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Motorisierung für die Äcker : Wie kommt der Traktor nach Afrika?

  • -Aktualisiert am

Ein Kontinent, der Mais braucht – und noch auf Traktoren wartet. Bild: Jana Mai

Eine Landmaschine kann für Kleinbauern alles verändern. Sie ernten mehr – jedenfalls, wenn es auch eine Tankstelle in der Nähe gibt. Afrika steht vor einer Herausforderung.

          Manchmal hoffst du ein ganzes Leben, und dann überrascht dich das Schicksal, wenn du deinen Traum eigentlich schon aufgeben wolltest. Sagt Nora Himoonga, fünfundsiebzig Jahre alt, pensionierte Lehrerin, jetzt Farmerin im Dorf Dumba, Südsambia. Sie hatte sich schon damit abgefunden, ihre sechs Hektar Acker weiterhin mit bloßen Händen zu bewirtschaften. Maissamen säen, Unkraut jäten, ernten. Ein tausendfaches Bücken, wie sie das seit knapp dreißig Jahren macht. Das spürt sie im Rücken, der schmerzt. In den Armen, die zwicken. In den Beinen, die ermüden. Nur zum Pflügen bekommt sie Hilfe: Ein Ochsengespann treibt die Pflugschar über den Boden.

          Doch dann, vergangenen Sommer, kam ihr Nachbar und machte ihr ein Angebot. Er habe einen Traktor, mit dem könne er ihr Feld pflügen. Sie gingen zu seinem Hof, und da sah sie ihn neben dem Haus stehen: einen Massey Ferguson, Modell 4708, fünfundachtzig PS.

          Hoffnung auf Fortschritt

          Der rote Lack funkelte in der Sonne. Irgendwie wirkte der Traktor fehlplaziert in dieser Landschaft zwischen den trockenen Äckern und den Mangobäumen, zwischen den einfachen Lehmhäusern mit Wellblechdächern. Wer hier im Dorf Geld hat, könnte sich ein Motorrad leisten oder eine kleine Solarzelle auf dem Dach. Vielleicht einen Fernseher mit Satellitenschüssel. Einen Traktor besitzt niemand.

          Einer der weniger Traktoren im südlichen Sambia.

          Von dem Tag an begann Nora Himoonga wieder zu träumen. Ein Traktor, auf ihrem Acker. Ein Ende der Schufterei.

          In den vergangenen Jahren haben Agrarkonzerne und Hilfsorganisationen eine Klientel entdeckt, die wichtig für sie ist und schwierig zugleich: Kleinbauern. Farmer, die meist nur wenige Hektar Ackerland bewirtschaften. Mehr als fünfhundert Millionen Menschen weltweit leben allein von der eigenen Scholle. Einige von ihnen verkaufen einen Teil der Ernte auf dem Markt. Die meisten bauen gerade genug an, um sich und ihre Familien versorgen zu können. Allein in Afrika und Asien produzieren Kleinbauern mehr als 80 Prozent der Lebensmittel.

          Ernten müssen steigen

          Doch sie sind ein schwieriges Klientel, da sie meist kaum Geld haben. Um alle Menschen in Zukunft ernähren zu können, müssen die Ernten in den kommenden drei Jahrzehnten um fast die Hälfte steigen. Landwirtschaftliche Großbetriebe können das nicht ausschließlich stemmen. Und so verschiebt sich die Aufmerksamkeit immer stärker in Richtung der Kleinbauern. Sie bilden den idealen Startpunkt im Kampf gegen globalen Hunger. Schon 2010 sagte der damalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter: „Kleinbauern müssen im Zentrum der nächsten grünen Revolution stehen.“ Seit 2012 arbeitet zudem der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen an einer Erklärung für die Rechte von Kleinbauern.

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          Doch der große Wandel blieb bislang aus. Den meisten Regierungen, gerade in Afrika, fehlt das Geld, ihre Landbevölkerung zu unterstützen. So warnte 2013 der Schweizer Soziologe Jean Ziegler: „Auf dem ganzen afrikanischen Kontinent gibt es lediglich 85000 Traktoren und 250000 Zugtiere – in Deutschland waren es 2011 knapp zwei Millionen Traktoren und mehr als zwölf Millionen Rinder.“

          Ein Traktor für das kleine Geld

          Und so können Kleinbauern bis heute nur mühsam ihre Erträge steigern. In Sambia startete dabei schon 2001 das „Farmer Input Support Program“ (FISP), eine Regierungsinitiative für Subventionen. Farmer kommen dank FISP leichter an Dünger und Saatgut, sie können sich günstiger Pestizide und Herbizide kaufen. Doch mechanisch-technische Unterstützung für die Feldarbeit sieht das Programm nicht vor. Dabei wäre diese so wichtig. Um das Drei- bis Fünffache steigt die Ernte, wenn ein Traktor anstatt eines Ochsengespanns den Boden umpflügt, sagen Agrarwissenschaftler. Manche schätzen sogar, die Ernte kann sich verzehnfachen.

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