhalbkugel. Fruchtfolge etwa sei vielen fremd und Schädlingsbekämpfung ohne Pestizide erst einmal unvorstellbar, so Gengenbach. Noch einmal komplizierter macht seine Arbeit die Größe vieler Betriebe: „Es gibt Holdings mit bis zu 10.000 Hektar Fläche, auf denen Weizen, Mais oder Leguminosen nebeneinander wachsen.“ Bisweilen werde da die Ernte einfach neben das Feld gekippt, Bio mit konventionell vermischt oder bei der Lagerung geschlampt. „Da ist noch viel Luft nach oben, auch bei Transparenz und Kontrollen“, sagt Gengenbach.

Nicht zufällig verlangt die EU seit 2015 für Importe aus der Ukraine und acht anderen osteuropäischen Ländern schärfere Überprüfungen. In der Vergangenheit waren immer wieder verunreinigter Weizen oder Sonnenblumenkuchen mit dem Ursprung Ukraine aufgetaucht. Das schadet dem Ruf und erschwert das Geschäft – kappt aber nicht die längst engen Bande. 300.000 Tonnen Bio-Ware hat die Ukraine 2016 exportiert. Der Großteil waren Futtermittel mit dem Ziel Europäische Union. Selbst die Vereinigten Staaten gehören zu den Kunden. Dabei werden in der Ukraine bislang gerade einmal 0,89 Prozent der gesamten Landwirtschaftsfläche biomäßig bewirtschaftet. „Das Potential ist riesig“, konstatiert Gengenbach.

„Bio steht erst am Anfang“, gab Alnatura-Gründer Götz Rehn kürzlich zu Protokoll und traf damit die Stimmung in der Branche ziemlich gut. Ganz gleich, wen man fragt, alle strotzen vor Optimismus – und alle wollen mehr. Beim „Wie" aber endet die Einigkeit. Denn die großen Umsatzsprünge finden längst im Lebensmitteleinzelhandel und den Drogerien statt. Das kann den Wegbereitern der Bewegung nicht gefallen. „Bio lässt sich nicht kapern“, heißt es da trotzig vom Bundesverband Naturkost Naturwaren. Der Vorwurf ist klar: Die großen Lebensmittelketten nutzen Bio bloß zur Imagepflege, während sie das große Geld weiterhin mit konventionellen Produkten verdienen.

Felix Prinz zu Löwenstein kennt diese Diskussionen bestens. Er ist der Vorsitzende des Bundes Ökologische Landwirtschaft (BÖLW), der Dachorganisation der deutschen Bio-Erzeuger und -Händler und als Landwirt selbst im Naturland-Verband organisiert. Naturland arbeitet schon seit geraumer Zeit mit Rewe zusammen. Das habe zu hitzigen Debatten geführt, berichtet zu Löwenstein. Er selbst sieht es pragmatisch: „Wenn es ums Ganze geht – und das tut es – dann brauchen wir noch sehr viel mehr Bio auf dem Acker und in den Regalen.“ Es spricht wenig dafür, dass sich dieser Trend bald umkehrt.

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 02.08.2018 20:16 Uhr