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Pflanzen und der Klimawandel : Wo das Saatgut lagert, das die Welt retten könnte

  • -Aktualisiert am

Der Eingang zur internationalen Genbank Svalbard Global Seed Vault in der Nähe von Longyearbyen auf Spitzbergen. Bild: dpa

Die Ernährung der Welt hängt an wenigen Saatgut-Konzernen. Damit Vielfalt erhalten bleibt, lagern am Nordpol tausende Pflanzensamen. Doch sie sind in Gefahr.

          Im Nordpolarmeer liegt eine Inselgruppe mit steilen Berghängen im ewigen Eis. Dort, im Inneren eines Berges, schlafen Samen. Zu Tausenden ruhen sie in Päckchen, in Röhrchen und Ampullen und warten darauf, geweckt zu werden.

          Der Ort mit den schlafenden Samen heißt Spitzbergen. Die Inselgruppe liegt wie ein kristallenes Monument im Eismeer, zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol. Dort steht der Saatguttresor der Welt.

          Auf der Inselgruppe leben nur 2310 Menschen - zusammen mit, geschätzt, dreitausend Eisbären, die zwischen Packeis und Festland hin- und herpendeln. Das arktische Klima duldet weder Bäume noch Büsche. Durch den Tresor wurde einer der unwirtlichsten Orte des Planeten zum Hüter aller Saatgutpflanzen und damit zum Bewahrer einer grünen, fruchtbaren Welt.

          Man sieht vom Saatguttresor nur den Eingangstunnel. Er ist nicht mehr, als eine scharfe Kante, die aus dem Fels ragt. Im Inneren des Berges, am Ende des 130 Meter langen Ganges, ruhen die Samen bei minus achtzehn Grad. Ihr Genmaterial ist für die Zukunft erstarrt. Zum Leben erweckt, können die Samen die Welt ernähren, sie vielleicht sogar retten. Im Tresor ist Platz für 1,4 Millionen Saatgutsammlungen.

          Die Anlage wird vom norwegischen Staat, der staatlich finanzierten Organisation Nordgen und dem Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt verwaltet und ist ein Angebot für die mehr als 1700 Genbanken auf der Welt.

          Als die Anlage 2008 eingeweiht wurde, hieß es, das Gebilde werde mindestens zweihundert Jahre lang, unbeeindruckt von Wind und Wetter, die Samen im Inneren des Berges beschützen. Der Tresor wurde extra in den Permafrostboden gefräst, der niemals tauen soll. Nicht einmal im arktischen Sommer. Für Genbanken ist das praktisch, weil keine Energie für die Kühlung der Saatgutsammlung aufgebracht werden muss.

          Gleich nach seiner Eröffnung wurde der Tresor als Doomsday Vault, also als Gewölbe für den Weltuntergang, bekannt. Ein schlafender Riese, der auf die Apokalypse wartet, um die Menschheit zu retten. Doch als 2016 klar wurde, dass Tauwasser in den Eingangstunnel sickert, unkte man, dass der Tresor nun selbst Teil des Weltuntergangs durch den Klimawandel werde.

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          Seit Frühling 2018 ist der Eingangsbereich nun eine Baustelle. Zutritt verboten. Der Permafrostboden braucht Frosthilfe. Mit speziellen Kühlmatten und Kühlungsleitungen in den Wänden soll das Gestein um den Eingang tiefgefroren werden, damit kein Tauwasser mehr in den Tunnel eindringt.

          Man bleibt gelassen

          Permafrostboden, der auftaut und matschig bleibt, ist ein neues Phänomen auf Spitzbergen. Das könnte in der Arktis in Zukunft ein großes Problem werden. Forscher des norwegischen Polarinstituts, das einen kleinen Außenposten auf Spitzbergen hat, haben herausgefunden, dass die Durchschnittstemperatur in der Gegend alle zehn Jahre um ein viertel Grad Celsius steigt. Jahr für Jahr geht das Packeis zurück.

          Könnte der Klimawandel die Samen im Tresor antauen und unbrauchbar machen? Der Mitbegründer des Saatguttresors und ehemalige Geschäftsführer des Welt-Treuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt, Cary Fowler, lässt sich von den feuchten Tauszenarien nicht aus der Ruhe bringen. "Der Saatguttresor ist vom Klimawandel so wenig berührt, wie unsere Kühlschränke von Temperaturschwankungen in der Küche", sagt er.

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